Der Garantiefonds Hochschule (GF-H) hat seit fast 60 Jahren genau das ermöglicht, was Politik so oft einfordert: echte Chancen, reale Aufstiege und gelingende Integration. Für tausende junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte war der GF-H ein konkreter, verlässlicher Weg in Bildung, Teilhabe und Zukunft. Gerade viele junge zugewanderte Frauen fanden über dieses Programm den Zugang zum Studium. Eine große Anzahl davon auch aus der Ukraine. Gleichzeitig profitierte die Wirtschaft von gut ausgebildeten, hoch motivierten Fachkräften. Jetzt wird dieses Programm beendet.
Ausgerechnet das neu konstruierte Bildungsministerium (BMBFSFJ) meint erkannt zu haben, dass es „keine hinreichende Förderzuständigkeit“ mehr gibt. Das Ende des GF-H ist allerdings kein Einzelfall. Es steht für eine Entwicklung, die sich vielerorts in der Kinder- und Jugendhilfe zeigt: Funktionierende Programme werden infrage gestellt; Förderung stagniert, trotz steigender Kosten wird gekürzt oder gestrichen. Entscheidungen werden pauschal mit Haushaltszwängen begründet, politisch aber kaum erklärt.
Klar ist: Auch das Beenden eines Integrationsprogramms ist kein bloßer Sachzwang. Es ist immer Ausdruck politischer Prioritätensetzung.
Erheblicher Verlust
Was dabei verloren geht, ist erheblich. Integration entsteht nicht durch Absichtserklärungen oder programmatische Überschriften in Koalitionsverträgen. Sie entsteht dort, wo verlässliche Angebote mit engagierten Menschen Vertrauen aufbauen und über Jahre hinweg wirken. Wenn Programme wie der GF-H wegfallen, verschwinden nicht nur Bildungszugänge für junge Zugewanderte. Es geht auch Vertrauen in staatliches Handeln verloren. Ebenso verschwindet die gewachsene Expertise freier Träger, die diese Arbeit über Jahrzehnte aufgebaut und kontinuierlich weiterentwickelt haben. Nicht zuletzt gehen hoch engagierte, spezialisierte Fachkräfte verloren.
Ebenso kritisch ist der Umgang mit den freien Trägern. Sie haben das Programm GF-H über viele Jahre Jahrzehnte im Auftrag des Bundes verlässlich umgesetzt – mit großem Engagement und hoher Professionalität. Sie haben Strukturen aufgebaut, stabilisiert und immer wieder angepasst. Und sie haben darauf vertraut, dass sie durch den Staat eine wirtschaftlich planbare Perspektive für ihr Engagement bekommen.
Überhasteter Rückzug
Und nun endet das Programm mit einem kurzen Brief schon zum Jahresende; ohne echte Einbindung, ohne tragfähige Anschlusslösungen und ohne erkennbare Perspektive. Nicht einmal ein Gespräch gab es. Das ist kein partnerschaftlicher Umgang. Es ist ein überhasteter Rückzug aus gemeinsamer Verantwortung. Eine Vollbremsung, ein höflicher Dank, aber keine Idee, wie es für die jungen Menschen weiter geht.
Wenn Integration mehr sein soll als eine hohle Phrase, verlangt das Entwicklung statt Kahlschlag. Verantwortung übernimmt nicht, wer sich aus Angst vor unbequemen Debatten wegduckt, sondern wer funktionierende Integration gegen ideologische Angriffe verteidigt. Das Fundament dafür ist eine ehrliche Partnerschaft mit den Trägern und ihren Fachkräften vor Ort – alles andere ist integrationspolitisches Gebaren.
Deshalb braucht es jetzt ein Gesprächsangebot der Hausleitung des Ministeriums.
Es braucht Transparenz und Beratung über die kurz- und langfristigen Folgen.
Und es braucht neue tragfähige Lösungen für die jungen Zugewanderten.



