Unter dem Titel ‘Strategien und Methoden der Kompetenzagenturen. Werkstattbericht Dezember 2004’ berichtet die ‘Regiestelle Kompetenzagenturen’ beim Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik GmbH (INBAS) über den aktuellen Entwicklungsstand des Modellprogramms ‘Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit – Modellphase: Kompetenzagenturen“. Auszüge aus dem Vorwort von Hardy Adamczyk (Regiestelle INBAS): ” … Mit dem Modellprogramm „Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit – Modellphase: Kompetenzagenturen“ entwickelt und erprobt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) einen neuen Weg für junge Menschen mit besonderem Förderbedarf. Zentrales Ziel ist die soziale und berufliche Integration von Jugendlichen, die von den bestehenden Hilfesystemen bisher nicht profitieren konnten oder von sich aus keine Zugänge gefunden haben. Es richtet sich also vordringlich an die Jugendlichen, die in Gefahr sind, ganz aus dem System herauszufallen oder erfolglos Maßnahmekarrieren zu durchlaufen. Anstelle der vielfach noch vorherrschenden Maßnahmenorientierung setzt das Programm an den Biografien der einzelnen Jugendlichen an. In den Kompetenzagenturen werden keine neuen pädagogischen Maßnahmen entwickelt, sondern Jugendliche so durch das Spektrum vorhandener Angebote gelotst, dass eine den jeweiligen Voraussetzungen, Motiven, sozialen Lagen und biografischen Situationen entsprechende optimale Förderung erfolgt. Mit Hilfe des Konzepts „Case Management“ wird den jungen Menschen eine Palette individuell und passgenau abgestimmter Unterstützungen angeboten, die über die Grenzen bisheriger Einzelmaßnahmen hinausgehen. Die Kompetenzagenturen übernehmen hierbei eine dem komplexen Förderbedarf angemessene Lotsen- und Vermittlungsfunktion. Bestandteil dieses „Case Management“ ist auch, in Zusammenarbeit mit allen relevanten Kooperationspartnern, Schwachstellen und Lücken der lokalen Angebotsstruktur zur Förderung der Klientel zu identifizieren und gegebenenfalls neue Angebotsformen zu initiieren. Die organisatorische Steuerung des Programms erfolgt über die Regiestelle beim Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik (INBAS GmbH). Es wird vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) wissenschaftlich begleitet. Das Modellprogramm startete im November 2002. Bundesweit arbeiten fünfzehn Kompetenzagenturen mit unterschiedlichen Ansätzen, Schwerpunkten und Konzepten an dem Ziel, die berufliche und soziale Integration von besonders benachteiligten Jugendlichen in sozialen Brennpunkten ganzheitlich zu unterstützen. Über aufsuchende Konzepte, präventive Zusammenarbeit mit Haupt-, Förder- und Berufsschulen sowie direkte Zuweisung durch kooperierende Ämter wurden von den Kompetenzagenturen im ersten Programmjahr 2003 insgesamt 3.200 Jugendliche angesprochen. Davon erwiesen sich mehr als die Hälfte (knapp 1.800) als potenzielle Betreuungskund( inn)en für eine langfristige Fallbegleitung im „Case Management“. Ein überdurchschnittlicher Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund (nahezu 50% in den alten Bundesländern) weist darauf hin, dass die Kompetenzagenturen geeignete Zugänge zu dieser von den Risiken des Arbeitsmarktes besonders betroffenen Zielgruppe gefunden haben. Das zeigt gleichzeitig, dass sie die Herausforderungen der Querschnittsaufgabe des „cultural mainstreaming“ angenommen haben. Auch das zweite Querschnittsthema des Modellprogramms, die Beachtung der Prinzipien des „gender mainstreaming“ wird von den Kompetenzagenturen realisiert. Alle Case Management Teams sind gemischtgeschlechtlich besetzt. Das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Jugendlichen von 60 zu 40% ist vor dem Hintergrund des meist männlich dominierten Sektors der Ausbildungsförderung beachtenswert. … Das BMFSFJ hat mit der Programmphase „Kompetenzagenturen“ ein zukunftsweisendes und ganz im Sinne des Kinder- und Jugendhilfegesetzes tragfähiges Modell entwickelt, um dort anregend und unterstützend zu wirken, wo sich die Jugendhilfe bundesweit neu positionieren muss. Beispielhaft seien hier die individuell zu ermittelnden Förderpläne und das passgenaue Fallmanagement erwähnt. Außerdem stellt die Lotsenfunktion der Kompetenzagenturen, die auf den individuellen Stärken und den Bedarfen der einzelnen Jugendlichen sowie den Anforderungen und Chancen des Berufsintegrationssystems basiert, die methodische Grundlage der künftig von den Jobcentern zu leistenden Vermittlungsarbeit Jugendlicher in das Berufsleben dar. Das Konzept der von den Kompetenzagenturen durchgeführten Dienstleistungen beinhaltet somit zentrale Bestandteile der inzwischen verabschiedeten Gesetze zur Modernisierung des Arbeitsmarktes. Der zentrale Auftrag der Mitarbeiter/innen der Kompetenzagenturen lautet: Weg von der Standardisierung, hin zur Individualisierung sowie zu passgenauer Qualifizierung und Kompetenzerweiterung der Jugendlichen. Die Erfahrungen der Kompetenzagenturen schließen sowohl intensive Kooperationsbezüge mit den Akteur(inn) en des Arbeitsmarktes ein wie auch das präventive Eingreifen bereits während der Schulzeit unter intensiver Einbeziehung des sozialen und familiären Umfeldes der jungen Menschen. An dieser Stelle gilt es die Synergieeffekte aus der langjährigen Erfahrung der Jugendhilfe in der sozialen und beruflichen Integration benachteiligter junger Menschen und den kund(inn)enorientierten Ansätzen in den verschiedensten Programmen der Agentur für Arbeit zu nutzen. Der vorliegende Werkstattbericht aus der Praxis des Modellprogramms gibt einen Einblick in den konkreten Stand der Arbeit und zeigt verschiedene Ansätze und Schwerpunkte der Kompetenzagenturen. Die Beiträge vermitteln einen Eindruck von der Vielfalt der erprobten Konzepte und stellen erste Erfolge in der Umsetzung der Ideen und Ziele dar. Neun der insgesamt fünfzehn Kompetenzagenturen, die im Rahmen des Modellprogramms „Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit“ (2002 – 2006) neue Konzepte des Zugangs sowie Ansätze zur sozialen und beruflichen Integration von besonders benachteiligten Jugendlichen entwickeln, stellen in diesem Werkstattbericht zentrale Arbeitsaspekte und erste Ergebnisse ihrer Arbeit vor. … ” ______________________________________________________________ ‘Deutlich zu erkennen ist die Steigerung der Zugangszahlen’ Auszüge aus dem Beitrag ‘Ergebnisse des Monitoring durch die Regiestelle’ von Uwe Kirchbach (Regiestelle INBAS): Teilnehmer/innen-Statistik ” Deutlich zu erkennen ist die Steigerung der Zugangszahlen. … Anzahl der Jugendlichen bis 31.05.2003  1.032 bis 30.09.2003  1.947 bis 31.12.2003  3.195 … Die relativen Zugangszahlen nach Zugangswegen veränderten sich im Verlauf des ersten Jahres (2003) nur wenig. Über institutionelle Zusammenhänge kamen im Mai 2003 77,1% der Jugendlichen. Zum Ende des Jahres waren es 71,1%. Über offene oder aufsuchende Zugangswege fanden im Mai 2003 25,5% und zum Ende des Jahres 28,9% der Jugendlichen in die Kompetenzagenturen. Der bedeutendste Zugangsweg führte dabei über die Zusammenarbeit mit den Schulen (21,8% aller aufgenommenen Jugendlichen). Es folgte das Sozialamt mit einem Anteil von 19,6%. Die Eigeninitiative der Jugendlichen entwickelte sich im Verlauf des Jahres 2003 zum drittwichtigsten Zugangsweg. Hier stieg der Anteil der Jugendlichen von 15,3% Ende Mai auf 17,3% bis zum Ende des Jahres an. ,,, Zusammensetzung der Zielgruppe nach Geschlecht, Nationalität, Alter und Vorbildung … Im Durchschnitt aller Kompetenzagenturen liegt der Anteil der männlichen Jugendlichen zum 31.12.2003 bei 60,1% ( – 2% zum Mai 2003). Die Streuung der Werte zwischen den Kompetenzagenturen ist jedoch sehr hoch. Zwei Agenturen verzeichnen mehr weibliche als männliche Jugendliche, bei zwei anderen Kompetenzagenturen liegt der Anteil der männlichen Jugendlichen um 75%. Insgesamt haben rund 34% der Jugendlichen einen Migrationshintergrund. Davon sind 20,6% ausländischer Nationalität, 5,8% Aussiedler/innen und 7,5% Jugendliche deutscher Nationalität, aber ausländischer Herkunft. Auch hier finden wir eine breite Streuung der Werte zwischen den Kompetenzagenturen vor. Während die Kompetenzagenturen in den Ballungsräumen im Westen z. T. 60% und mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund aufnehmen, liegt der Anteil bei den Kompetenzagenturen in den sogenannten neuen Bundesländern bei nur 7%. Aufgrund der Zusammenarbeit mit den Schulen sind 6,3% der Jugendlichen im Alter bis 14 Jahre. 46% der Jugendlichen sind zwischen 15 und 18 Jahre, weitere 46% sind zwischen 19 und 25 Jahre alt. Bei 1,7% der Jugendlichen wurde das Alter nicht ermittelt. Ein irritierendes Ergebnis melden uns die Kompetenzagenturen in Bezug auf die Vorbildung der Jugendlichen: 925 (51,9%) haben einen Schulabschluss. … Leistungen der Kompetenzagenturen … Von den 3.195 Jugendlichen, die mit den Kompetenzagenturen in Kontakt kamen, verblieben 1.781 Jugendliche als potenzielle Beratungs- und Betreuungskund(inn)en. Von diesen wurden 943 Jugendliche (52,9%) als Beratungskund(inn)en und 843 (47,1%) als Betreuungskund(inn)en mit längerfristigem Betreuungsbedarf klassifiziert (Fallbegleitung im Case Management). Von diesen 943 jugendlichen Beratungskund(inn)en wurden 129 in Arbeit oder Ausbildung vermittelt, erhielten 212 sogenannte präventive Angebote, wurden 186 an andere Beratungs- oder Bildungseinrichtungen (davon 82 oder 4,6% an die Arbeitsagenturen) vermittelt. In 140 Fällen wurde die Beratung abgebrochen, davon für 11 Jugendliche durch die Kompetenzagentur. … Ende 2003 hatten 41,3% der Jugendlichen ein Kompetenzfeststellungsverfahren durchlaufen, und für 44,7% lag ein mit den Jugendlichen abgestimmter Entwicklungsplan vor. Diese Werte waren seit September 2003 deutlich angestiegen. Abbruchzahlen Durchaus erfreulich sind die geringen Abbruchzahlen (1,8%) der Jugendlichen im Case- Management-Verfahren durch die Kompetenzagenturen selbst. Dagegen stellen sich die Abbruchzahlen durch die Jugendlichen selbst als relativ hoch dar (11,6%). Beurteilung Die beachtenswerte und steigende Zahl der Jugendlichen, die von den Kompetenzagenturen betreut werden, betrachten wir als Erfolg und Hinweis, dass der Beratungsbedarf nicht allein im bestehenden Hilfesystem abgedeckt werden kann. Dass sich die Schulen und Sozialämter als die bedeutendsten Zugangswege der Jugendlichen in die Kompetenzagenturen gezeigt haben, kann als Hinweis darauf interpretiert werden, dass die präventive Ausrichtung der Kompetenzagenturen Wirkung zeigt (Schule) und bei den Kommunen ein großes Interesse besteht, jugendliche Sozialhilfebezieher in Erwerbszusammenhänge zu integrieren. Zudem spricht die Zahl für eine gelungene Integration der Kompetenzagenturen in das bestehende Hilfesystem durch klare und feste Vereinbarungen mit den Partnern und ebenso dafür, dass diese Vereinbarungen mit den Partnern mit Leben erfüllt wurden, indem sie konkrete Integrationsleistungen für die Partner erbringen. Die Tatsache, dass die Zugänge aus den Arbeitsagenturen nur eine untergeordnete  Rolle spielen, muss weiterhin beobachtet werden. … Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass es den Kompetenzagenturen bereits im Verlauf des ersten Jahres (2003) gelungen ist, ihr Angebot bekannt zu machen. Dies zeigt sich deutlich darin, dass über 17% der Jugendlichen aus eigenem Antrieb in die Kompetenzagenturen kommen und diese selbst von teilweise zahlenmäßig so hohen Beratungsanfragen der Jugendlichen berichten, dass ihre Ressourcen sich der Überforderungsgrenze nähern. … Die hohe Zahl von Jugendlichen, die keine Hilfe in Form eines betreuenden Case Managements benötigen, scheint den offenen Konzepten geschuldet zu sein. Es ist schlechterdings nicht vermeidbar, dass auch Jugendliche, die nur einen geringen Beratungsbedarf haben, um Beratung nachsuchen. Ansteigende Anteile der Jugendlichen, die ein Kompetenzfeststellungsverfahren durchlaufen haben, und die steigende Zahl der vereinbarten Hilfepläne bewerten wir dahingehend, dass sich die Kompetenzagenturen Stück für Stück den selbst gesteckten Qualitätsanforderungen annähern. Die hohe Anzahl der Abbrüche durch die Jugendlichen selbst wird von den Mitarbeiter(inne)n aus den Kompetenzagenturen damit begründet, dass sich dieser Teil der Benachteiligten weiterhin Hilfeangeboten entzieht. Der geringe Anteil der Aufkündigungen von Beratungszusammenhängen durch die Kompetenzagenturen zeigt, dass sich die Mitarbeiter/innen auf die schwierige Klientel eingestellt haben und Störungen in der Kommunikation oder Unterbrechungen des Beratungsprozesses durch die Jugendlichen nicht zu einem „Rausschmiss“ führen, wie dies aus anderen Hilfeleistungen bekannt ist. In der Diskussion mit den Kompetenzagenturen heftig umstritten sind die Merkmale der Zielgruppe, insbesondere der hohe Anteil der Jugendlichen mit Schulabschluss. Für die Regiestelle war dies Anlass zu fragen, ob denn tatsächlich in der Mehrzahl besonders benachteiligte Jugendliche betreut werden oder ob arbeitsmarktbenachteiligte Jugendliche in zu großer Zahl unter den Jugendlichen sind. … ” ______________________________________________________________ Inhalte u. a.: Kompetenzagenturen als Institutionen neuen Typs bei der sozialen und beruflichen Integration besonders benachteiligter Jugendlicher Kompetenzagentur Groß-Gerau/Rüsselsheim: Kompetenzfeststellung als Baustein der Berufswegplanung an Schulen der Sekundarstufe I Kompetenzagentur Salzgitter: Schulverweigerung – frühzeitige Prävention kann helfen Kompetenzagenturen Mannheim und Aachen: Aufsuchende Arbeit – ein wichtiges Instrument für Kompetenzagenturen Case Management – der spezielle Ansatz der Kompetenzagenturen Cottbus und Berlin-Neukölln „Aller guten Dinge sind drei“– interdisziplinärer Ansatz der Kompetenzagentur Leipzig Kompetenzagentur Fürth: Kompetenzagenturen – eine Strategie der Erwärmung in Zeiten sozialer Kälte Vernetzte Zusammenarbeit in der Kompetenzagentur Regensburg am Beispiel von Hauptschulen und Jugendhilfe Arbeitsgruppenergebnisse: Case Management als Handlungsinstrument im Modellprogramm Kompetenzagenturen Ergebnisse des Monitoring durch die Regiestelle Wissenschaftliche Begleitung (DJI): Die Schülerbefragung „Schule – und dann?“

http://www.kompetenzagenturen.de/download/2520_pub_wb_041206_endversion_dvs.pdf
,
http://www.kompetenzagenturen.de/archiv.html#werkstattbericht04,
siehe
auch:
http://cgi.dji.de/kompetenzag

Quelle: INBAS: ‘Strategien und Methoden der Kompetenzagenturen. Werkstattbericht Dezember 2004’