Obwohl Deutschland zu den reichsten Ländern der Welt gehört, leben hier gegenwärtig knapp 2 Millionen Kinder und Jugendliche, und damit 14,4% der unter 18-Jährigen, unterhalb der Armutsgrenze. Für über die Hälfte der armen Kinder ist Armut keine Episode in ihrem Leben, sondern ein Dauerzustand. Notwendig sind deshalb zum einen eine wirksame finanzielle Absicherung, zum anderen eine umfassende strukturbezogene Prävention. Neben der Neugestaltung monetärer Leistungen für Kinder, Jugendliche und Familien, bleibt die zentrale Herausforderung, den engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und dem Bildungserfolg aufzubrechen. In der Reihe „Archiv für Wissenschaft und Praxis in der sozialen Arbeit“ ist das Heft „Kinderarmut bekämpfen – Armutskarrieren verhindern“ erschienen. In neun Beiträgen werden die komplexen Ursachen und Folgen von Kinderarmut dargestellt, Wirkungen bestehender Leistungen analysiert, aktuelle Reformvorschläge wie die Kindergrundsicherung diskutiert und Beispiele kommunaler Armutsprävention vorgestellt.

Fachleute aus Wissenschaft, Politik und Praxis betrachten Gegenwart und Zukunft

In der 96-seitigen Publikation, die auf der Downloadseite auch als Druckausgabe zum Preis von 14,50 Euro bestellt werden kann, finden sich diese Beiträge:

  • Nicht nur mit „Armutsfolgen für Kinder und Jugendliche“ beschäftigt sich Gerda Holz. Sie erarbeitet auch zentrale Erkenntnisse im Hinblick auf eine strukturelle Armutsprävention.
  • Kinder als Armutsrisiko? Familien im Steuer- und Sozialrecht“: Anne Lenze betont die Einkommensbelastung durch Sozialversicherungsabgaben und Niedriglöhne als Armutsgründe und fordert eine Leistungszusammenfassung zu einer Kindergrundsicherung.
  • Was kommt bei den Kindern an? Vorurteile gegenüber armen Familien“ sind nach studienbasierten und eigenen Erkenntnissen von Hanne Albig, Lukas Riedel und Holger Stichnoth nicht berechtigt.
  • Unter dem Titel „Regulierung von Ungleichheitsverhältnissen: Wirkungen des Elterngelds und des Bildungs- und Teilhabepakets“ analysiert Raimund Geene die Leistungen und stellt auch fest, dass Maßnahmen zur Reduktion von Kinder- und Familienarmut mit umfangreichen Regulierungs- und Normierungsaspekten einhergehen und in vielen Aspekten eher Verfestigungen und Verstärkungen von Verarmungstendenzen bewirken.
  • Der Weg aus dem Leistungsdschungel? Konzepte für eine Kindergrundsicherung“ stellt Romy Ahner zusammen.
  • Jörg Plewka erläutert „Die Strategie der Bundesregierung gegen Kinderarmut“ mit den drei Ansatzpunkten „Erwerbstätigkeit von Eltern stärken“, „Familien finanziell gezielt unterstützen“ und „Bildung und Teilhabe für Kinder sichern“.
  • Armutssensibles Handeln von Fachkräften in Kinder- und Jugendhilfe und Jobcenter“: Jörg Fischer zeigt auf, dass neben materiellen Unterstützungsressourcen und strukturellen Maßnahmen im Kampf gegen die negativen Folgen von Armut auch ein politisch und fachlich angemessener Umgang mit armutsbetroffenen Menschen erforderlich ist.
  • Aus der Praxis berichten Reiner Prölß und Thomas Rinklake über „Das Nürnberger Arbeitsprogramm gegen Kinder- und Jugendarmut“ sowie Dolf Mehring über „Die kommunale Präventionskette gegen Kinderarmut in Bochum“.

Quelle: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V.