Ohne Job und arm – Deutschland birgt ein hohes Risiko arbeits- und mittellos zu sein

Arm durch Arbeitslosigkeit – diese Gefahr ist in Deutschland im Vergleich zu den Nachbarländern extrem hoch. Mehr als zwei Drittel aller Arbeitslosen (69,3 Prozent) sind hier von Armut bedroht. Selbst in den von der Wirtschafts- und Finanzkrise stark getroffenen südeuropäischen Ländern sind Menschen ohne Job nur im EU-Durchschnitt gefährdet (46,6 Prozent). In Frankreich (35,7%) und Dänemark (36,3 %) ist die Betroffenheit nur halb so hoch wie in Deutschland. Das zeigt eine Auswertung, die das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) jetzt im Informationsportal www.sozialpolitik-aktuell.de veröffentlicht hat.

Eine Armutsgefährdung liegt vor, wenn das für jedes Haushaltsmitglied verfügbare aushaltseinkommen nicht ausreicht, um die Güter und Dienstleistungen zu erwerben, die zur Abdeckung des jeweiligen nationalen sozialkulturellen Existenzminimums erforderlich sind. Die Armutsgefährdungsschwelle ist auf 60 % des nationalen medianen verfügbaren Äquivalenzeinkommens festgesetzt. Die nationalen Schwellenwerte für die Armutsgefährdung fallen dabei sehr unterschiedlich aus. Während der Schwellenwert in Deutschland 2013 für eine alleinstehende Person bei 979 Euro im Monat lag, galt in Polen ein Betrag ab unter 258 Euro. In diesem Zusammenhang spricht man deshalb von einer relativen Armut.

Die extrem hohe Armutsbetroffenheit von Arbeitslosen in Deutschland ist vor allem auf die Arbeitsmarktreformen (Hartz-Gesetze) der letzten Jahre zurückzuführen. Denn im Jahr 2005 hatte die Armutsgefährdung von Arbeitslosen in Deutschland noch 40,6 % betragen und entsprach damit dem EU-Durchschnitt. Auf der einen Seite reicht das Leistungsniveau der Grundsicherung für Arbeitsuchende (Hartz IV/SGB II) nicht zur existenzsichernden Finanzierung des Lebensunterhalts aus. Die bundesdurchschnittliche Höhe der Grundsicherung einschließlich der Kosten der Unterkunft beträgt für eine alleinstehende Person gerade einmal 690 Euro im Monat und liegt damit um knapp 300 Euro niedriger als der von der EU definierte Schwellenwert. Auf der anderen Seite fällt auch die Höhe der Versicherungsleistung Arbeitslosengeld nur bescheiden aus: Im Durchschnitt erhalten die Männer 968 Euro und die Frauen 720 Euro. Zugleich liegen für 42,6 % der Frauen und für 18,9 % der Männer die Leistungen unterhalb von 600 Euro.

Als besonders problematisch ist dabei die Entwicklung der Verteilung der Arbeitslosen in den Rechtskreisen anzusehen, da mittlerweile mehr als zwei Drittel aller Arbeitslosen in Deutschland dem SGB II zugeordnet werden.

In der weiteren Betrachtung verschiedener Haushaltstypen ergibt sich in der EU für 2013 ein besonders hohes Armutsrisiko bei alleinlebenden (24,9 %) und alleinerziehenden (31,8 %) Personen. Zusätzlich hängt das Armutsrisiko in hohem Maß mit dem erworbenen Bildungsgrad, dem Alter und dem Geschlecht zusammen. “

www.sozialpolitik-aktuelle.de

Quelle: IAQ

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