Die Schule als Startpunkt für die Gestaltung von Übergängen – Erkenntnisse aus Stuttgart

Auszüge aus dem DJI-Info zu „Schule als Startpunkt für die Gestaltung von Übergängen ins Arbeitsleben“. von Nora Gaupp, Irene Hofmann-Lun, Angelika Münz und Sandra Reinhardt:
“ … Während an den Hauptschulbesuch anschließende Wege durch Schulen und Ausbildung ein hohes Maß von Kontinuität aufwiesen, waren die Wege der Einsteiger/-innen in Berufsvorbereitung durch eine große Vielfalt in den weiteren Anschlüssen und durch Diskontinuität gekennzeichnet:

Nach einem Jahr Berufsvorberietung mündeten nur 22% der Absolvent/innen in Ausbildung. 24% besuchten wieder eine Schule. Die größte Gruppe (28%) begann einen zweiten berufsvorbereitenden Bildungsgang, und 13% arbeiteten als Ungelernte oder waren erwerbslos. Der Weg über einen berufsvorbereiteten Bildungsgang öffnete also für einen Teil der Absolventinnen und Absolventen Zugänge in Ausbildung, führte bei anderen jedoch über eine oder mehrere Stationen in die Ausbildungslosigkeit. …

Schulen machen den Unterschied
… die Auswertung der Daten auf Schulebene zeigte, dass es zwischen den Stuttgarter Hauptschulen große Unterschiede im Hinblick auf die von ihren Absolventinnen und Absolventen erreichten Anschlüsse gab. …

Wie lassen sich diese Unterschiede zwischen Schulen erklären? Eine Erklärung waren Unterschiede in der Zusammensetzung der Schülerschaft und den familiären Unterstützungsmöglichkeiten. Je größer das Unterstützungspotenzial der Elternhäuser, desto höher war die Wahrscheinlichkeit, dass der Übergang in eine weiterführende Schule oder in Ausbildung geplant wurde und auch erfolgte.

Aber auch bei einer vergleichbaren Zusammensetzung der Schülerschaft gabe es große Unterschiede zwischen Schulen bei den von ihren Absolventinnen und Absolventen erreichten Anschlüssen.

Um den Gründen für diese Unterschiede nachzugehen, wurde im Anschluss an die Längsschnittuntersuchung eine Befragung der Schulleitungen der an der Untersuchung beteiligten Hauptschulen durchgeführt. …

In eine weiteren Schritt wurden an einer kleineren Stichprobe von Schulen Fallstudien durchgeführt. Diese wiesen auf Zusammenhänge zwischen den Strategien oder Konzepten der Schulen zur Vorbereitung der Schüler/innen auf Abschlüsse und Anschlüsse, den von den Jugendlichen verfolgten Anschlussplänen und den von ihnen tatsächlich erreichten Anschlüssen. Erstens hatten die Einschätzungen der Schulleitungen zum Leistungspotenzial ihrer Schüler/innen den Charakter einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. …. Zweitens zeichneten sich erfolgreiche schulische Strategien dadruch aus, dass verschiedene Aktivitäten und Anschlüsse von der Schule zu einem konsistenten, systematischen Förderprogramm gebündelt wurden. …

Am Startplatz Schule ansetzen
Im Herbst 2008 wurde das Stuttgarter Übergangsmanagement in die Förderung durch die „Förderinitiative Regionales Übergangsmanagement“ des BMBF-Programms „Perspektive Berufsabschluss“ aufgenommen. Die zusätzlichen Mittel aus der Förderinitiative machten es möglich, die Anstrengungen zur Verbesserung der Kooperation zwischen den Akteuren in der „Steuerungsgruppe u25“ zu verstärken und konkrete Schritte zur Verbesserung der Übergänge einzuleiten.
Angesichts der Bedeutung der Rolle der abgebenden Schulen für die anschließenden Bildungs- und Ausbildungswege ihrer Absolventinnen und Absolventen wurde entschieden, am „Startplatz Schule“ für das Stuttgarter Übergangsmanagement einen Schwerpunkt zu setzen.

Dies Schwerpunktsetzung beinhaltete insbesondere: ## a) das Angebot einer Begleitung für die Entwicklung eines roten Fadens in der Berufsorientierung;
## b) die Abstimmung von Beratungs- und Begleitungsangeboten, durch die Schüler/innen von der Schule in Ausbildung „gelotst“ zu werden;
## c) die verbesserte Beteiligung von Eltern;
## d) die Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft. …

Fazit
Jede von der Kommune ausgehende Schulbegleitung, die mit ihrer Beratung auf Veränderung in der Organisation zielt, hat mit Herausforderungen der Organisationsentwicklung zu tun. Dabei können Veränderungen nur über den guten Willen aller Beteiligten erzielt werden, da die Kommune über keine „Machthebe“ verfügt, die die gewünschten Veränderungsschritte erzwingen könnten. In dieser freien Entscheidung der Schulen liegen die Chancen aber auch die Schwierigkeiten der Schulbegleitung.

Der Kontext der aktuellen Veränderungen der Schulstrukturen war die enge Kooperation des Regionalen Übergangsmanagements mit dem Staatlichen Schulamt auch ein Indikator dafür, dass die unterstützenden Angebote durch kommunale Koordination in solchen Veränderungssituationen einen wichtigen Stellenwert haben. …

Es ist nun die Herausforderung für die Kommune Stuttgart, mit dem Ende der Förderung des Bundes im Dezember 2012 die ihr zukommende öffentliche Aufgabe dieser Prozessgestaltung in der Stadt nachhaltig zu verankern und dabei der Unterstützung für den Startplatz Schule dauerhaft einen Platz einzuräumen. „

Das DJI-Info „Übergänge im Jugendalter“ in vollem Textumfang entnehmen Sie bitte dem Anhang.

Quelle: DJI

Dokumente: Newsletter_22_Schule_als_Startpunkt_fuer_die_Gestaltung_von_Uebergaengen_ins_Arbeitsleben.pdf

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