In Hamburg wurden im März 2018 Obdachlose, auf der Straße lebende Menschen sowie wohnungslose, öffentlich-rechtlich untergebrachte Personen befragt. Die aus der Befragung erkennbaren Bedarfe sollen die Grundlage bilden für eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung bestehender Hilfestrukturen. Die Befragung bestätigte, dass die Handlungsstrategien zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit und zur Bekämpfung von Obdachlosigkeit für die verschiedenen Zielgruppen zu differenzieren sind. Nach 1996, 2002 und 2009 wurden zum vierten Mal in Hamburg obdachlose, auf der Straße lebende Menschen befragt. Die Ergebnisse geben auch Auskunft über Wege in die Wohnungslosigkeit: z.B. durch fristlose Kündigung, Aufgabe/Verlust der Mitwohnmöglichkeit, Aufgabe/Auszug aus einer Einrichtung der Jugendhilfe. Als „inhaltliche“ Auslöser konnten identifiziert werden: z.B. Arbeitsplatzverlust, Streit/Konflikte/Probleme mit Partner/-in, Familienangehörigen etc.

Anstieg der Wohnungslosigkeit in Hamburg

Diese Untersuchung hat im Vergleich zu 2009 einen sehr starken Anstieg der Obdachlosigkeit festgestellt. Auch die Zahl der wohnungslosen Menschen in der öffentlich-rechtlichen Unterbringung ist seit dem Jahr 2015 sehr stark angestiegen. Zusammen mit den in Wohnprojekten untergebrachten wohnungslosen Menschen gab es zum Befragungszeitpunkt insgesamt 6.576 wohnungslose Personen (einschließlich der 1.910 mit dieser Untersuchung erfassten obdachlosen Menschen) in Hamburg. Die Ergebnisse zeigen, dass es gegenüber früheren Untersuchungen dieser Art zu noch deutlicheren, hauptsächlich mit der Zuwanderung verbundenen Veränderungen bei der Zusammensetzung der Personengruppe kam und dass sich damit auch die jeweiligen Ursachen und Auslöser von Obdach- und Wohnungslosigkeit im Kontext dieser Veränderungen unterschiedlich darstellen. In der dritten Märzwoche 2018 wurden in Hamburg 1.910 auf der Straße lebende obdachlose Menschen angetroffen. Im Jahr 2009 waren es 1.029 obdachlose Menschen. Somit hat sich von 2009 zu 2018 die Mindestzahl der obdachlosen Menschen um absolut 881 Personen erhöht, was einer prozentualen Steigerung von 85,6% entspricht. Eine Erklärung für den Anstieg der absoluten Zahlen und des Anteilswertes obdachloser Menschen mit nicht deutscher Staatsangehörigkeit ist die Zuwanderung nach Hamburg. Diese spiegelt sich bereits in der veränderten Zusammensetzung der Bevölkerung von Hamburg wider, da Ende 2017 insgesamt 85.055 mehr Ausländer/-innen in Hamburg lebten als zum Jahresende 2009, was einer Steigerung um 25,7% entspricht.

Die Untersuchung hatte den Schwerpunkt „nicht deutsche obdach- und wohnungslose Menschen.“ Die Gesellschaft für Organisation und Entscheidung (GOE) Bielefeld hatte die Erhebung durchgeführt. Detaillierte Auskunft gibt der Auswertungsbericht.

Quelle: Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration – Hamburg