Welcher Sozialstaatstyp bist du? Ein Test lädt zum Nachdenken ein

Was erwarten wir eigentlich vom Sozialstaat? Soll er vor allem das Existenzminimum sichern? Menschen unterstützen, wenn sie allein nicht weiterkommen? Teilhabe ermöglichen? Oder stärker auf Eigenverantwortung und Anreize setzen?

Über den Sozialstaat wird derzeit viel diskutiert. Dabei geht es häufig um Kosten, Leistungen und Einsparungen. Hinter diesen Debatten stehen aber grundlegendere Fragen: Was braucht ein Mensch, um in Würde leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können? Und welche Verantwortung trägt dafür die Gemeinschaft?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein neuer Persönlichkeitstest den man auf der Seite der Nationalen Armutskonferenz (nak) durchlaufen kann. Entwickelt wurde er gemeinsam mit der Diakonie Deutschland, dem Armutsnetzwerk, dem Evangelischen Verband Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt und Aktiven aus der Katholischen Jugendsozialarbeit.

Als Expertin für Jugendarmut bei der BAG KJS habe ich für die Katholische Jugendsozialarbeit an der Entwicklung mitgearbeitet. Für mich war dabei besonders wichtig, die Diskussion nicht abstrakt zu führen. Denn in der Jugendsozialarbeit erleben wir täglich, was sozialstaatliche Regelungen ganz konkret für Menschen bedeuten.

Was passiert etwa, wenn eine Mieterhöhung das ohnehin knappe Einkommen auffrisst? Wenn einer alleinerziehenden Mutter trotz Arbeit das Geld für Essen, Kleidung und Schulsachen fehlt? Wenn ein junger Mensch ein Schreiben vom Amt nicht versteht und deshalb einen Termin versäumt? Oder wenn eine junge Frau entscheiden muss, ob sie einen schlecht bezahlten Job annimmt oder eine Ausbildung beginnt, die ihr langfristig bessere Perspektiven eröffnet?

Genau solche Situationen greift der Test auf. Zehn Fragen führen durch unterschiedliche Lebenslagen. Dabei gibt es bewusst kein „richtig“ oder „falsch“. Die Antworten zeigen vielmehr, welche Erwartungen man selbst an Unterstützung, Eigenverantwortung, gesellschaftliche Solidarität und die Aufgaben des Sozialstaats hat. Am Ende erfahren die Teilnehmenden, welchem von vier „Sozialstaatstypen“ ihre Antworten am ehesten entsprechen.

Die Perspektive der Jugendsozialarbeit

Für die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit ist die Frage nach dem Sozialstaat eng mit der Frage nach Teilhabe verbunden. Unser Monitor „Jugendarmut in Deutschland“ zeigt immer wieder: Armut bedeutet weit mehr als ein geringes Einkommen. Sie entscheidet mit darüber, wie junge Menschen wohnen, wie mobil sie sind, welche Bildungs- und Ausbildungschancen sie haben und ob sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Der Test zwingt nicht zu einer abstrakten Positionierung „für“ oder „gegen“ den Sozialstaat. Stattdessen fragt er nach dem Wie. Wo beginnt gesellschaftliche Verantwortung? Wie viel Eigenverantwortung können wir erwarten? Was bedeutet Existenzsicherung – und gehört gesellschaftliche Teilhabe dazu?

Eine abschließende Antwort erhält man am Ende zwar nicht, aber der Test kann einen Anlass schaffen, die eigenen Vorstellungen zu hinterfragen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Und vielleicht ist genau das derzeit besonders wichtig: nicht nur darüber zu diskutieren, was der Sozialstaat kostet, sondern darüber, was wir von ihm erwarten – und welche Gesellschaft wir sein wollen.

Also: Welcher Sozialstaatstyp bist du? Hier geht es zum Test.

Text: Silke Starke-Uekermann, Projektleitung für den Monitor „Jugendarmut in Deutschland”

 

 

 

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