Und wieder fehlen Lehrer. Das Phänomen ist altbekannt und sollte niemanden überraschen, denn die Bundesländer stehen regelmäßig vor diesem Problem. Weil die Länder schlecht planen, gibt es deutschlandweit zu wenige Lehrer. Doch nicht alle Kinder und Jugendlichen sind von diesem Mangel gleichermaßen betroffen, weiß IW-Bildungsexpertin Ruth Maria Schüler. In einer Schriftenreihe des Instituts der deutschen Wirtschaft stellt sie in einem Kommentar klar, “Der Lehrermangel trifft vor allem die Benachteiligten”.

Schüler zu Folge ist der Lehrermangel auf Grundschulen besonders groß. Also dort, wo familiär bedingte Unterschiede noch am ehesten aufgefangen werden könnte. Kinder, die von Beginn an mit einem Nachteil ihre Schullaufbahn starten, waren von dem Mangel an Lehrkräften besonders betroffen. Und diese, Benachteiligung der Benachteiligten zöge sich durch die ganze Schulzeit, argumentiert die Bildungsexpertin. Lehrer fehlten nämlich nicht an Gymnasien, sondern vor allem an Haupt- und Realschulen sowie an Förderschulen. Schafften es diese Schüler dann trotz Unterrichtsausfall, Betreuung durch nicht qualifizierte Lehrkräfte und anderer kreativer Methoden, dem Lehrermangel entgegenzuwirken, zum Schulabschluss, sähen sie sich an den Berufsschulen dem nächsten Lehrermangel gegenüber.

Den Lösungsansatz, den Mangel an Lehrkräften mit Seiteneinsteigern zu decken, hinterfragt Schüler kritisch. Seiteneinsteiger sind Akademiker ohne Lehramtsstudium. Vorwiegend würden diese an sogenannten Brennpunktschulen eingesetzt. Das zeige, dass auch innerhalb einer Schulform ausgerechnet jene Schüler am meisten vom Lehrermangel betroffen sind, die guten Unterricht besonders nötig hätten. Damit Seiteneinsteiger kompetente Lehrkräfte sein und guten Unterricht gestalten könnten, fordert Schüler eine umfassende pädagogische Qualifizierung und vor allem eine berufliche Perspektive.

Insgesamt müsse es neben einer besseren Planung des Lehrerbedarfs gelingen, die Attraktivität des Lehramts an Grundschulen, Haupt- und Realschulen, Berufsschulen und Förderschulen zu steigern – denn deren Schüler von heute seien die Fachkräfte von morgen.

Quelle: iwd – Informationen aus dem Institut der deutschen Wirtschaft