„Wohlstand für die Jugend“ ohne Ideen

In einer Rede zum Tag der Industrie 2026 versprach Bundeskanzler Friedrich Merz „Wohlstand für die Jugend“. Seine Ideen, den Wohlstand zu erreichen, stellen das Ziel jedoch infrage: Die marktwirtschaftlichen Ideen vom „Wohlstand für alle“ von Ludwig Erhard – vor 70 Jahren aufgeschrieben – sollen es richten. Eine kritische Betrachtung:

Was Friedrich Merz an marktwirtschaftlichen Ideen hat, skizzierte er in den 37 von 40 Absätzen seiner Rede: Investition in Rüstung, Umsteuern in der Energiepolitik, Erreichen digitaler Souveränität in Europa, Förderung von Start-Ups mit europäischem Kapitel, Entwickeln einer Hightech-Agenda und Stärken von Innovation als deutsche Kernkompetenz sind Rezepte des Kanzlers. Die waren Schwerpunkt seiner Ausführungen vor seinem Versprechen an die Jugend und der Erinnerung an Erhards „Wohlstand für alle“. Der Kanzler sagte:

„Jetzt müssen wir die zweite Auflage dieses Buches schreiben. Der Titel dieses Buches muss lauten: Wohlstand für die Jugend. Jetzt ist die junge Generation diejenige, die unsere gesamte Zuwendung und Aufmerksamkeit verlangt und uns zu Recht abverlangt. Wir müssen jetzt die Weichen dafür stellen, dass in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die nächste, die übernächste Generation genau die Chance hat, die wir als die Älteren gehabt haben – ich darf mich selbst dazuzählen –, nämlich in Frieden, in Freiheit, in Wohlstand und mit einem hohen Maß an sozialer Gerechtigkeit zu leben. Nach „Wohlstand für Alle“ muss jetzt folgen: Wohlstand für die Jugend.“

Der Einstieg in eine kapitalgedeckte Altersversorgung ist für Friedrich Merz ein wesentlicher Baustein des Versprechens. Gerade junge Menschen könnten wieder darauf vertrauen, selbst eine verlässliche Altersversorgung zu bekommen. Ziel sei, dass heutige Kinder und Kindeskinder weiter in Freiheit, Sicherheit und Wohlstand leben können.

Kein Angebot für die Jugend

Was Friedrich Merz nicht skizziert, ist eine Idee von Jugendpolitik der Regierung, die mindestens einen Teil des Wohlstandsversprechens ausmachen sollte. Er spricht im Übrigen vor der versammelten Industrie mit keiner Silbe von sozialer Marktwirtschaft im Geiste katholischer Soziallehre oder von der Verantwortung für das gesellschaftliche Miteinander. Er spricht nicht von Beteiligung junger Menschen in Politik und Betrieben. Er spricht nicht von Investitionen in Schulgebäude und Bildung, nicht von Maßnahmen gegen den Klimawandel, nicht von der notwendigen Unterstützung für demokratisches und zivilgesellschaftliches Engagement junger Menschen. Er meidet konsequent den Gedanken, dass viele junge Menschen die Unterstützungssysteme der Kinder- und Jugendhilfe benötigen, um selbst Teil des Wohlstands für die Jugend werden zu können.

Text: Michael Scholl, Referent für Grundlagen

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