Integrationspolitik: Expert*innen empfehlen Ablösung des Begriffs „Migrationshintergrund“

Expert*innen aus Wissenschaft und Politik haben der Bundesregierung nach zwei Jahren Arbeit ihre Empfehlung zur Integrationspolitik vorgelegt. Unter dem Titel „Gemeinsam die Einwanderungsgesellschaft gestalten“ übergab eine Anfang 2019 von der Regierung eingesetzte Kommission Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen rund 280 Seiten umfassenden Bericht. Integration sei eine „Daueraufgabe, die alle betrifft“, heißt es darin. Ihren einzelnen Empfehlungen stellten die ausgewählten Fachleute 14 Kernbotschaften voran: So müssen etwa Zielkonflikte zwischen Asyl- und Integrationspolitik so weit wie möglich reduziert werden. Integration bedeute Teilhabe, Repräsentanz und Anerkennung. In den Bereichen Bildung und Gesundheit seien gleiche Chancen nötig. Auch sollten die Fähigkeiten von Eingewanderten besser genutzt und aktiv gegen Diskriminierung vorgegangen werden. Zudem plädieren sie für eine vorausschauende Einwanderungs-, eine nachhaltige Stadtentwicklungs- sowie eine soziale Wohnungspolitik. Zugleich wenden sich die Autor*innen gegen Rassismus, Hasskriminalität und Terrorismus.

Weiter empfiehlt die Kommission, im öffentlichen Diskurs auf eine sensiblere Verwendung von Sprache zu achten. Konkret solle etwa in der amtlichen Statistik der Begriff „Migrationshintergrund“ klarer und zugleich enger als bisher definiert werden. Statt von „Personen mit Migrationshintergrund“ könne von „Eingewanderten und ihren (direkten) Nachkommen“ gesprochen werden – auch wenn dies ebenfalls Probleme aufwerfe. Auch dieser Begriff ist keine ideale Lösung im Sinne eines universell einsetzbaren Begriffs, der sowohl wissenschaftliche als auch umgangssprachliche und politische Erwartungen erfüllt. Aber die Überlegungen der Fachkommission können als wichtiger Impuls gewertet werden, um den Begriff Migrationshintergrund zu wandeln, der für viele Menschen wie ein Etikett ist, dem sie nicht entkommen können, selbst wenn sie lange hier leben, die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen oder in Deutschland geboren und nie eingewandert sind.

Quelle: KNA; BMI; Fachkommission Integrationsfähigkeit

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