Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf benachteiligte Jugendliche

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Auszüge aus dem Impulspapier der BAG EJSA “Anschluss verpasst oder abgehängt? – Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf benachteiligte Jugendliche”:

Chancen und Risiken für benachteiligte junge Menschen
Chancen ## Der Fachkräftemangel kann den Zugang zu Ausbildung und Beschäftigung für viele junge Menschen erleichtern. Auch leichter benachteiligte Jugendliche würden mehr Chancen auf einen Arbeits- oder
Ausbildungsplatz erhalten. Die Betriebe öffnen sich möglicherweise verstärkt auch für BewerberInnen, die bisher aufgrund fehlender Ausbildungsstellen und hoher Anforderungen in den Maßnahmen des Übergangssystems betreut und qualifiziert wurden.
##Geschlechtsspezifische Hemmnisse werden eventuell gemildert. Der Mangel an Arbeitskräften kann eine Chance für Jungen oder Mädchen bieten, einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu erreichen, der ihnen aufgrund vorhandener Strukturen bisher erschwert wurde.
##Kleinere Schulklassen können bewirken, dass sich die Möglichkeiten zur individuelleren Förderung und Gestaltung einer inklusiven Pädagogik verbessern. Eine gleich bleibende Investition in Schule und
Bildung in Kombination mit einem Rückgang der SchülerInnenzahlen würde eine bessere finanzielle Ausstattung und einen besseren Personalschlüssel ermöglichen. Strukturelle Maßnahmen mit dem Ziel, die Chancengerechtigkeit zu erhöhen, könnten ermöglicht werden.

Risiken ## Es besteht die Gefahr, dass die politische Aufmerksamkeit für benachteiligte Jugendliche bei
niedrigeren Arbeitslosenzahlen sinkt. …
##Es droht der Abbau von Angebotsvielfalt. Nur Förderangebote, die unmittelbar auf die schnelle Eingliederung in den Arbeitsmarkt zielen, werden dann noch finanziert. Ganzheitliche und längerfristig begleitende Maßnahmen an der Schnittstelle von Arbeitsförderung, Grundsicherung und Jugendhilfe für besonders benachteiligte Jugendliche und „schwierige Fälle“ fallen weg.
##Die Diskrepanz zwischen betrieblichen Anforderungen und den Potenzialen der jungen Menschen wird somit größer und freie Ausbildungs- und Arbeitsplätze können nicht besetzt werden.
##Voraussichtlich steigen die Anforderungen an die pädagogische Praxis, auch weil schon jetzt eine steigende Anzahl von Jugendlichen krank und/oder auffällig ist, während sich die Arbeitsbedingungen verschlechtern. Durch knappe personelle Ressourcen in den Einrichtungen und Schulen können individuelle Problemlagen dann nicht adäquat und nachhaltig bearbeitet werden.
##Es besteht die Gefahr, dass sich Diskriminierungsmechanismen fortsetzen, wenn benachteiligte junge Menschen zwar leichter einen Ausbildungsplatz finden, jedoch nur in schlecht bezahlten Berufen. …

Handlungsbedarf für die Jugendsozialarbeit
Ziel der Jugendsozialarbeit ist es, junge benachteiligte Menschen so zu fördern, dass sie für ihr Leben selbst Verantwortung übernehmen können und eine Chance auf soziale und berufliche Integration haben. … Um diese Aufgabe nachhaltig erfüllen zu können, braucht es eine verlässliche Finanzierung, qualifiziertes Personal und Qualitätssicherung bei der Durchführung der Maßnahmen. …

## Stärker Profil zeigen in der sozialpolitischen Debatte: Ob der demografische Wandel für junge benachteiligte Menschen zur Chance werden kann oder eher dazu führt, dass sie „abgehängt“ werden, hängt auch davon ab, wie deutlich und nachdrücklich sich die Akteurinnen und Akteure in der Jugendsozialarbeit auf allen Ebenen in den sozialpolitischen Diskurs einbringen und auf die Situation und die Belange der jungen Menschen aufmerksam machen. Ein besonderer Handlungsbedarf besteht hier in Bezug auf junge Menschen, die bisher von keiner Förderung erreicht werden konnten und auf junge MigrantInnen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus. Verstärkt müssen auch Möglichkeiten gesucht werden,
benachteiligten Jugendlichen direkte Teilhabe zu ermöglichen, indem sie z. B. gegenüber politischen EntscheidungsträgerInnen direkt selbst zu Wort kommen können.
##Weiterentwicklung der pädagogischen Konzepte: Sollen junge Menschen, die bisher nicht erreicht wurden, die sich in besonders schwierigen Lebenssituationen befinden, gezielt und nachhaltig gefördert werden, so müssen andere Zugänge und neue Wege zu ihnen gefunden werden. Bisher bestehende pädagogische Konzepte müssen – insbesondere in Bezug auf ihre Zielsetzung – kritisch überdacht und verändert bzw. weiterentwickelt werden. Dies ist zwar eine permanente Aufgabe, sie bekommt aber vor dem Hintergrund des demografischen Wandels eine besondere Dringlichkeit.
##Personalgewinnung und -entwicklung, Organisationsentwicklung: Von zentraler Bedeutung ist fachlich hoch qualifiziertes Personal in den Einrichtungen. Gefragt sind neben der fachlichen Eignung auch hohe
Motivation und Frustrationstoleranz in einem Arbeitsfeld mit schwierigen Klientel, unpopulären Arbeitszeiten, schlechter Bezahlung und wenig gesellschaftlicher Anerkennung und politischer Lobby. …

Anforderungen an die Einrichtungen der Jugendsozialarbeit ## Eine noch größere Offenheit und Bereitschaft zur Kooperation mit Betrieben …
##stärkere Öffnung für den Dienstleistungssektor neben den etablierten handwerklichen Bereichen
##Ausbau von Möglichkeiten zum nachträglichen Erwerb eines Berufsabschlusses für ungelernte junge Erwachsene
##Stärkere Berücksichtigung von jungen Menschen, die bisher nicht erreicht worden sind, die aus dem Fördernetz heraus(ge)fallen (sind), die auf der Straße leben, die keinen oder einen ungeklärten Aufenthaltsstatus haben
##Verstärkte Zusammenarbeit von JMD und Jugendberufshilfe, damit die Kompetenzen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund besser erkannt und gefördert werden können …
##Für benachteiligte Jugendliche bessere Zugänge zu Freiwilligem Sozialen Jahr und Bundesfreiwilligendienst schaffen – eine Zielgruppe, die hier stärker in den Blick genommen werden muss, sind Jugendliche ohne sicheren Aufenthaltsstatus …
##Räumliche Flexibilität: Über mehr mobile Angebote besonders im ländlichen Raum lässt sich Kontakt zu mehr Jugendlichen aufnehmen, die nicht mobil sind
##Offenheit gegenüber dem Reha-Bereich wegen zunehmender Auffälligkeiten, psychischer Belastungen und Behinderungen Jugendlicher

Anforderungen an Politik und Gesellschaft ## Der Entstehung von unversorgten Räumen vorbeugen: ein ineinandergreifendes und mehrdimensionales Fördersystem mit Angeboten der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit in einer Region fördern …
##Interkulturelle Öffnung der Schulen und Bildungseinrichtungen
##Initiierung und Förderung von partizipativen Handlungsansätzen, die es ermöglichen, dass junge Menschen selbst ihre Belange äußern können und sich in politische Entscheidungsprozesse, die sie betreffen, einbringen können
##Weiterentwicklung der Beratungsstrukturen für Jugendliche mit Migrationshintergrund, Ausbau von Sprachförderung in Umfang und Qualität …
##Die Schaffung von Anreizen für Unternehmen zum Abbau diskriminierender Strukturen im Bereich berufliche Ausbildung, Erwerbsarbeit und Karriereförderung
##Möglichkeiten für den Einsatz von passiven Leistungen der Grundsicherung in aktiven Maßnahmen, um einen wirtschaftlichen Einsatz öffentlicher Mittel zu gewährleisten …

Anforderungen an die Wirtschaft ## Entwicklung von flexibleren Ausbildungskonzepten in Zusammenarbeit von Wirtschaftsverbänden, Kammern, Betrieben und ExpertInnen aus der Jugendsozialarbeit
##Qualifizierung des Ausbildungspersonals für den Umgang mit benachteiligten Jugendlichen …
##Öffnung von „geschlechtsuntypischen“ Berufen für Mädchen respektive Jungen, gezieltes Anwerben und Erhöhung der Angebote für Teilzeitausbildung”

Das Impulspapier in vollem Textumfang entnehmen Sie bitte dem Anhang.

www.bagejsa.de

Quelle: BAG EJSA

Dokumente: Impulspapier_Demografischer_Wandel_BAGEJSA.pdf

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