Politische Meinungsbildung und Soziale Plattformen 

Die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz setzt regelmäßig Schwerpunkte in ihrer Veröffentlichung BzKJ aktuell. In der Ausgabe 2/2026 beschäftigen sich die Beiträge mit der politischen Meinungsbildung junger Menschen in Sozialen Netzwerken. 

Dr. Niels Brüggen, Leitung der Abteilung Forschung am JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, sieht in seiner Analyse große Potenziale im Design der Plattformen, Unterstützungssysteme zur reflektierten Nutzung einzubauen. Dadurch könne ein Beitrag zum Jugendschutz geleistet werden, erklärt der Medienforscher. Zugleich reklamiert er eine bessere Studienlage. Wissenschaftlich müssten experimentell erprobte Ansätze in realen Plattformkontexten mit jugendlichen Nutzenden untersucht und weiterentwickelt werden. 

Glaubwürdigkeit 

Melanie Weiser (Projektmanagerin im Progressiven Zentrum) und Hannah Fecher (wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Politische Kommunikation am Institut für Publizistik der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz) arbeiten in ihrem Beitrag heraus, dass junge Menschen Plattformen reflektiert zur politischen Meinungsbildung nutzen. Sie wissen, dass algorithmische Systeme die Anzeige der Inhalte steuern, ein beachtlicher Teil prüft deswegen die Inhalte auf öffentlich-rechtlichen Angeboten. Die Autorinnen ziehen den Schluss: Sie [junge Menschen] sind kritische Beobachtende, die sich nach Authentizität sehnen, aber oft nur Inszenierung finden. Für die politische Kommunikation ist daher entscheidend, inwieweit es gelingt, glaubwürdige und als authentisch wahrgenommene Inhalte zu vermitteln“. In ihrem Artikel nennen sie einen Fahrplan, der auf Forderungen junger Menschen basiert: Relevanz und Repräsentation statt Alibi-Themen, Sicherheit und Zukunftsperspektiven, Unabhängigkeit und politische Bildung, klare Kante und Authentizität. 

Politische Influencer*innen 

Kira Thiel (wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut) betrachtet die Rolle politischer Influencer*innen (PI). Die Gruppe der PI ist heterogen, eine Typisierung komplex. Grob gibt es jene, die explizit politische Inhalte zum Thema ihrer Beiträge machen, und jene, die nebenbei ihre Meinung zum Weltgeschehen posten. Informationsgehalt und Faktentiefe variieren stark. PI können im Meinungsbildungsprozess eine entsprechende Rolle spielen: Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen lenken sowie Wissen und Informationen vermitteln, Meinung äußern und politisches Handeln anregen. Am Ende gehören PI zum Informationsrepertoires neben journalistischen Angeboten sowie Eltern, Peers und Schule. Personen aus dem persönlichen Umfeld schreiben Jugendliche selbst die größte Rolle bei der Meinungsbildung zu, schreibt Kira Thiel. 

Text: Michael Scholl 

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