Editorial zum Newsletter vom 24.09.2026

Die Ausgabe des Newsletters vom 24.09.2026 bietet Rückblicke und Einblicke zur Arbeit und zu den Themen im Netzwerk der BAG KJS.

Liebe Leser*innen,

drei Wahlen liegen hinter uns. Die Ergebnisse markieren eine politische Zäsur und stellen die Demokratie vor eine Belastungsprobe. Besonders mit Blick auf die junge Generation werfen sie Fragen auf. Die Hoffnung, hohe Zustimmungswerte für die AfD würden sich mit einem Generationenwechsel von selbst erledigen, lässt sich angesichts der Ergebnisse jedenfalls nicht aufrechterhalten.

Für die Jugendsozialarbeit stellt sich deshalb umso dringlicher die Frage, wie junge Menschen Demokratie erleben und welche Erfahrungen ihre politischen Einstellungen prägen. Wo erleben sie Beteiligung und Selbstwirksamkeit? Wo finden sie Räume für Austausch und Auseinandersetzung? Und was braucht es, damit junge Menschen Vertrauen in demokratische Institutionen und gesellschaftlichen Zusammenhalt entwickeln?

Gleichzeitig zeigen die Wahlergebnisse in Berlin, dass politische Unzufriedenheit nicht zwangsläufig in eine Richtung führt. Entscheidend ist auch, ob politische Angebote an den Lebensrealitäten junger Menschen anknüpfen.

Bundeskanzler Friedrich Merz sprach am Wahlabend von Wohlstand und Generationengerechtigkeit und rief zu Optimismus auf. Doch zwischen politischen Versprechen und der Lebensrealität junger Menschen liegt mitunter eine erhebliche Distanz. Wer als junger Mensch auf dem Wohnungsmarkt eine Wohnung sucht, erlebt diese Distanz sehr konkret. Wer sich in Ausbildung befindet, mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpft oder keine verlässliche Perspektive für den eigenen Bildungs- und Berufsweg sieht, braucht mehr als Optimismus. Es braucht politische Antworten, die im Alltag ankommen.

In dieser Ausgabe stehen die Interessen junger Menschen und die fachpolitischen Positionen der Jugendsozialarbeit im Mittelpunkt. Es geht um das Kindeswohl in der Klimakrise, den Umgang mit Schulabsentismus, die Zukunft der Kinder- und Jugendhilfe und den Umgang mit Rechtsextremismus. Die PISA-Ergebnisse lenken zudem den Blick auf die weiterhin zentrale Frage der Bildungsgerechtigkeit.

Wir beziehen Position und unterstützen Menschen, die sich für Demokratie einsetzen und Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit entgegentreten. Gerade jetzt braucht es eine starke Zivilgesellschaft und eine Jugendsozialarbeit, die die Interessen junger Menschen konsequent vertritt und nicht wegschaut.

Ich wünsche eine anregende Lektüre, gute Impulse und die nötige Kraft für die kommenden Aufgaben.

Özlem Tokyay

Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Jugendsozialarbeit

 

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