Altersarmut ist kein individuelles Versagen, sondern das Ergebnis struktureller Ungleichheiten ― dies wurde erneut deutlich bei der digitalen Fachveranstaltung „Warum Altersarmut kein Zufall ist. Ansätze zur Gerechtigkeit“ am 15. April.
Die Online-Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe „Armut überwinden. Dimensionen weiblicher Benachteiligung“ statt, die vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz und der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung Deutschland (KAB) durchgeführt wird. Ziel der Reihe ist es, unterschiedliche Facetten weiblicher Armut sichtbar zu machen und gesellschaftliche wie politische Handlungsbedarfe zu diskutieren.
Gender Gaps und Rentenpolitik: Geschlechterspezifische Ungleichheiten
In Kooperation mit der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ), dem Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) und Kolping Deutschland wurde zusammen mit den Teilnehmer*innen die aktuelle Lage von armutsbetroffenen Frauen in Deutschland in den Blick genommen und mögliche rentenpolitische Reformansätze diskutiert.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich soziale Ungleichheiten über die Lebensspanne hinweg verfestigen. Deutlich wurde: Wer bereits in jungen Jahren von Armut betroffen ist, ist einem deutlich höheren Risiko ausgesetzt, auch im Alter in prekären Verhältnissen zu leben. Bildungszugänge, Erwerbsbiografien, Sorgearbeit und strukturelle Benachteiligungen greifen dabei ineinander. Marlies Hennen-Nöhre von der Arbeitsstelle für Frauenseelsorge leitete durch den Abend.
Nach einem Einstieg in die Lebenswelten junger Menschen durch Conni Schermer, Bundesleiterin der CAJ, folgte ein Blick auf die aktuelle rentenpolitische Situation in Deutschland. Mit Blick auf die Frage, was geschlechtergerechte Altersvorsorge bedeutet, wies Andrea Redding (KDFB-Vizepräsidentin) auf die nach wie vor bestehenden Ungerechtigkeiten hin, die sich im Lebenslauf vieler Menschen weiter verschärfen. So liegt der Gender Pay Gap bei rund 16 Prozent, der Gender Pension Gap sogar bei etwa 36 Prozent.
Vorschläge für rentenpolitische Reformansätze
Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf konkreten Reformansätzen: Vorgestellt wurden zwei Rentenmodelle von katholischen Sozialverbänden – von der KAB Deutschland und Kolping Deutschland. Beide Konzepte verfolgen das Ziel, Altersarmut wirksam vorzubeugen und das Rentensystem solidarischer auszugestalten. Diskutiert wurde unter anderem, wie eine Pflichtversicherung für alle Erwerbstätigen aussehen kann, welche Rolle unbezahlte Sorgearbeit in der Rentenversorgung spielt und wie der Vergleich mit den europäischen Nachbarländern aussieht. Lucia Schneiders-Adams (KAB) und Alexander Suchomsky (Kolping) zeigten an ihren jeweiligen Modellen mögliche Alternativen zum derzeitigen Rentensystem in Deutschland auf, die Bildungs- und Geschlechterungerechtigkeiten entgegenwirken.
Die Veranstaltung zeigte klar auf, wie wichtig es ist, sozialpolitische Fragen generationenübergreifend zu denken und wie groß der Handlungsbedarf ist, um Geschlechterungerechtigkeit entgegenzuwirken und mehr soziale Gerechtigkeit herzustellen.
Autorin: Franziska von Deimling (Fachreferentin für Jugendsozialarbeit des BDKJ im Netzwerk der BAG KJS)



