Fachtagung nimmt junge Menschen in Wohnungsnot und die Zusammenarbeit der Hilfesysteme in den Blick: Was passiert mit jungen Menschen, die keinen sicheren Ort zum Wohnen haben? Wer hilft, wenn die Rückkehr ins Elternhaus keine Option ist, die Jugendhilfe nicht oder nicht mehr greift und zugleich Unterstützung bei der Wohnungssuche oder eine kurzfristige Unterkunft gebraucht wird?
Dass junge Menschen an solchen Übergängen nicht zwischen unterschiedlichen Zuständigkeiten verloren gehen dürfen, steht im Mittelpunkt der Fachtagung „Niemand darf durchs Netz fallen – Junge Menschen in Wohnungsnot zwischen Jugendhilfe und Wohnungsnotfallhilfe“ am 8. und 9. Dezember 2026 in Kassel. Veranstalterin ist die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W). An der Vorbereitung der Tagung hat auch die BAG KJS mitgewirkt.
Wohnungslosigkeit junger Menschen ist nicht immer auf den ersten Blick sichtbar
Manche kommen bei Freund*innen, Bekannten oder im weiteren Familienkreis unter, andere nutzen Notschlafstellen oder leben zeitweise auf der Straße. Hinter dem vermeintlichen „Couchsurfing“ können sich sehr prekäre Lebenssituationen verbergen. Und häufig geht es um mehr als die Frage, wo jemand die nächste Nacht verbringen kann.
Gefragt sind deshalb Hilfen, die zur Lebenssituation der jungen Menschen passen. Genau das wird schwierig, wenn unterschiedliche gesetzliche Zuständigkeiten ins Spiel kommen. Kinder- und Jugendhilfe und Wohnungsnotfallhilfe haben jeweils eigene Aufgaben, Zugänge und Finanzierungslogiken. Für junge Menschen darf daraus aber nicht die Erfahrung entstehen, dass sich für sie niemand zuständig fühlt.
Tagung lädt zur Diskussion ein
Wie kann die Zusammenarbeit besser gelingen? Wo gibt es bereits gute Ansätze? Und was braucht es, damit junge Menschen tatsächlich die Unterstützung bekommen, die sie benötigen? Darüber wollen Fachkräfte aus Jugendhilfe und Wohnungsnotfallhilfe gemeinsam mit Verantwortlichen aus Kommunen, Ländern und Bund diskutieren.
In Arbeitsgruppen geht es um bestehende Angebote und Erfahrungen. Vorgestellt wird unter anderem das Trebe Café der Diakonie Düsseldorf, das niedrigschwellige Hilfen für wohnungslose Mädchen und junge Frauen anbietet. Andere Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit Notschlafstellen, Wohnangeboten und der Frage, wie Kooperationen vor Ort gestaltet werden können.
Für die Jugendsozialarbeit ist die Frage nach der Zusammenarbeit unterschiedlicher Hilfesysteme nicht neu. Gerade am Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf gehört die rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit seit vielen Jahren zur fachlichen Diskussion. Bei jungen Menschen in Wohnungsnot stellt sie sich noch einmal unter anderen Vorzeichen und mit großer Dringlichkeit. Denn ohne einen sicheren Ort zum Wohnen wird vieles andere schwierig: Schule, Ausbildung, Arbeit und nicht zuletzt die Möglichkeit, das eigene Leben zu gestalten.
Die Tagung bietet Gelegenheit, die Perspektiven von Jugendhilfe und Wohnungsnotfallhilfe zusammenzubringen, voneinander zu lernen und genauer hinzuschauen, wo junge Menschen heute noch durchs Netz fallen. Programm, weitere Informationen und Anmeldung gibt es bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe.
Text: Silke Starke-Uekermann, Projektleitung für den Monitor „Jugendarmut in Deutschland”



