Jugendsozialarbeit blickt auf den Berufsbildungsbericht

Mit dem neuen Datenreport zum Berufsbildungsbericht der Bundesregierung ergänzt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung in Deutschland. Das Bundeskabinett hatte den Berufsbildungsbericht Anfang Mai im Rahmen der gesetzlichen Frist veröffentlicht, verantwortlich ist das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). Der Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit nahm unter Federführung der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) Stellung zum Bericht.

Mit Blick auf die Daten fordert der Kooperationsverbund aus Perspektive der Jugendsozialarbeit, die Rolle der Jugendberufsagenturen stärker in den Blick zu nehmen. Aus dessen Sicht belegt der Bericht, dass der Anteil der formal nicht qualifizierten jungen Erwachsenen im Alter von 20 bis 34 Jahren mit 19 Prozent (rund 2,86 Millionen) auf einem konstant hohen Niveau liegt. Es zeigen sich strukturelle Ungleichgewichte zwischen den angebotenen Ausbildungsprofilen und den Wünschen oder Qualifikationen der Jugendlichen. Klassische Vermittlungsmechanismen gelangen an ihre Grenzen. Jugendliche mit niedrigen Schulabschlüssen, ohne unterstützendes Elternhaus oder mit Einwanderungsgeschichte sind überproportional betroffen.

Nach Ansicht der Jugendsozialarbeit haben Jugendberufsagenturen bei der Problemlösung eine Schlüsselrolle. „Sie bieten die Möglichkeit, frühzeitige Berufsorientierung, individuelle Beratung, Krisenbegleitung, sozialpädagogische Unterstützung und Vermittlung in Ausbildung systematisch zu verzahnen. So reduzieren sie sowohl Warteschleifen als auch Ausbildungsabbrüche“, heißt es in der Stellungnahme. Im Gefüge der Jugendberufsagenturen sei die Jugendsozialarbeit mit der Jugendberufshilfe (nach § 13 SGB VIII) eine Art „menschliches Fundament“. Arbeitsvermittlung und die Berufsberatung könnten darauf aufbauen. Jugendsozialarbeit sichere die soziale Integration und die Persönlichkeitsentwicklung. Freie Träger der Jugendsozialarbeit seien oftmals eine wichtige Stellschraube für die Kontinuität sozialpädagogischer Unterstützung, argumentiert der Kooperationsverbund.

Bereitschaft zur Veränderung

BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser betont: „In Zukunft muss es uns besser gelingen, die Angebote der beruflichen Bildung zielgenauer auf die Lernvoraussetzungen derer auszurichten, die wir in Aus- und Weiterbildung bringen wollen“. Nicht statisches Beharren auf bisher Bewährtem, sondern die Bereitschaft zur Veränderung als Voraussetzung für mehr systemische Resilienz auf Grundlage des Berufsprinzips müsse Leitprinzip des Berufsbildungssystems werden, appelliert Friedrich Hubert Esse. So könne das System besser auf aktuelle Unsicherheiten, Krisen und Schocks sowie zukünftige Herausforderungen reagieren.

Während der Berufsbildungsbericht auf Daten des Jahres 2025 zurückgreift, legt das BIBB mit dem Datenreport auch neue Zahlen vor. Der Schwerpunkt des BIBB-Datenreports 2026 rückt das Thema „Künstliche Intelligenz in der Berufsbildung“ in den Fokus.

Bei der Vorstellung des aktuellen Berufsbildungsberichts hatte Bundesministerin Karin Prien betont: „Unser Ziel ist klar: Die berufliche Bildung muss als gleichwertige und attraktive Alternative zum Studium wahrgenommen werden. Deshalb unterstützen wir auch gezielt junge Erwachsene ohne Berufsabschluss“. Im Bericht der Regierung wird der Beitrag von Menschen mit Einwanderungsgeschichte gewürdigt. Laut integrierter Ausbildungsberichterstattung sei die Zahl der Anfänger*innen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Bereich der Berufsbildung um elf Prozent gestiegen.

Text: Michael Scholl

 

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