Der „Fünfte Bericht der Bundesregierung über die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Deutschland und Wohngeld- und Mietenbericht 2024“dokumentiert eine anhaltend hohe Wohnkostenbelastung und weist Millionen Haushalte aus, die auf Wohngeld oder Leistungen für Unterkunft und Heizung angewiesen sind.
Diese aktuellen Zahlen in Verbindung mit den Befunden des Monitors „Jugendarmut in Deutschland“ der BAG KJS zeigen deutlich, wie steigende Mieten und fehlender bezahlbarer Wohnraum soziale Ungleichheit verschärfen und vor allem junge Menschen besonders stark treffen. Die wohnungspolitische Debatte ist somit als eine zentrale sozialpolitische Herausforderung zu verstehen.
Entwicklung von Wohnkosten und staatlichen Unterstützungsleistungen
Ende Februar 2026 beriet der Deutsche Bundestag den „Fünften Bericht der Bundesregierung über die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Deutschland und Wohngeld- und Mietenbericht 2024“. Der Bericht bündelt die Entwicklung des Wohnungsmarktes, der Mieten und des Wohngeldes. Er liefert eine Bestandsaufnahme zur wirtschaftlichen Lage der Branche und zur sozialen Dimension steigender Wohnkosten.
Die Wohnkostenbelastung ist kein Randthema, wie die Zahlen des Berichts bestätigen. Im Jahr 2023 bezogen rund 3,63 Millionen Haushalte Leistungen für Unterkunft und Heizung im Rahmen der Grundsicherung. Etwa 1,03 Millionen Haushalte erhielten Wohngeld. Ein erheblicher Teil dieser Haushalte sind Familien. Dem Bericht nach bezogen rund 397.000 Familien mit insgesamt etwa 883.000 Kindern unter 18 Jahren Wohngeld. Diese Familien machten ca. 35 % der reinen Wohngeldhaushalte aus. Damit betrifft die Wohnkostenproblematik in großem Umfang Kinder und junge Menschen.
Steigende Mieten, hohe Nebenkosten und knapper Wohnraum belasten Familien direkt. Finanzielle Engpässe, beengte Wohnungen oder erzwungene Umzüge wirken sich auf Bildungswege, soziale Kontakte und psychische Stabilität aus. Wohnunsicherheit erhöht das Risiko sozialer Ausgrenzung. Wer in einem einkommensarmen Haushalt lebt, trägt diese Belastung oft von Kindheit an.
Wohnsituation junger Menschen im Kontext von Armutsgefährdung
Wie stark junge Menschen betroffen sind, zeigt der Monitor „Jugendarmut in Deutschland“ der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS). Rund ein Viertel der 18- bis 24-Jährigen galt im Jahr 2023 als armutsgefährdet, bei Minderjährigen war es etwa jede fünfte Person. Im Kapitel „Wohnen als soziale Frage“ wird deutlich, dass hohe Mieten zu den größten Sorgen junger Menschen zählen. Die Mehrheit der 16- bis 29-Jährigen bewertete die Wohnungssuche bereits vor drei Jahren als schwierig. Diese Situation hat sich seitdem nicht verbessert. Das Gegenteil ist der Fall: Der Bestand an Sozialwohnungen sinkt seit Jahren deutlich. Für junge Erwachsene mit geringem Einkommen oder instabilen Erwerbsperspektiven verschärft sich somit der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum.
Vor diesem Hintergrund brachten Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen zwei Initiativen ein. Der Gesetzentwurf „zur Stärkung des sozialen Mietrechts“ (BT-Drs. 21/4268) zielt auf strengere Begrenzungen von Mietsteigerungen und stärkeren Kündigungsschutz. Der Antrag „Faire Mieten jetzt – Schutz und Aufklärung für Mieterinnen und Mieter“ (BT-Drs. 21/4282) fordert bessere Beratung, mehr Transparenz und wirksameren Schutz vor missbräuchlichen Praktiken. Beide Initiativen reagieren auf die im Bericht dokumentierten Belastungen und stellen den Mieter*innenschutz in den Mittelpunkt.
Die Daten aus dem Regierungsbericht und die Befunde zur Jugendarmut zeigen unmissverständlich: Die Wohnungsfrage ist eine Frage der Chancengerechtigkeit. Wenn Millionen Haushalte staatliche Unterstützung benötigen und junge Menschen überdurchschnittlich armutsgefährdet sind, ist Wohnen eine zentrale soziale Herausforderung. Stabiler und bezahlbarer Wohnraum ist eine Voraussetzung für Bildung, Verselbständigung und gesellschaftliche Teilhabe. Darauf verweist auch der Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit in einer Position zur geplanten neuen Grundsicherung.
Autorin: Silke Starke-Uekermann, Referentin für Fachliches Controlling und Projektmanagement – Projektleitung Monitor „Jugendarmut in Deutschland“



