Mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland Anfang 2015 sollte das starke Ausfransen des Lohnspektrums nach unten begrenzt werden. Tatsächlich ist der Anteil der Beschäftigten, die weniger als 8,50 € pro Stunde verdienen, seit der Einführung des Mindestlohns ab Anfang 2015 deutlich zurückgegangen. Der Anteil der Beschäftigten, deren Stundenlohn unterhalb der mit über 10 € deutlich höheren Niedriglohnschwelle lag, stagnierte im Jahr 2015 jedoch auf hohem Niveau. Das Institut für Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen (IAQ) analysierte, wie sich die Niedriglohnbeschäftigung entwickelt hat. Die Ergebnisse veröffentlichten Thorsten Kalina und Claudia Weinkopf in einem IAQ Report. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob und wie sich der Umfang des Niedriglohnsektors im Jahr 2016 verändert hat und welche Beschäftigtengruppen, Arbeitsplätze sowie Branchen besonders von Niedriglöhnen betroffen waren.

Niedriglohn weiterhin auf hohem Niveau

Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland hat in den Jahren 2015 und 2016 zu deutlichen Steigerungen der durchschnittlichen Stundenlöhne am unteren Rand des Lohnspektrums geführt. Der durchschnittliche Stundenlohn im Niedriglohnsekto erreichte im Jahr 2016 knapp 77% der Niedriglohnschwelle und damit immerhin fast vier Prozentpunkte mehr als 2014 (73%). Trotz dieser Lohnerhöhungen stagniert der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten auf einem im Vergleich der EU-Länder besonders hohen Niveau: 22,7% aller abhängig Beschäftigten in Deutschland arbeiteten im Jahr 2016 für einen Niedriglohn.

Die Niedriglohnschwelle (berechnet auf Basis der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit) hat sich in den letzten drei Jahren von 9,60 € pro Stunde im Jahr 2013 auf 10,44 € im Jahr 2016 erhöht.

Wer ist von Niedriglöhnen betroffen?

Besonders häufig arbeiteten für einen Stundenlohn unterhalb der Niedriglohnschwelle nach IAQ-Berechnungen im Jahr 2016 knapp 84% der Minijobber_innen, fast 59% der Beschäftigten unter 25 Jahre, 44% der Beschäftigten ohne abgeschlossene Berufsausbildung, fast 39% der befristet Beschäftigten, gut 37% der Ausländer_innen und gut 29% der Frauen. Die Analyse nach Personen- und Beschäftigungsmerkmalen zeigt für gering Qualifizierte von 2014 auf 2016 einen leichten Anstieg des Niedriglohnrisikos von 43,2% auf 44%. Dies über-rascht insofern, als die Stundenlöhne von Beschäftigten ohne abgeschlossene Berufsausbildung nach Berechnungen des DIW im Jahr 2015 um 7,2% und damit deutlich stärker als im Durch-schnitt (4,8%) gestiegen sind. Die IAQ-Forscher_innen stellten fest, dass dieser Zuwachs nicht ausreicht, um das Niedriglohnrisiko dieser Beschäftigtengruppe zu verringern.

Niedriglohn – Risiko nach Geschlecht und Alter differenziert

Differenziert nach Geschlecht hat sich das Niedriglohnrisiko von Frauen etwas reduziert (von 29,7% auf 29,2%), während es bei den Männern von 16% auf 16,6% leicht gestiegen ist. Die Auswertungen nach Altersgruppen zeigen unterschiedliche Veränderungen: Besonders stark ist das Niedriglohnrisiko der unter 25-Jährigen gestiegen (von 53,1% auf 58,6%). Einen leichten Anstieg gab es darüber hinaus auch bei den Beschäftigten, die 45 Jahre oder älter waren. In den beiden anderen Alters-gruppen hat sich das Niedriglohnrisiko verringert.

Quelle: Institut für Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen