Gemeinsam für Perspektiven von Flüchtlingen

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Die Allianz für Aus- und Weiterbildung veröffentlicht einen Maßnahmekatalog: Deutschland erlebt in diesen Wochen einen außergewöhnlichen Zustrom schutzsuchender Menschen. Flüchtlinge haben das Recht auf ein faires, zügiges Asylverfahren und eine in jeder Hinsicht menschenwürdige Behandlung in Deutschland. Jeder Form von Hass, Beleidigung oder Gewalt gegen Asylsuchende treten wir entschieden entgegen. Zuallererst gilt es, die Geflüchteten, die nach Deutschland gekommen sind, sicher unterzubringen, sie medizinisch zu versorgen und ihnen schnell rechtliche Klarheit über ihren Status zu verschaffen. Viele dieser Menschen werden für längere Zeit in Deutschland bleiben. Sie sollen nicht nur Schutz vor Krieg, Vertreibung und politischer Verfolgung erfahren, sondern auch die Möglichkeit erhalten, sich zu qualifizieren und zu arbeiten. Dies ist angesichts der demographischen Entwicklung in Deutschland auch eine große Chance. Zudem sind auch die Qualifikationen und die Bildung, die diese Menschen zu uns mitbringen, wertzuschätzen und möglichst unbürokratisch anzuerkennen. Flüchtlinge müssen schnellstmöglich in Schulbildung, Ausbildung und Beschäftigung kommen. Dabei kommt es darauf an, dass Maßnahmen von Bund, Wirtschaft, Gewerkschaften und Ländern intensiv untereinander abgestimmt und aufeinander bezogen sind.

Auszüge aus dem Maßnahmekatalog “Gemeinsam für Perspektiven von Flüchtlingen” der Allianz für Aus- und Weiterbildung:

“(…) Deutschkurse ausbauen und öffnen

Die erste Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt ist die Sprache. Deshalb sollten Flüchtlinge möglichst frühzeitig Zugang zu Sprachkursen erhalten. Der Bund wird die Integrationskurse für Asylbewerber und Geduldete öffnen und die Mittel entsprechend dem gestiegenen Bedarf aufstocken. Ebenso wird eine bedarfsgerechte Finanzierung der ausbildungs- und berufsbezogenen Sprachförderung durch zusätzliche Bundesmittel sichergestellt.

Bildung als Basis für Integration stärken

Ziel ist es, den ankommenden Kindern und Jugendlichen den bestmöglichen Start für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn in Deutschland zu geben, weil Bildung die Voraussetzung für die gelungene gesellschaftliche Integration ist. Dazu unternehmen alle Kultusministerien große Anstrengungen und stellen erhebliche zusätzliche Ressourcen zur Verfügung. Schulpflichtige Kinder von Flüchtlingen werden in die allgemeinbildenden Schulen aufgenommen und erhalten, wenn nötig, zunächst einen insbesondere an sprachliche Kompetenzen angepassten Unterricht. (…) Flüchtlinge im berufsschulpflichtigen Alter werden zeitnah in ggf. eigenen Klassen der Berufsvorbereitung mit besonderen Curriculum sowie einer intensiven auch berufsbezogenen Sprachförderung aufgenommen. Ziel ist der Einstieg in eine Berufsausbildung, weiterführende Schulausbildung oder direkt in den ersten Arbeitsmarkt.

Flüchtlinge fit machen für den Ausbildungs- und Arbeitsalltag

Flüchtlingen, die keinen Schul- oder Berufsabschluss haben, sollte schnellstmöglich der nachträgliche Erwerb ermöglicht werden. Um eine duale Ausbildung oder eine Beschäftigung aufnehmen zu können, braucht es neben Grundkenntnissen und berufsbezogenen Kenntnissen der deutschen Sprache auch anderer Kompetenzen. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommen oft aus Ländern, in denen unsere duale Ausbildung unbekannt ist. Die Kammern, Bildungswerke von Wirtschaft und Gewerkschaften sowie Unternehmen unterstützen diese Bemühungen insbesondere mit dem Angebot von Einblicken in den Unternehmensalltag durch Unternehmensbesuche und Praxistage. Gerade auch Praktika in den Unternehmen können zudem einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Flüchtlinge auf eine Ausbildung oder Beschäftigung vorzubereiten.

Ausbildung und Arbeit ermöglichen – ein Schlüssel zur Integration

Ausbildung, Qualifizierung und Arbeit sind ein zentraler Schlüssel für eine erfolgreiche Integration. Zudem finden Unternehmen in vielen Branchen und Regionen nicht die passenden Auszubildenden und Fachkräfte. Wir wollen uns gemeinsam darum bemühen, möglichst viele Flüchtlinge zu einem Schul- oder Berufsabschluss zu führen und passgenau in eine Beschäftigung zu bringen. Maßnahmen zur Berufsorientierung, Berufsvorbereitung und am Übergang Schule-Beruf sind daher auszubauen. Die Initiative Bildungsketten mit ihren „Berufseinstiegsbegleitern“ wird sich zukünftig auch um Flüchtlinge kümmern.

Potenziale ermitteln, Qualifikationen von Flüchtlingen anerkennen

Damit Jugendliche und junge Erwachsene eine gute Wahl für die Ausbildung und Beruf treffen können, sind Potenzialanalysen und Kompetenzfeststellungsverfahren insbesondere mit Bezug zur beruflichen Praxis fortzuentwickeln und auszubauen. Die Wartezeit bis zum Arbeitsmarktzugang soll genutzt werden, um frühzeitig Kompetenzfeststellungen durchzuführen und zeitnah Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung beim Arbeitgeber vorzusehen. (…) Die Maßnahmen zur Nachqualifizierung müssen gestärkt und erweitert werden. Hierzu ist eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern, Kammern, Sozialpartnern, Arbeitsagenturen und Jobcentern sowie Ausländerämtern erforderlich. (…)

Sicheren Aufenthalt für Ausbildung und Berufseinstieg schaffen

Eine weitere Hürde vor einer Einstellung ist der oft unsichere Aufenthaltsstatus. Die Bundesregierung hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge personell verstärkt, mit dem Ziel, Asylverfahren schon bald deutlich schneller abzuschließen und so Rechtssicherheit herzustellen. Betriebe, die Flüchtlinge ausbilden, sollen eine bundesweit gültige Planungssicherheit für die gesamte Dauer der Ausbildung und eine Anschlussperspektive erhalten. Wirtschaft, Gewerkschaften und die Arbeits- und Sozialministerkonferenz haben daher vorgeschlagen, dass Flüchtlinge während der Ausbildung und nach erfolgreichem Abschluss in jedem Fall für zwei weitere Jahre in Deutschland bleiben dürfen. Die Altersgrenze von 21 Jahren zur Aufnahme einer qualifizierten Ausbildung soll entfallen. (…)

Aktive Arbeitsförderung früh beginnen

Damit frühzeitig die Qualifikationen von Asylbewerbern und Flüchtlingen erfasst und bestätigt werden, wollen wir die gesetzliche Grundlage dafür schaffen, dass die Arbeitsagenturen und Jobcenter die vermittlungsunterstützenden Instrumente der aktiven Arbeitsförderung für Personen mit einer guten Bleibeperspektive schnell einsetzen können. (…) Berufsausbildungsbeihilfe, assistierte Ausbildung und ausbildungsbegleitende Hilfen sollen bereits ab Anfang 2016 schneller für Geduldete und Asylsuchende mit Bleibeperspektive zugänglich gemacht werden, um den Abschluss einer betrieblichen Berufsausbildung gezielt zu unterstützen. (…)

„Willkommenslotsen“ etablieren, um Betriebe und Flüchtlinge zu vermitteln

Vor Ort brauchen die Unternehmen einen Willkommenslotsen, der weiß, wer für eine Arbeitsaufnahme oder eine Berufsausbildung in Frage kommt, welche Formalitäten zu klären sind, welche Angebote es hinsichtlich Sprachunterricht gibt, und wie die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen funktioniert. Die regional ansässigen Kammern, Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften und Bildungswerke der Sozialpartner haben bereits bei Fragen der Ausbildung und Integration vielfach bewiesen, dass sie diese Aufgabe sehr gut erfüllen können. Deshalb wollen wir als Erweiterung des bestehenden Programms „Passgenaue Besetzung“ speziell geschulte „Willkommenslotsen“ für Unternehmen einsetzen. Sie sollen gezielte Informationen und Beratung zu allen Fragen und Herausforderungen rund um die passgenaue Besetzung von Ausbildungsplätzen, Praktika und Stellen mit geeigneten Flüchtlingen sowie zu deren Integration in den Betrieb und in das soziale Umfeld anbieten. (…)

Ehrenamtliches Engagement ermutigen und unterstützen

Bereits heute gibt es ein großes Engagement vieler Unternehmen und Gewerkschaften. (…) Gewerkschaften sowie Betriebs- und Personalräte und Jugend- und Auszubildendenvertretungen engagieren sich von Nothilfemaßnahmen über Mentoring bis hin zu tarifvertraglich vereinbarten Maßnahmen zum Einstieg in Ausbildung und Arbeit. In vielen Unternehmen herrscht bereits eine Willkommenskultur. All das sind keine einfachen Aufgaben. Allen Beteiligten, insbesondere den Flüchtlingen, wird eine gewaltige Leistung abverlangt. Wir werden diese Herausforderung gemeinsam bewältigen und nutzen sie als Chance. Mit Ausbildung und Arbeit kann die Integration gelingen.”

Quelle: BMBF

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