Kinderarmut zu vermeiden steht hoch auf der aktuellen politischen Agenda. Doch die finanziellen Nöte zu bekämpfen ist nicht das alleinige Heilmittel, so erste Ergebnisse einer Befragung der Goethe-Universität Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung. Sicherheit, Zeit mit Eltern und Freunden, Zuwendung sowie erwachsene Vertrauenspersonen und Beteiligungsmöglichkeiten zählen aus Sicht der großen Mehrheit der 3.448 befragten Kinder und Jugendlichen zum guten Aufwachsen. Zusätzlich zeigt die Studie auf, was Kinder und Jugendliche belastet. Dazu gehören ausgrenzende Erfahrungen und der Eindruck, keine Stimme bei politisch weitreichenden Entscheidungen zu haben. Die Studienleiterin Prof. Sabine Andresen schlussfolgert: “Kinder und Jugendliche sind Experten. Wissenschaft und Politik sollten sie zu ihren Rechten, Interessen und Bedarfen systematisch und regelmäßig anhören.”

Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, sich gelegentlich, häufig oder immer um die finanzielle Situation ihrer Familie zu sorgen. Doch sie zeigen sich nicht grundsätzlich unzufrieden mit ihrer materiellen Ausstattung. Aus zahlreichen Armutsstudien aber ist bekannt, dass es rund jedem vierten Kind kaum möglich ist, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Daher schlägt die Bertelsmann Stiftung ein Teilhabegeld vor – eine finanzielle Direktleistung, die besonders arme Kinder und Jugendliche unterstützt.

Wie hoch müsste ein solches Teilhabegeld sein? Um diese zu ermitteln bedarf es einer soliden Grundlage. Mit einer neuen Art der Sozialberichterstattung, die Kinder und Jugendliche direkt zu ihren Bedarfen und Interessen befragt, ließe sich die Unterstützung bedarfsgerecht ausrichten. Zudem könne durch regelmäßige Befragungen politische Maßnahmen überprüft und besser angepasst werden, findet Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Studien-Methodik

Datengrundlage der Studie ist die aktuelle Welle der internationalen Kinder- und Jugendbe-fragung Children’s Worlds für Deutschland. Die repräsentative Erhebung wurde im Schuljahr 2017/2018 durchgeführt. Für Deutschland wurde Children’s Worlds in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung erweitert und erscheint daher unter dem Namen Children’s Worlds+. Zum einen wurde der Erhebungsbogen um einige Fragen zu den Bedarfen von Kindern und Jugendlichen ergänzt. Zum anderen wurden zusätzlich 24 Gruppendiskussionen mit jungen Menschen zwischen 5 und 20 Jahren durchgeführt.

Quelle: Bertelsmann Stiftung