Digitale Lebenswelten reflektieren: Workshopkonzepte zum Wohlbefinden queerer Jugendlicher aus QueeResilience

Digitale Medien sind längst zentraler Bestandteil der Lebensrealität junger Menschen. Sie sind Orte, an denen sich Identität und Zugehörigkeitsgefühle entwickeln können, und dienen ebenso der Informationssuche. Soziale Medien bieten allerdings auch eine Plattform für Desinformationen, Hasskommentare bis hin zu Cybermobbing und Grenzüberschreitungen.

Digitale Medien als Herausforderung und Ressource für queere Jugendliche

Dem EU-LGBTIQ Survey III (2023) zufolge sind Jugendliche der LGBTIQ+ Community einem höheren Risiko ausgesetzt, von Diskriminierungen in den sozialen Medien betroffen zu sein. Das kann vor allem für die psychische Gesundheit gravierende Folgen haben. Gleichzeitig können digitale Plattformen jedoch gerade für queere Jugendliche von großem Vorteil sein, um niederschwellig Gleichaltrige in ähnlichen Lebenssituationen kennenzulernen. Sie profitieren besonders von parasozialen Kontakten wie Content Creator*innen, die als Vorbilder fungieren. Ein adäquater Umgang mit digitalen Medien kann daher selbstwertstärkend und somit förderlich für die mentale Gesundheit (queerer) junger Menschen sein.

Genau zu diesem Thema referierte Matthias Wolf von der Stiftung Digitale Chancen im Webinar „Digitales Wohlbefinden (queerer) Jugendlicher stärken Workshopkonzepte aus dem Projekt QueeResilience“ am 06.05.2026. Zum einen stellte er einen Leitfaden zur digitalen Mediennutzung junger Menschen aus der LGBTQ+-Community vor, der mit Empfehlungen für die Jugendsozialarbeit im Rahmen des europäischen Kooperationsprojektes QueeResilience entwickelt wurde. Zum anderen sprach er über die im Projekt konzipierten und pilotierten Workshop-Module zu den Themen Digitales Wohlbefinden und Digitalem Minderheitenstress, die konkret in der Arbeit mit 1621-Jährigen umgesetzt werden können. Diese werden in drei Module unterteilt, welche wiederum Unterthemen bearbeiten: Risiken und Stressoren, Potenziale und Nutzen sowie digitales Engagement.

Interaktiver Teil zur Reflexion digitaler Lebenswelten

Die teilnehmenden Fachkräfte konnten im nachfolgenden interaktiven Teil des Webinars die Rolle der Jugendlichen einnehmen und einige der Methoden der konzipierten Workshop-Module selbst ausprobieren. Beispielsweise waren die Teilnehmenden dazu angehalten, eine eigene „Stressoren-Support-Map“ in Form einer Vierfeldertafel aufzuzeichnen, welche Plattformen/Apps sowie Menschen/Creator*innen und Inhalte als unterstützend und welche eher als stressig empfunden werden. Dabei reflektierten die Fachkräfte eindrücklich die Relevanz, die soziale Medien auch im Leben von Erwachsenen einnehmen. Bestimmte Plattformen oder Inhalte werden täglich genutzt oder konsumiert, obwohl sie als Stressoren empfunden wurden. Als unterstützend wurden soziale Medien wahrgenommen, wenn sie gezielt eingesetzt werden, z. B. zur Informationssuche, und dabei bewusst der zeitliche Rahmen beachtet wird.

Andere im Webinar erprobte Methoden dienten neben der Selbstreflexion, der Förderung von Empathie durch fiktive Lebensgeschichten und der Sichtbarkeit, wie sich verschiedene Dimensionen von Privilegien und Diskriminierung auf die Online-Erfahrungen der Jugendlichen auswirken. Dabei ging es nicht um eine Bewertung, sondern vielmehr darum, Unterschiede sichtbar zu machen, Intersektionalität zu verstehen und somit einen Perspektivwechsel zu erzeugen. Durch die in den Modulen vorgegebenen fiktiven Personen haben Jugendliche die Möglichkeit, eigene Probleme zu bearbeiten, ohne über persönliche Erfahrungen sprechen zu müssen.

Materialien und Methodensammlung

Wenn digitale Medien bewusst eingesetzt werden, können sie für junge (queere) Menschen einen positiven Nutzen haben und sichere Räume schaffen. Die Workshopkonzeption des QueeResilience-Projektes enthält Methoden, die pädagogische Fachkräfte sowohl für die Förderung des digitalen Wohlbefindens junger Menschen als auch gezielt für die Arbeit mit queeren Jugendlichen einsetzen können. Eine vollständige Sammlung der Methoden ist zu finden unter:  https://queeresilience.eu/de/materialien

Autorin: Lynn Kriegs (Fachreferentin bei IN VIA Deutschland e. V. im Netzwerk der BAG KJS)

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