„Jugendsozialarbeit goes digital“ – eine Projektreihe gibt Einblick

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Digitale Medien sind fester Bestandteil im Leben von Kindern und Jugendlichen. Im Kontext ihres mobilen und vernetzten Medienhandelns pflegen Jugendliche Beziehungen, agieren in Communities, demonstrieren ihre Zugehörigkeit zu Szenen, informieren oder messen sich. Aber welche Rolle spielt die digitale Welt, wenn mit den Mitteln der Jugendsozialarbeit junge Menschen Beratung und Unterstützung erfahren sollen? Die Möglichkeiten, die sich durch die Digitalisierung eröffnen, finden mehr und mehr Anwendung auch in der Tätigkeit der Fachkräfte in der Jugendsozialarbeit. Die „Jugendsozialarbeit News“ stellen über den Winter Modelle bzw. Projekte vor, in denen die Digitalisierung „Spuren hinterlassen hat“. Manchmal sind dabei fertige Konzepte entstanden, die zur Vervielfältigung einladen. Andere Male ist der Prozess erst in Gang gekommen, bietet mit seinem Weiterentwicklungsbedarf Raum für Austausch und fürs Nach-, Anders- und Bessermachen. Sie sind herzlich eingeladen, die Zukunft der digitalen Sozialarbeit mitzugestalten. Hier und heute stellen wir das Projekt job@venture – BvB vor.

job@venture – BvB mit Fokus auf Arbeitsmarkt 4.0

2017 initiierte die Agentur für Arbeit (BA) einen Modellversuch, um das erfolgreiche Instrument der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB) auf den veränderten Arbeitsmarkt der Zukunft auszurichten. Zielsetzung dabei war es, die Teilnehmenden besser auf diesen Arbeitsmarkt vorzubereiten und die Zahl der Ausbildungsabbrüche zu reduzieren. Zu erfolgreicher Struktur und erprobten Elementen der BvB formulierte die BA neue Aufgaben und Merkmale. Aber auch In VIA als beteiligter Maßnahmenträger konnte bereits praktizierte und bewährte Bestandteile und neue Ideen einbringen. Seit 2019 ist job@venture ein Regelinstrument und wird von der BA flächendeckend ausgeschrieben.

Wer hat´s gemacht? Für wen? Wer finanzierte? Dauer des Projekts?

Die Bundesagentur für Arbeit schrieb das Modellprojekt 2017 in drei Regionen aus. IN VIA Köln erhielt den Zuschlag. Nachdem die erste Durchführung erfolgreich war, ist job@venture nun flächendeckend von der BA ausgeschrieben. Die Förderung gab es zunächst bis 2019 und wurde für eine Projektdauer bis 2021 verlängert.

Die Maßnahme richtet sich an junge Menschen ohne berufliche Erstausbildung, die ihre Vollzeitschulpflicht erfüllt und in der Regel das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und eine Berufsausbildung anstreben. Zur Zielgruppe zählen insbesondere junge Menschen,

  • die noch nicht über die erforderliche Ausbildungsreife oder Berufseignung verfügen
  • oder denen die Aufnahme einer Ausbildung wegen fehlender Übereinstimmung zwischen den Anforderungen des Ausbildungsmarktes und dem persönlichen Bewerberprofil nicht gelungen ist.

Was genau? Mit welchem Ziel? Wie umgesetzt?

Es handelt sich bei job@venture um eine neue berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) im Auftrage der Agentur für Arbeit (BA). Grundsätzlich ähnelt sie einer regulären Maßnahme, jedoch hat sie neben der Aufgabe der Integration der Jugendlichen in den Ausbildungsmarkt auch noch das Ziel, die Teilnehmenden auf den Arbeitsmarkt 4.0 vorzubereiten. Die Struktur ist ähnlich einer regulären Maßnahme: 2 Tage Berufskolleg und 3 Tage Förder-/Stützunterricht beim Träger. Vorgegeben ist darüber hinaus ein hoher praktischer Anteil durch mindestens 3 Praktika während der Förderzeit. Dazu kamen bei IN VIA diese Elemente zum Tragen:

  • Nutzung von Fablabs (Workshops),
  • Durchführung von Projekten (z. B. Events, „Fahrräder für Flüchtlinge“, Smartphone-Schulung für Senioren), Projektarbeit in einer Cloud,
  • Einsatz von Medien/Einsatz des Smartphones in bestimmten Unterrichten,
  • punktuelles Ausprobieren von Settings, die voraussichtlich charakteristisch sein könnten für die Arbeitswelt 4.0 (z. B. mobiles Arbeiten/Homeoffice, Gleitzeit, 3D-Drucker),
  • Einsatz von Laptopwagen, sodass die Unterweisenden spontan Laptops im Unterricht einsetzen können,
  • Erstellen von Tutorials.

Weiterhin wurde ein Belohnungssystem entwickelt und umgesetzt, das die Teilnehmenden motivierte mitzumachen und ihre Leistung zu steigern. Durch den Einsatz von Serious Games wurde der Unterricht aufgelockert und attraktiv gemacht. Außerdem wurde den Teilnehmenden damit eine Alternative zu den verbreiteten „Ballerspielen“ nahegebracht. Und nicht zuletzt erhielt die gesamte Maßnahme einen anderen Rahmen, indem sie mit einer Auftaktveranstaltung und einer Kennenlernfahrt startete und auch mit einer Abschlussfeier ihr Ende fand.

Besondere Bedeutung der Digitalisierung für die Zielgruppe?

Digitalisierung hält zunehmend in allen Berufen Einzug. Egal, welcher Beruf ergriffen wird, der Jugendliche muss sich auf eine neue Art der Arbeit einstellen. Wenn nicht sofort, dann sicherlich in den nächsten fünf bis zehn Jahren.

Konkrete Vorteile des digitalisierten Projekts gegenüber dem analogen?

Bei IN VIA sahen es die Teilnehmenden positiv, dass Medien und z. B. Smartphones in einigen Unterrichten nicht „außen vor“ bleiben müssen, sondern eingesetzt werden dürfen. Sehr gute Erfahrung gab es mit einer Smartphone-Schulung für Senioren, die von Teilnehmern durchgeführt wurde. Nach deren Rückmeldung wird der Unterricht insgesamt attraktiver empfunden.

Welche Herausforderungen stellten sich?

Schwierig war es, Mitarbeiter/-innen zu finden, die Lust haben, moderne Medien im Unterricht einzusetzen. Der bestehende Mitarbeiterstamm musste hierzu sensibilisiert, geschult und motiviert werden. Auch Ängste mussten abgebaut werden.

Auch die Tatsache, dass die für job@venture geforderten Einheiten „oben drauf“ auf die normalen Aufgaben kommen, verlangt den Beteiligten einiges ab. Es bleibt ja dabei, dass z. B. Bewerbungstraining, Bewerbungserstellung, Akquise von Praktikums- und Ausbildungsstellen, Abbau von schulischen Defiziten, Vermittlung von fachtheoretischen und fachpraktischen Kenntnissen und natürlich Vermittlung in Ausbildung zu leisten sind. Gleichzeitig steht weniger Zeit zu Verfügung, da die Teilnehmer mehr praktische Phasen haben.

Welche Partner/-innen sind für die Umsetzung wichtig?

Fablabs

Wie kam es zur Idee für dieses Projekt?

Es erfolgte durch die Bundesagentur für Arbeit in drei Regionen eine Ausschreibung zu diesem Modellprojekt. Da es sich bewährt hat, wird es seit 2019 ausgeschrieben.

Links und Ansprechpartner

https://www.invia-koeln.de/de/unsere-arbeit/kinder-und-jugendliche/berufsvorbereitung/JobAdventure.php

Quelle: BAG KJS, IN VIA Köln

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