Ausbildungsmarktbilanz: Die Krise auf dem Ausbildungsmarkt setzt sich fort

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Nachdem die Bundesagentur für Arbeit ihre jährliche Bilanz des Berufsberatungsjahres 2020/21 gezogen hat – im Fachjargon auch “Ausbildungsmarktbilanz” genannt, ist klar: Die Krise auf dem Ausbildungsmarkt ist noch lange nicht vorbei. Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt war 2020/21 weiter stark von der Pandemie geprägt. Die aktuellen Zahlen zum Ausbildungsmarkt bleiben noch sehr deutlich hinter denen vor der Pandemie zurück. Für den Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, steht Deutschland weiterhin vor großen Herausforderungen. Die Zahlen der BA offenbaren einen historischen Tiefstand. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) plädiert daher für eine Ausbildungsgarantie. So könnten allen jungen Menschen Zukunftsperspektiven eröffnet werden. Für den Koalitionsvertrag macht die BAG KJS hierzu einen konkreten Vorschlag.

Ausbildungsmarktbilanz – die wichtigsten Zahlen

  • Von Oktober 2020 bis September 2021 wurden den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern in gemeinsamen Einrichtungen insgesamt 511.300 Berufsausbildungsstellen gemeldet. Das waren 19.000 weniger als im Vorjahreszeitraum. Der überwiegende Teil sind betriebliche Ausbildungsstellen; sie verzeichnen ein Minus von 17.700 auf 496.800. 
  • Seit Beginn des Beratungsjahres am 1. Oktober 2020 haben sich insgesamt 433.500 Bewerber*innen als ausbildungssuchend registriert. Das waren 39.400 weniger als im Vorjahr. 
  • Das deutliche Minus auf der Seite der Bewerber*innen erklärt die BA durch die eingeschränkten Zugangswege zur Berufsberatung. Diese seien nicht vollständig durch digitale Angebote zu ersetzten gewesen. Deshalb dürfte die gemeldete Bewerber*innenzahl das tatsächliche Ausbildungsinteresse nur unzureichend widerspiegeln. 
  • Bis Ende September 2021 haben 199.500 junge Menschen eine Berufsausbildung begonnen, 16.600 weniger als im Vorjahr. Das entsprach einem Anteil von 46 Prozent der registrierten Bewerber*innen. 16 Prozent wichen auf einen weiteren Schulbesuch, ein Praktikum oder ein Studium aus und 2 Prozent auf eine geförderte Qualifizierung wie eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme oder eine Einstiegsqualifizierung. Weitere 8 Prozent haben eine Arbeit aufgenommen, 2 Prozent engagieren sich in gemeinnützigen sozialen Diensten, und 5 Prozent haben sich arbeitslos gemeldet. Von 13 Prozent der Bewerber*innen liegt keine Rückmeldung zum Verbleib vor. 
  • Neben den unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern sind 43.200 junge Menschen zum 30. September zwar in eine Alternative eingemündet, haben ihren Vermittlungswunsch in eine duale Ausbildung dennoch aufrechterhalten. Ihre Zahl liegt im Vergleich zum Vorjahr um 5.700 niedriger. 

Ausbildungsmarktbilanz stimmt nicht freudig

Dass der Ausbildungsmarkt sich nicht erholt hat, bekommen junge Menschen deutlich zu spüren. Im Vergleich zum Vorjahr konnten noch weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. Die prekäre Lage für junge Menschen ohne Abschluss spitzt sich deutlich zu. Dabei wollen sie keine verlorene Generation oder eine Generation Corona sein. Sie möchten teilhaben, ihre Potentiale entfalten und ihre Talente einsetzen. Das stellt die BAG KJS im Rahmen ihrer Initiative zur Bekämpfung von Jugendarmut deutlich heraus; sowohl in ihrem Monitor „Jugendarmut in Deutschland“ als auch in ihrem Politikbrief wird klar, dass es jetzt eine Ausbildungsgarantie baucht. 

 Quelle: BA; BAG KJS 

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