Eindrücke der Jugendsozialarbeit beim Katholik*innentag 2026

Mit mehreren Angeboten trug IN VIA Deutschland als Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) zum vielfältigen Programm des Katholik*innentags in Würzburg bei. Es gab zahlreiche Anlässe für Begegnungen und Austausch an den Ständen der Kirchenmeile und bei politischen Empfängen.

Jung motiviert – und trotzdem ohne Ausbildungsplatz

In der Werkstatt „Jung motiviert – und trotzdem ohne Ausbildungsplatz“, die IN VIA Deutschland zusammen mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) gestaltete, stand die Situation junger Menschen im Mittelpunkt, die trotz Engagement keinen Ausbildungsplatz finden. Die Eingangsfrage, ob die Suche nach einem Ausbildungsplatz heute gefühlt schwieriger ist als früher, beantworteten alle Teilnehmenden mit großer Zustimmung. Einigkeit herrschte darüber, dass viele junge Menschen nicht nur Informationen, sondern insbesondere Begleitung und Unterstützung benötigen, um den Schritt in Ausbildung zu meistern.

Sowohl IN VIA Deutschland als auch der BDKJ begleiten im Rahmen der Jugendberufshilfe junge Menschen beim Übergang von der Schule in Ausbildung/Beruf. Aufgezeigt wurden Zahlen und Fakten, die belegen, dass vielen jungen Menschen der Weg in Ausbildung versperrt bleibt. Ebenso wurden Exklusionsrisiken erläutert, die den Übergang in Ausbildung behindern. Hierbei sind nach wie vor der Schulabschluss und die soziale Herkunft entscheidend bei der Ausbildungsplatzsuche. In der abschließenden Diskussion wurde der Frage nachgegangen, wie eine Lösung aussehen könnte und es wurde Bezug zum Motto des Katholikentages hergestellt: „Steh auf. Hab Mut!“ – genau das brauchen junge Menschen nach der Schule, um den Übergang in Ausbildung und Beruf erfolgreich zu bewältigen.

Jeder zählt: Planspiel zur inklusiven Bildungsgestaltung

Die Werkstatt „Jeder zählt: Planspiel zur inklusiven Bildungsgestaltung“ von IN VIA Deutschland im Netzwerk der BAG KJS beschäftigte sich mit inklusiver Bildung und der Frage, wie Teilhabe und Chancengerechtigkeit konkret gestaltet werden können. Hierzu stellten die Referentinnen von IN VIA zunächst relevante Zahlen, Daten und Fakten vor und gestalteten den methodischen Einstieg so, dass die Teilnehmer*innen ihre eigene Bildungsbiografie reflektieren konnten. Deutlich wurden die vielfältigen Erfahrungen, Wege und Entscheidungen, die jede*r zu treffen hatte – mal mit mehr, mal mit weniger Unterstützung. Im Anschluss wurde ein Planspiel mit verschiedenen Fallbeschreibungen/Personas und Situationen umgesetzt. Durch einige Rückmeldungen wurde deutlich, welche unterstützende Rolle Eltern/Familien spielen. Die Angebote der Jugendsozialarbeit am Übergang in den Beruf sowie der Schulsozialarbeit als niedrigschwellige Anlaufstelle im schulischen Alltag sind ebenso in einigen reflektierenden Berichten hervorgehoben worden.

Erprobt, erlebt, ermutigt: Schule als Demokratielabor – Erfahrungen und Methoden der Demokratiebildung

Gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), dem Bündnis „Zusammen für Demokratie“ und der BAG KJS setzte IN VIA Deutschland die Werkstatt „Erprobt, erlebt, ermutigt: Schule als Demokratielabor – Erfahrungen und Methoden der Demokratiebildung“ um. Im Fokus stand die Frage, wie Demokratiebildung als Leitbild in Schulen aussehen und gelebt werden kann. Hierzu sind Vertretungen aus Schulen zu ihren Perspektiven sowie die Teilnehmenden selbst gefragt worden. IN VIA kommentierte insbesondere, welche Rolle Demokratiebildung in der Jugendsozialarbeit spielt.

In der schulbezogenen Arbeit, wie beispielsweise Schulsozialarbeit, wird Schule als sozialer Raum mitgestaltet. Sie wirkt oft „im Kleinen“ in Gesprächen, in Konflikten, in Beziehungen und in Entscheidungen. Sie versteht sich auch als Impulsgeberin für Schulentwicklung hin zu einer gemeinsamen Haltung, die demokratische Werte im täglichen Miteinander vermittelt. Konkrete Methoden wurden am Beispiel der Methodensammlung DEIM genannt: Demokratie einfach machen! (DEIM).

Die Teilnehmenden waren sich nach der Diskussion einig: Wichtig ist, Demokratiebildung nicht als zusätzliche Aufgabe für alle pädagogischen Fachkräfte an und mit Schulen zu sehen, sondern sie als Haltung sowohl im Unterricht, aber auch im sozialen Umgang miteinander zu leben.

Regenbogenkompetenz in der katholischen Jugendsozialarbeit

Gemeinsam mit dem Verband der Kolpinghäuser veranstaltete IN VIA Deutschland die Werkstatt „Regenbogenkompetenz in der katholischen Jugendsozialarbeit“. Bei dem Input von Raphaela Noah Soden des Erzbischöflichen Seelsorgeamts Freiburg standen Fragen der Sensibilisierung sowie die Förderung eines diskriminierungskritischen Normdenkens hin zu einem stärker queerinklusiven Verständnis pädagogischer Praxis im Vordergrund. Anschließend kamen die Teilnehmenden ins Gespräch. Gemeinsam diskutierten sie, wie Fachkräfte in ihren Einrichtungen queere Lebensrealitäten sichtbarer machen und junge Menschen diskriminierungssensibel begleiten können. Fokussiert wurden dabei u. a., welche Haltung und Sensibilisierung es im Team sowie auf Leitungsebene benötigt.

Es entstand ein intensiver und fachlich bereichernder Austausch. Besonders wertvoll war die Perspektive junger angehender Fachkräfte, darunter auch queere Teilnehmende, die eigene Erfahrungen und Expertise einbrachten. Für sie war es selbstverständlich, in Beratungssettings eine diskriminierungskritische Haltung sowie sexuelle und Geschlechtsidentitäten in all ihrer Vielfalt zu berücksichtigen. Damit unterscheidet sich eine diskriminierungssensible Haltung in Bezug auf queere junge Menschen im Grunde nicht sonderlich von einem inklusiven Denken, wie es auch bei anderen marginalisierten Gruppen der Fall ist.

Deutlich wurde, dass diese Stimmen in Einrichtungen häufig noch adultistisch überhört oder nicht ausreichend ernst genommen werden. Die Werkstatt machte sichtbar, wie wichtig es ist, junge (queere) Fachkräfte aktiv einzubeziehen und ihre Perspektiven als Ressource für eine inklusive und zukunftsfähige Jugendsozialarbeit anzuerkennen. Die Veranstaltung setzte damit ein wichtiges Zeichen für mehr Offenheit, Reflexion und Vielfalt in der katholischen Jugendsozialarbeit.

Autorinnen: Julia Schad-Heim, Susanne Nowak und Lynn Kriegs (Fachreferentinnen bei IN VIA Deutschland e. V. im Netzwerk der BAG KJS)

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