Neue Potentiale erschließen

Auszüge aus den wichtigsten Erkenntnissen der Studie Zur Lage der Integration in Deutschland des Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: ## “ Migranten sind im Durchschnitt jünger als Einheimische, sie gleichen sich aber in vielen Lebensbereichen den Einheimischen an: Auch sie werden im Laufe der Zeit als Gruppe älter, bekommen weniger Kinder, heiraten seltener und trennen sich häufiger. Sie leben vor allem in den Stadtstaaten und wirtschaftlich starken Regionen. …
## In Deutschland geborene Kinder von Migranten schneiden in allen Gruppen besser ab als ihre direkt zugewanderten Eltern.
Wenn letztere jedoch hochqualifiziert sind, schaffen es ihre in Deutschland geborenen Kinder häufig nicht, das Bildungsniveau zu halten. In Migrantengruppen, die mehrheitlich mit sehr geringen Qualifikationen ins Land gekommen sind, holen die in Deutschland
geborenen Kinder zwar auf, sie bleiben mit ihrem Bildungsstand aber deutlich hinter dem Durchschnitt gleichaltriger einheimischer
Deutscher zurück.
## Aussiedler bleiben die größte Herkunftsgruppe. Sie ähneln in ihrer demografischen Struktur, aber auch in den Integrationswerten
stark den Einheimischen. Im Vergleich zu diesen üben sie aber seltener besser gestellte Berufe aus.
## Als zweitgrößte Migrantengruppe zeigt die türkische weiterhin die stärksten Integrationsprobleme. Dies ist im Wesentlichen auf
das niedrige Bildungsniveau zurückzuführen, welches diese Zuwanderer aus ihrer Heimat mitgebracht haben. Jeder fünfte aus der Türkei zugewanderte Mann und jede dritte Frau hat weder einen Schul- noch einen Bildungsabschluss. Deshalb sind türkische Migranten auch im Erwerbsleben oft weniger erfolgreich. Im deutschen Schulsystem gelingt es den Kindern von türkischen Zuwanderern vergleichsweise selten, die Bildungsdefizite ihrer Eltern aufzuholen. Türkische Mädchen gehören im Bildungsbereich jedoch zu den Integrationsgewinnern.
## Ähnliche Schwierigkeiten wie die türkischen Zuwanderer haben auch Migranten aus dem ehemaligen Jugoslawien. …
## Kinder aus der fernöstlichen Herkunftsgruppe zeichnen sich, unabhängig vom Bildungsstand ihrer Eltern, durch überproportional
gute Bildungsergebnisse aus. …
## Regional betrachtet fällt die Integration dort leichter, wo der Arbeitsmarkt gute Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeiten bietet. Zudem ziehen wirtschaftsstarke Regionen tendenziell gut qualifizierte Migranten an, denen die Integration ohnehin leichter fällt.
WAS NOCH ZU TUN IST
Dass es notwendig ist, die in Deutschland lebenden Migranten besser zu integrieren, ist heute nicht mehr umstritten. Auch die wichtigsten Instrumente dafür, wie Bildung, Anerkennung von Berufsabschlüssen und Erleichterung der Einbürgerung, sind bekannt. Dennoch scheitern diese Erkenntnisse noch immer an der Umsetzung. Daher folgen hier – auf den Punkt gebracht – noch einmal die wichtigsten Schritte für eine gelungene Integration:
Um jene kümmern, die besonderen Bedarf haben
## Obwohl die Zuwanderung der letzten Jahre stärker denn je durch hochqualifizierte Migranten geprägt ist, kommen noch immer Menschen ohne oder mit einem niedrigen Bildungsabschluss nach Deutschland. Ihnen muss frühzeitig Unterstützung angeboten werden, um den Weg in die deutsche Gesellschaft und einen sozialen Aufstieg zu erleichtern. Durch Bildung früh die richtigen Weichen stellen ## Auch wenn Bildung nicht alle Integrationshürden abbauen kann: Ohne Bildung ist eine gleichwertige Teilhabe an der Gesellschaft kaum möglich. Daher müssen sich schon die frühkindlichen Bildungsangebote auf die Förderung von Kindern aus Familien mit bildungsfernen, sozial schwachen und zugewanderten Elternteilen konzentrieren. Dazu sind mehr und besser ausgebildete Erzieher und Lehrkräfte notwendig, die im Umgang mit Kindern unterschiedlicher Herkunft geschult sind.
## Die Erfahrung zeigt, dass erfolgreiche Bildungsarbeit im Elternhaus beginnt. Gerade Eltern aus bildungsfernen Haushalten haben oft Schwierigkeiten, ihre Kinder beim Lernen zu unterstützen, und sollten stärker eingebunden werden. Zudem müssen über Kinder und Jungendliche diejenigen Eltern angesprochen werden, die sich bei Integrationsschwierigkeiten eher in den privaten Bereich zurückziehen und dort nur schwer von klassischen Unterstützungsangeboten erreicht werden. Kindergärten und Schulen sollten daher verstärkt zu Familienbildungsstätten ausgebaut werden.
## Das durch den Föderalismus stark zerklüftete deutsche Bildungssystem ist schon für Einheimische schwer zu durchschauen. Ein bundesweit einheitlicheres Bildungssystem würde es auch Migranten erleichtern, den größten Nutzen daraus zu ziehen.
Arbeitsmarkt weiter öffnen ## Das neue Anerkennungsgesetz, das im Ausland erworbene Abschlüsse auch hierzulande würdigt, ist zwar ein wichtiger Baustein, um Migranten den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. Doch die Umsetzung auf Landesebene läuft noch immer schleppend. Das zeigt das Beispiel vieler hochqualifizierter Migranten, die unter ihren Möglichkeiten beschäftigt sind.
## Die „Blaue Karte EU“ ist ein wichtiger Schritt dahin, auch gut Qualifizierten aus Drittstaaten die Zuwanderung zu erleichtern. Doch die Hürden sind noch immer relativ hoch. Entsprechend gering ist bisher die Nachfrage nach der Blauen Karte. Um sie zu erhöhen, wären Anwerbeplattformen in den Herkunftsländern notwendig, wie sie etwa das Einwanderungsland Kanada betreibt. …
Kohärente Politik betreiben ## Das neue Staatsbürgerschaftsrecht lässt eine Mehrstaatlichkeit nur für bestimmte Länder zu und sendet ein falsches Signal an potenzielle Zuwanderer. Jeder, der die Grundvoraussetzungen für den Erhalt einer deutschen Staatsbürgerschaft erfüllt, sollte diese auch ohne Verlust seines ursprünglichen Passes erhalten können. …
## In Zeiten des demografischen Wandels sind Migration und Integration von grundlegender Bedeutung für Deutschland. Eine
Umlegung des Politikbereichs Integration aus dem von Sicherheitsinteressen geleiteten Innenministerium in das Arbeits- oder Wirtschaftsministerium würde innen- wie außenpoltisch die richtigen Akzente setzen.
## Ohne Datenerhebung keine Erkenntnisse und ohne Zielsetzungen keine Ergebnisse. Zwar gibt es zahlreiche Studien, die sich mit Fragen der Integration beschäftigen, aber insgesamt mangelt es an einer ergebnisorientierten Auswertung. Diese Analyse wäre notwendig, um Schwachstellen, aber auch Erfolge bei der Integration aufzudecken und gezielter als bisher die Zuwanderungs- und Integrationspolitik zu verbessern. „
Autoren der Studie:
Franziska Woellert, Wissenschaftliche Mitabeiterin am Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung
Dr. Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Die Studie in vollem Textumfang entnehmen Sie aufgeführtem Link.

www.berlin-institut.org/newsletter/173_03_Juni_2014.html#Artikel0
http://www.berlin-institut.org/publikationen/studien/neue-potenziale.html

Quelle: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

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