Wieso befinden sich so viele Jugendliche in der Schuldenfalle? Shoppen gehen zählt heutzutage als Freizeitbeschäftigung. Dabei werden Anschaffungen schon längst nicht mehr aus pragmatischen Gründen getätigt. Vielmehr gelten die Beschaffungen als Statussymbole und haben einen großen Einfluss auf das Ansehen von Jugendlichen in ihrem Freundeskreis. Dabei leben die Heranwachsenden häufig über ihre Möglichkeiten. Welches die häufigsten Gründe für eine Verschuldung von Jugendlichen sind und wie sie dieser wieder entkommen können, klärt die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V. in ihrem kostenlosen Ratgeberportal.  Isabel Frankenberg von der Interessengemeinschaft erläutert das Problem näher.

31% aller Jugendlichen schon einmal von Schulden betroffen

Im Jahr 2015 ergab eine Umfrage der GfK für den Bundesverband Deutscher Banken, dass 31% aller 14- bis 21-jährigen bereits einmal von Schulden betroffen waren. Zudem leihen sich Jugendliche immer häufiger Geld von Freunden, den Eltern oder sogar von Banken. Grund für diese Entwicklung sind die kommerziellen Möglichkeiten, welche sich im Laufe der Jahre für Jugendliche enorm verbessert haben. Die Höhe des Taschengeldes oder von Geldgeschenken ist gestiegen und durch kleinere Aushilfsjobs können Heranwachsende immer mehr konsumieren.

Doch wofür geben Jugendliche so viel Geld aus?

Anders als häufig vermutet, stehen die Telefonanbieter schon längst nicht mehr auf Platz 1 der Gläubiger. Grund dafür ist die weit verbreitete Flatrate, welche den Heranwachsenden ein unbegrenztes Telefonieren, Schreiben und Surfen möglich macht. Trotzdem spielt das Smartphone bei der Verschuldung der jungen Menschen immer noch eine große Rolle. Diese betrifft jedoch vielmehr die Anschaffung der beliebten Kommunikationsmittel.

Auf Platz 1 der Gründe für die Verschuldung Jugendlicher steht die Anschaffung von technischen Geräten, zu denen eben auch Handys gehören. Doch auch für den Autokauf, den Lebensunterhalt und die Beschaffung von Kleidung und Schmuck, geben Jugendliche eine große Menge an Geld aus. Auf das Essen gehen mit Freunden oder schöne Abende in Bars wollen die Heranwachsenden ebenfalls nicht verzichten. Die restlichen Schulden werden durch die Beschaffung etwaiger Luxusgüter abgedeckt. Grundsätzlich leben die Jugendlichen über ihre Möglichkeiten. Daher sollten jungen Menschen schon früh den Umgang mit Geld erlernen und einige Tipps zur Vermeidung von Schulden beachten.

Der Überblick über die eigenen Finanzen ist wichtig

Wichtig ist vor allem, immer einen Überblick über die eigenen Finanzen zu haben. Daher ist es hilfreich alle Einnahmen und Ausgaben zu notieren und niemals mehr Geld auszugeben, als vorhanden ist. Jugendliche sollten sich das Geld gut einteilen, so dass am Monatsende genügend zur Verfügung steht. Dies kann geschehen, indem Kaufimpulsen und Versuchungen widerstanden wird und sich der Heranwachsende bei jedem Einkauf die Frage stellt: „Brauche ich das wirklich?“.

Jeden Monat einen kleinen Teil des verfügbaren Geldes zurückzulegen und zu sparen, kann dazu beitragen, im Falle von unerwarteten Reparaturen oder anderen Kosten nicht in eine finanzielle Notlage zu verfallen. Doch das Wichtigste ist, Schulden gar nicht erst zu verursachen. Eine Schuldenfalle entstehen zu lassen ist leicht, sich aus dieser wieder zu befreien hingehen nicht. Dieser Prozess ist oft mühsam und nimmt nicht selten viele Jahre in Anspruch. Daher sollten Jugendliche auf Ratenzahlungen verzichten. Durch diese verlieren sie häufig den Überblick über die Finanzen und überziehen das Konto ungewollt. Stattdessen können Angebote genau geprüft und in Anspruch genommen werden. Diese sollten im besten Fall Bar bezahlt werden. Bei häufiger Zahlung mit der EC-Karte, kann schnell der Überblick über die Finanzen verloren werden.

Gerät der Jugendliche trotz aller Tipps in eine Schuldenfalle, ist es wichtig, schnell zu handeln und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dadurch wird verhindert, dass der Schuldenberg weiter wächst. Professionelle Hilfe bietet z.B. eine Schuldnerberatung. Einige Städte und Kommunen bieten diese sogar speziell für Jugendliche an und gehen auf wichtige Themen, wie Ausbildung, Auszug aus dem Elternhaus und andere neuen Herausforderungen, vor denen junge Menschen zum ersten Mal in ihrem Leben stehen, ein.

Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V.

Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V. wurde im Januar 2017 vom Rechtsjournalisten Marcel Weber in Berlin gegründet. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Transparenz im Bereich Sozialrecht zu schaffen, um interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen Einblick in die wichtigsten Themen zu bieten. Ziel und Zweck der Interessengemeinschaft e.V. ist die Beobachtung sozialrechtlicher Entwicklungen, Analyse und Kommentierung aktueller Rechtsprechungen sowie der Bereitstellung von Informationen und Hilfestellungen für Leistungsempfänger und Interessierte. Dabei verfolgt der Verein keinerlei eigenwirtschaftliche Zwecke.

Quelle: Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V.