Für die Generation Internet, sprich heutige Jugendliche und junge Erwachsene, ist das World Wide Web Fluch und Segen zugleich. Sie verbinden mit dem Internet zwar hauptsächlich Chancen, aber sie sehen verstärkt auch Risiken – wie persönliche Angriffe, Falschinformationen, eine zunehmende Komplexität und fehlendes technisches Verständnis. Gruppendruck und Überforderung erzeugen zusätzliches Unbehagen. Damit wird ein grundlegender Wandel in der Nutzung und Wahrnehmung sozialer Medien deutlich: Der Hype ist vorbei – die Skepsis steigt. Dennoch: „Das Internet ist immer da“ – mehr noch, es ist in vielen Lebensbereichen alternativlos. Diese Feststellung der 9,34 Mio. 14- bis 24-Jährigen in Deutschland ist weniger eine banale Erkenntnis als vielmehr eine Sichtweise, die die Einstellungen und Verhaltensweisen junger Menschen entscheidend prägt. Online-Aktivitäten strukturieren den Tagesablauf, erzeugen lieb gewonnene Rituale, erfordern aber auch einiges (reagieren müssen, dabei sein müssen). Diese stärkere Verankerung des Internets im Alltag führt aktuell nicht zu einem weiteren Positivschub, sondern – im Mittel betrachtet – zu einer entspannten Normalisierung bis hin zur Ernüchterung, die sich lebensweltlich allerdings ganz unterschiedlich ausprägt. Das geht aus der repräsentativen U25-Studie hervor, die das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) erstellt hat. Die Studie wurden vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) beauftragt.

Generation Internet: zwischen Glück und Abhängigkeit

Auszüge aus den zentralen Befunden der DIVSI U25-Studie:

Alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland sind online, Smartphones
und mobiles Internet sind selbstverständlich

  • Während vor vier Jahren noch zwei Prozent der jungen Menschen zwischen 14 und 24 offline waren, gibt es in dieser Altersgruppe heute keine Offliner mehr. 99 Prozent nutzen das Internet täglich. Das ist ein Zuwachs von 28 Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr 2014.
  • Wer in Deutschland lebt und zwischen 14 und 24 Jahren alt ist, besitzt heute mit höchster Wahrscheinlichkeit ein Smartphone. Von den 99,8 Prozent Smartphone-Besitzern steht dabei nur 7 Prozent kein mobiles Datenvolumen für die Internetnutzung zur Verfügung.

Das Internet ist immer da und vor allem eins: praktisch.

  • Für die überwiegende Mehrheit der 14- bis 24-Jährigen sind digitale Infrastrukturen und Angebote unverzichtbar. 68 Prozent stimmen zu, dass ein Leben ohne Internet für sie nicht vorstellbar wäre.
  • Das Internet ist aus Sicht der Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor allem praktisch, weil es den Zugang zu Informationen erheblich erleichtert und ehemals mühsame Vorgänge beschleunigt.
  • 69 Prozent gehen so weit zu sagen, dass das Internet sie glücklich macht.
  • Die Omnipräsenz der digitalen Welt wird jedoch nicht nur positiv erlebt: 64 Prozent haben das Gefühl, im Internet Zeit zu verschwenden; 19 Prozent meinen gar, dass das Internet „nervt“.

Internetnutzung ist nicht immer freiwillig: Jugendliche und junge Erwachsene nehmen
wahr, dass es in vielen Lebensbereichen keine Alternative zum Internet gibt. Diese
befürchtete bzw. erlebte Abhängigkeit vom Internet erzeugt Unbehagen.

  • Die Vorstellung, dass in Zukunft vieles nur noch über das Internet erledigt werden kann, machte 2014 gut einem Fünftel der 14- bis 24-Jährigen Angst. 2018 hat sich dieser Wert mit 41 Prozent nahezu verdoppelt.
  • Fast die Hälfte der Jugendlichen und jungen Erwachsenen wünscht sich eine Zukunft, in der man weniger online ist.

Angst vor Internetsucht ist weit verbreitet: Nicht nur der äußere, sondern auch der von
vielen wahrgenommene „innere Zwang“ zur Internetnutzung bereitet jungen Menschen
Sorgen.

  • Die Befürchtung, ein vernünftiges Maß im Umgang insbesondere mit dem mobilen Internet überschritten zu haben, ist weit verbreitet und wird in der Altersgruppe unter dem Schlagwort „Internetsucht“ diskutiert.
  • Fast jeder Dritte zwischen 14 und 24 Jahren fürchtet, „internetsüchtig“ zu sein, nimmt die eigene Internetnutzung also als problematisch wahr.

Jugendliche sehen grundsätzlich Chancen im Internet, nehmen aber auch die Risiken
stärker wahr; dies ist nicht mit einer Zunahme an Sicherheitsmaßnahmen verbunden.

  • Gefürchtet werden insbesondere Angriffe auf die eigene Identität (Mobbing, Veröffentlichung persönlicher Informationen) sowie Falschinformationen. So ist die Angst vor Veröffentlichung peinlicher oder intimer Posts gestiegen (um 18 Prozentpunkte), ebenso die vor Fake-Profilen, also der Täuschung durch gefälschte Nutzerprofile (um 16 Prozentpunkte). Das systematische Sammeln von Daten, z.B. zu Marketingzwecken, ist für Jugendliche eher ein Nebenschauplatz.
  • Das Internet ist eine Blackbox: Junge Menschen wissen häufig nicht, wovon sie eigentlich bereits betroffen waren, und wissen zumeist auch nicht, was wogegen hilft.
  • 20 Prozent der Befragten ist es inzwischen egal, was mit den eigenen Daten passiert. 2014 waren dies noch 8 Prozent.
  • Die Anwendung von Sicherheitsmaßnahmen ist trotz gestiegener Risikowahrnehmung rückläufig. Besonders deutlich fallen die Unterschiede bei der sogenannten selektiven Kontrolle aus. Während 2014 noch 67 Prozent der 14- bis 24-Jährigen angaben, nur Seiten zu nutzen, bei denen sie wissen, dass sie sicher sind, sind es heute nur noch 46 Prozent.

Junge Menschen fühlen sich auf eine digitale Zukunft unzureichend vorbereitet.
Kompetenzen eignen sie sich zumeist durch eigene Erfahrungen und den
Freundeskreis an.

  • Die umfassende Digitalisierung aller Lebensbereiche haben Jugendliche und junge Erwachsene klar vor Augen. Sie nehmen hierzu eine eher defensive Haltung ein und sehen sich nicht ausreichend vorbereitet.
  • Nur noch 57 Prozent der 14- bis 24-Jährigen glauben, gut über die Möglichkeiten zum Schutz der eigenen Daten im Internet informiert zu sein, während sich im Jahr 2014 noch fast drei Viertel der Befragten gut informiert fühlten.
  • Aus der Perspektive junger Menschen erfolgt die Qualifizierung in Sachen Internet aktuell vor allem in Eigenregie oder durch den Freundeskreis. Weniger relevant als Vermittler von Wissen über das Internet sind Eltern oder Verwandte (33 Prozent bzw. 19 Prozent). Lehrerinnen und Lehrer spielenhierbei nur für 18 Prozent der Jugendlichen eine zentrale Rolle.
  • 69 Prozent der 14- bis 24-Jährigen fühlen sich von der Schule nicht ausreichend auf die digitale Zukunft vorbereitet. Insbesondere Themen wie Sicherheit und Schutz der Privatsphäre kommen aus ihrer Sicht nur unzureichend vor.
  • Jüngere erleben die Schule hier positiver; fast die Hälfte der 14- bis 17-Jährigen sagt, dass das Thema Sicherheit im Internet dort wichtig ist.

Quelle: BMFSFJ; DIVSI