Jugendberufsagenturen jugendgerecht weiterentwickeln

Am 6. Mai 2026 veranstaltete der Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit (KV JSA) einen Online-Austausch zur jugendgerechten Weiterentwicklung von Jugendberufsagenturen (JBA). Anlass der Veranstaltung war ein vom KV JSA veröffentlichtes Impulspapier zur jugendgerechten Gestaltung von Jugendberufsagenturen, das zu Beginn vorgestellt und anschließend mit den Teilnehmenden diskutiert wurde.

Mit knapp 160 Teilnehmenden stieß die Veranstaltung auf großes Interesse bei einem breit gemischten Publikum aus Jugendberufsagenturen, Agenturen für Arbeit, Jobcentern, Jugendhilfe, Jugendberufshilfe sowie weiteren Akteur*innen am Übergang Schule-Beruf.

Junge Menschen im „dauerhaften Krisenmodus“

Im Anschluss an die Vorstellung des Impulspapiers warf Frank Neises vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) einen Blick auf aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen rund um Jugendberufsagenturen. Zu Beginn seines Vortrags machte er deutlich, dass sich junge Menschen in einer Art „dauerhaftem Krisenmodus“ befinden. Ereignisse wie die Klimakrise, die Covid-19-Pandemie sowie Kriege und globale Unsicherheiten haben den Eindruck bei jungen Menschen verstärkt, dass sie in einer zunehmend instabileren Welt aufwuchsen.

Gerade in der Phase der beruflichen Orientierung und des Übergangs von Schule in Ausbildung und Beruf wirke sich diese Verunsicherung erheblich aus. Zugleich würden die Lebenslagen junger Menschen komplexer und individueller. Benötigt würden daher verlässliche, bedarfs- und biografieorientierte Unterstützungsstrukturen. Jugendberufsagenturen könnten hierbei eine wichtige Rolle übernehmen, insbesondere dann, wenn sie ganzheitlich ausgerichtet seien und die Jugendhilfe als gleichberechtigten Partner einbinden.

Die Stärkung der Jugendhilfe innerhalb der JBA könne dazu beitragen, junge Menschen pädagogisch und lebensweltorientiert zu begleiten.

Praxisbeispiele aus Darmstadt, Stuttgart und Essen

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung stellten die Jugendberufsagenturen Darmstadt, Stuttgart und Essen ihre jeweiligen Ansätze vor. Gemeinsam war allen drei Beispielen eine enge Einbindung der Jugendhilfe sowie ein Verständnis von Beratung, das sich an den individuellen Bedarfen junger Menschen orientiert.

Die JBA Darmstadt berichtete beispielsweise über ein angegliedertes Projekt für Care Leaver. Ziel des Angebots ist es, junge Menschen beim Übergang aus stationären Hilfen in Ausbildung, Beruf und ein eigenständiges Leben gezielt zu unterstützen.

Das „Stuttgarter Arbeitsbündnis Jugend und Beruf“ bündelt vor Ort Angebote zur Berufsorientierung und Ausbildungsvermittlung, Angebote während der Ausbildung und in besonderen Lebenslagen. Angegliedert an das Arbeitsbündnis ist die Anlauf- und Beratungsstelle „Job Connections“, ein freier Träger der Jugendhilfe. Es handelt sich hierbei um ein rechtskreisunabhängiges Angebot. Je nach Bedarf des jungen Menschen wird in ein passendes Angebot innerhalb der verschiedenen Rechtskreise vermittelt.

Auch die JBA Essen setzt auf einen konsequent ganzheitlichen Ansatz. Rechtskreisübergänge sollen für junge Menschen möglichst keine spürbare Rolle spielen. Ein Leitsatz der Arbeit lautet: „Bei uns sind die jungen Menschen richtig, die nicht wissen, wo sie richtig sind.“

Die Praxisbeispiele machten deutlich, dass jugendgerechte Jugendberufsagenturen insbesondere dort gelingen können, wo Kooperationen verbindlich gestaltet werden, Jugendhilfe aktiv eingebunden ist und die Perspektive junger Menschen im Mittelpunkt steht.

Offene Fragen bei Datenaustausch und Beteiligung

Im Rahmen einer abschließenden Fishbowl-Diskussion wurden offene Fragestellungen aus dem Impulspapier und den Vorträgen aufgegriffen und gemeinsam diskutiert. Offene Fragen gab es u. a. zum Impuls „Datenbasiertes Arbeiten und einfacher Datenaustausch ermöglichen“. Hinterfragt wurde, wie aus Sicht des Kooperationsverbundes der § 31a SGB III reformiert werden könnte, um Kooperationen zwischen den beteiligten Akteur*innen zu erleichtern.

Darüber hinaus wurde thematisiert, wie Eltern stärker in Prozesse am Übergang Schule-Beruf eingebunden und wie gelingende Beteiligungsformate junger Menschen umgesetzt werden können. Aus der Praxis der Jugendberufsagenturen wurde zudem der Wunsch nach stärkerer Vernetzung bspw. zum Erfahrungsaustausch von jugendgerechten Beteiligungsformaten geäußert.

Großes Interesse an jugendgerechten Jugendberufsagenturen

Die große Resonanz auf die Veranstaltung zeigt, dass das Thema jugendgerechte Jugendberufsagenturen auf ein breites fachliches Interesse stößt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass hinsichtlich der konkreten Ausgestaltung weiterhin Diskussions- und Entwicklungsbedarf besteht, etwa beim Datenaustausch innerhalb der Rechtskreise oder bei Beteiligungsformaten für junge Menschen.

Die vorgestellten Praxisbeispiele machten deutlich, dass Jugendberufsagenturen insbesondere dort gut funktionieren können, wo Kooperationen verbindlich gestaltet werden und die Bedarfe junger Menschen im Mittelpunkt stehen. Das Impulspapier des Kooperationsverbundes Jugendsozialarbeit setzt hierfür wichtige Impulse und bietet eine Grundlage für die weitere fachliche Diskussion.

Weitere Informationen und Materialien zum Thema finden sich im padlet der Veranstaltung: https://bagejsa.padlet.org/juenger2/online-fachtag-jba-jugendgerecht-kov-jsa-6-5-2026-9-30-12-30-fybq3p7vwslut56d

Autorin: Sarah Mans (Fachreferentin Jugendberufshilfe der LAG KJS NRW im Netzwerk der BAG KJS)

 

 

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