Junge Menschen erreichen – Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Jugendsozialarbeit gemeinsam gestalten

Der Klimawandel ist inzwischen allgegenwärtig. Vor allem Kinder und Jugendliche trifft die Klimakrise weltweit besonders schwer. Sie machen ca. ein Drittel der Weltbevölkerung aus und sind überproportional von den Folgen des Klimawandels betroffen (UNICEF, 2025).

Laut Zahlen der SOS-Kinderdörfer (2026) leiden mehr als ein Drittel aller Kinder (820 Millionen) unter starker Hitze. 570 Millionen Kindern sind weltweit Überschwemmungen ausgesetzt; in Deutschland zuletzt durch die Flutkatastrophe 2021 in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Auch bei nicht unmittelbarer Betroffenheit löst die Klimakrise bei vielen jungen Menschen Sorgen und Ängste aus. Das Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer (2025) gibt dazu konkrete Auskünfte: Ca. ein Drittel der Jugendlichen fühlen sich aufgrund von Sorgen über den Klimawandel beeinträchtigt, Aufgaben in der Schule, der Arbeit oder im Studium zu erledigen. 40 Prozent empfinden eine Belastung durch den Klimawandel im Alltag. Trotz bestehender Sorgen und Ängste geht das Interesse an Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz bei jungen Menschen seit 2021 aber deutlich zurück; von 40,6 Prozent (2021) zu aktuell 21,6 Prozent (2025). Beide Themenfelder gehören zwar immer noch zu den sogenannten Top-Themen, verlieren aber aufgrund anderer sozioökonomischer Themen wie der Demokratiekrise, Arbeitslosigkeit und Terrorismus/Krieg an Relevanz.

Wie ist es möglich, das Interesse junger Menschen wieder neu zu entfachen?

Die Sinus-Studie (2025) verdeutlicht, dass die Sorge um die eigene Gesundheit nicht unbedingt mit dem Interesse am Thema Klimawandel zusammenhängt, vor allem junge Menschen mit einem niedrigeren Bildungsstand sind in den meisten Belangen unterdurchschnittlich handlungsbereit wie beispielsweise mehr Radzufahren oder auf Fleischkonsum zu verzichten.

Die knapp 30 Teilnehmenden der Fachveranstaltung „Junge Menschen für Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsthemen begeistern“ vom 23.09.2026 beschäftigten sich mit der Frage, wie das Interesse junger Menschen wieder geweckt werden kann.

In dem fachlichen Input der Referentin Julia Barth der IKU_Die Dialog-Gestalter GmbH sind Ergebnisse aus dem Projekt des Umwelt Bundesamt „JuNast – Jugendengagement für Nachhaltigkeit stärken durch Dialog und transformatives Lernen“ aufgezeigt worden. Dabei sind Handlungsempfehlungen herausgearbeitet worden, um mit jungen Menschen über Nachhaltigkeits- und Klimaschutzthemen ins Gespräch zu kommen:

  • alternative Begriffe für „Nachhaltigkeit“ finden, Nachhaltigkeit als Querschnittthema etablieren
  • lebensweltorientiertes Arbeiten, die Zielgruppe verstehen, alltagsnah an Interessen anknüpfen, Nachhaltigkeit erlebbar machen
  • selbst Vorbild sein und nachhaltige Strukturen verankern
  • Beziehungsarbeit und Vertrauen als Basis für gemeinsame Aktivitäten und ein wertschätzendes Miteinander
  • Kooperationen schaffen einen Mehrwert, Austausch mit unterschiedlichen Akteur*innen fördern
  • kreative, interaktive Methoden zur Förderung der Selbstwirksamkeit nutzen

Im Rahmen der Fachveranstaltung hatten die Fachkräfte die Möglichkeit eine Methode aus dem JuNast-Projekt auszuprobieren. Der niederschwellige Zugang erfolgt über ein digitales Wimmelbild, das als Gesprächseinstieg für verschiedene Themenbereiche genutzt werden kann. Im dazugehörigen Begleitheft gibt es für die Fachkräfte ausführliche Beschreibungen, welche Themengebiete aufgegriffen werden können. Auch wenn die Methode auf den ersten Blick ungewöhnlich für den Jugendbereich erscheint, erzeugte dieser methodische Zugang im Rahmen des Projektes in der Arbeit mit Jugendlichen deutlich positive Resonanz.

Weitere konkrete Methoden und Handlungsempfehlungen sind im Praxishandbuch des Projektes nachzulesen.

Die Rolle der Jugendsozialarbeit

In dem interaktiven Austausch mit den Fachkräften wurden weitere Best-Practice-Beispiele geteilt. Einige Fachkräfte berichteten von trägerinternen und übergreifenden Arbeitsgruppen, um den fachlichen Austausch unter Kolleg*innen zu fördern. Andere organisieren praxisnahe Angebote wie gemeinsame Kochkurse an, um mit den jungen Menschen über Nachhaltigkeits- und Klimaschutzthemen in Austausch zu kommen.

Die Veranstaltung hat verdeutlicht, dass die Jugendsozialarbeit besondere Voraussetzungen mitbringt, um junge Menschen für Klimaschutz zu erreichen. Dabei ist nicht die bloße Wissensvermittlung entscheidend, sondern vor allem die Beziehungsarbeit, Lebensweltorientierung und der Möglichkeit, auch niedrigschwellige Beteiligungsräume zu schaffen.

Dabei sollte Klimaschutz nicht als zusätzliche Aufgabe verstanden werden, die neben den bestehenden Anforderungen der Jugendsozialarbeit bewältigt werden muss. Vielmehr bietet das Thema Möglichkeiten, bestehende pädagogische Ansätze, um eine wichtige Zukunftsperspektive zu erweitern.

Für die Praxis bedeutet dies, Klimaschutz dort aufzugreifen, wo junge Menschen ohnehin zusammenkommen und wo Vertrauen und Beziehungen bestehen. Entscheidend ist dabei eine Ansprache, die nicht belehrt, sondern Interesse weckt und Beteiligung ermöglicht. Klimaschutz beginnt dort, wo junge Menschen erleben, dass ihre Stimme zählt und ihr Handeln etwas bewirken kann.

Text: Lynn Kriegs, Referentin und Projektleitung „Schule – ohne mich!?“ bei IN VIA Deutschland e.V. im Netzwerk der BAG KJS

Quellen:

Möller-Slawinski, H.; Weller, D. (2025): SINUS-Jugendforschung. Ergebnisse einer Repräsentativ-Umfrage unter Jugendlichen 2025/2026. Heidelberg: Bramer.

Kress, D. (2025): Nachhaltigkeitsbarometer 2025. Sozioökonomische Themen gewinnen die Oberhand – wir müssen eure Fehler ausbaden!. Greenpeace e.V.

SOS-Kinderdörfer (2025): Klima und Umwelt Klimaschutz ist Kinderschutz – wie sich die SOS-Kinderdörfer weltweit engagieren. Abgerufen am 27.08.2026. Verfügbar unter www.sos-kinderdoerfer.de/

UNICEF (2025): Kinderrechte in der internationalen Klimapolitik stärken Forderungen anlässlich der 30. Weltklimakonferenz.

 

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