Was zusammengefunden hat, hat gute Chancen zusammen zu bleiben

Auszüge aus dem IAB-Kurzbericht „Betriebe und Bewerber finden schwerer zusammen, dafür sind Übernahmen häufiger denn je“ von Sandra Dummert, Marek Frei und Ute Leber:
“ (…) Nachdem sich die Situation am deutschen Ausbildungsmarkt in den letzten Jahren etwas entspannt hatte, zeigen sich seit 2012 wieder zunehmende Probleme. Dem aktuellen Berufsbildungsbericht zufolge ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge seit 2012 rückläufig und die Zahl der unversorgten Ausbildungsplatzbewerber hat zugenommen. Zugleich klagen viele Unternehmen über Schwierigkeiten bei der Besetzung ihrer Ausbildungsstellen. (…)

Ausbildungsberechtigung und Ausbildungsbeteiligung
Ein Betrieb darf in Deutschland nur dann ausbilden, wenn er die gesetzlichen Voraussetzungen hierfür erfüllt. Nach den Daten des IAB-Betriebspanels verfügte im Jahr 2013 über die Hälfte aller Betriebe über eine Ausbildungsberechtigung. In Westdeutschland lag der Anteil ausbildungsberechtigter Betriebe 2013 mit 57 Prozent über dem in Ostdeutschland mit 52 Prozent und im Zeitverlauf haben sich diese Werte nur geringfügig verändert. (…)

Von den Betrieben, die zur Ausbildung berechtigt sind, bildete im Jahr 2013 gut die Hälfte auch tatsächlich aus. Im Unterschied zur Ausbildungsberechtigung sind hinsichtlich der zeitlichen Entwicklung der Ausbildungsbeteiligung durchaus Änderungen zu beobachten. Zwar blieb der Anteil ausbildender Betriebe in Westdeutschland in den vergangenen Jahren weitgehend konstant, in Ostdeutschland ist er jedoch gesunken. Beteiligten sich im Jahr 2000 noch 50 Prozent aller ausbildungsberechtigten Betriebe in Ostdeutschland an der Ausbildung, so waren dies zuletzt nur noch 42 Prozent. Damit lag die Ausbildungsbeteiligung in den ostdeutschen Bundesländern deutlich unter dem Niveau der westdeutschen (53 %). In Westdeutschland verfügen also nicht nur
mehr Betriebe über eine Ausbildungsberechtigung, diese wird auch von einem größeren Teil der Betriebe tatsächlich genutzt. (…)

Die Besetzung von Ausbildungsstellen wird immer schwieriger
Betriebe haben zunehmend mit Schwierigkeiten bei der Besetzung ihrer Ausbildungsstellen zu kämpfen. Im Jahr 2013 hatten 29 Prozent aller Betriebe (mit angebotenen Ausbildungsplätzen) unbesetzte Ausbildungsstellen, und damit etwa doppelt so viele wie noch zur Mitte der 2000er Jahre. (…)

Bis Mitte der 2000er Jahre blieb etwa jeder zehnte angebotene Ausbildungsplatz unbesetzt, im Jahr 2013 war es bereits jeder fünfte. Ebenso wie der Anteil der Betriebe mit Stellenbesetzungsproblemen liegt auch der Anteil der unbesetzten Ausbildungsplätze in Ostdeutschland mit 34 Prozent deutlich über dem in Westdeutschland mit 16 Prozent. Eine Ursache des starken Anstiegs unbesetzter Ausbildungsstellen in Ostdeutschland ist in der demografischen Entwicklung zu sehen. (…)

Der starke Rückgang der Schulabgängerzahlen in Ostdeutschland ist im Wesentlichen auf den in den 90er Jahren ausschließlich hier zu beobachtenden Geburtenknick zurückzuführen. Zudem wird das Problem unbesetzter Ausbildungsstellen durch eine hohe Abwanderungszahl junger Menschen in die westdeutschen Ballungsräume weiter verstärkt. (…) Unterschiede im Besetzungserfolg von Ausbildungsstellen bestehen auch zwischen Groß- und Kleinbetrieben. So tun sich insbesondere kleine Betriebe schwer damit, (geeignete) Auszubildende zu finden. In den Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten in Ostdeutschland blieb im Jahr 2013 über die Hälfte aller angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt.

Dennoch ist aber nicht nur die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen gestiegen, sondern auch die der Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben: Im September 2012 waren noch 15.600 Bewerber unversorgt, im September 2013 waren es 21.000. Die Situation an der sogenannten ersten Schwelle, dem Übergang von der Schule in die Ausbildung, hat sich demnach auch für die Jugendlichen zuletzt wieder verschlechtert.

Warum können so viele Ausbildungsplätze – trotz einer gleichzeitig steigenden Zahl an unversorgten Bewerbern – nicht besetzt werden? Nach den Ergebnissen des IAB-Betriebspanels sind vor allem Passungsprobleme hierfür verantwortlich. So nannten 61 Prozent aller Betriebe mit unbesetzten Ausbildungsplätzen eine ungenügende Anzahl an geeigneten Bewerbern als Hauptgrund. (…) Passungsprobleme werden zunehmend durch das steigende Bildungsniveau der Schulabgängerinnen und Schulabgänger verschärft. (…) Schulabsolventinnen und -absolventen mit Abitur sind weniger bereit, beispielsweise eine Bäckerlehre zu beginnen, auch wenn es hier noch freie Ausbildungsplätze gibt. Die Fixierung auf den Wunschberuf und auf bestimmte Regionen trägt insgesamt immer mehr dazu bei, dass bestehende Passungsprobleme nur schwer zu lösen sind.

Angesichts der zunehmenden Probleme bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen stellt sich vermehrt auch die Frage nach der Kompromissbereitschaft der Betriebe bei der Auswahl ihrer Auszubildenden. (…) Abstriche wurden von diesen Betrieben hauptsächlich bei der schulischen Vorbildung gemacht. So stellten 75 Prozent derjenigen Betriebe, die Kompromisse eingegangen sind, Bewerber trotz fehlender schulischer Leistungen ein. Zugeständnisse hinsichtlich sozialer oder sprachlicher sowie anderer Anforderungen sind dagegen weniger verbreitet. Dennoch war bei einem Großteil der Betriebe ein schulischer Abschluss eine Mindestanforderung. (…)

Situation an der zweiten Schwelle hat sich weiter verbessert
Im Gegensatz zur ersten Schwelle, dem Übergang von der Schule in die Ausbildung, hat sich die Situation an der zweiten Schwelle, dem Schritt von der beruflichen Erstausbildung in das Arbeitsleben, in der jüngeren Vergangenheit merklich verbessert. Deutlich wird dies an der Entwicklung der sogenannten Übernahmequote. (…) Ist der Anteil der übernommenen Absolventen bis Mitte der 2000er Jahre noch stetig gesunken, hat er danach von Jahr zu Jahr zugenommen. Im Jahr 2013 wurden mit 67 Prozent rund zwei Drittel aller Ausbildungsabsolventen von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen. Damit ist die Chance, nach der Ausbildung eine Beschäftigung im Ausbildungsbetrieb aufzunehmen, in Deutschland so gut wie nie zuvor seit Beginn der Erhebung im Jahr 1996. (…)

Differenziert nach Größenklassen zeigt sich, dass die Übernahmequote auch von der Betriebsgröße abhängt. So wurden 2013 von den Großbetrieben mit 500 und mehr Mitarbeitern rund acht von zehn Ausbildungsabsolventen übernommen, in den Kleinstbetrieben mit bis zu neun Beschäftigten waren es gut fünf von zehn. (…) Die im Zeitverlauf stark gestiegenen Übernahmequoten von Ausbildungsabsolventen machen (…) darauf aufmerksam, dass der Ausbildung als Instrument zur Sicherung des Fachkräftebedarfs große Bedeutung zukommt. „

Den Bericht in vollem Textumfang entnehmen Sie dem Anhang.

www.iab.de

Quelle: IAB Kurzbericht

Dokumente: kb2014.pdf

Ähnliche Artikel

Cover des Kinder- und Jugendhilfereports

Kinder- und Jugendhilfereport 2024 erschienen

Der „Kinder- und Jugendhilfereport“ (KJH-Report) bündelt wichtige statistischen Daten zur gesamten Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland und verdichtet sie zu Kennzahlen. Basierend darauf liefert der

Skip to content