Das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) hat im Februar seinen Bericht zur InRa-Studie „Institutionen & Rassismus“ vorgelegt. Er liefert Erkenntnisse darüber, wie rassistische Strukturen in staatlichen Behörden wirken. Aus der Perspektive junger Menschen unter 27 Jahren sind die Ergebnisse bedeutend. Messbarer Rassismus in staatlichen Institutionen prägt ihre Lebenswelt durch diskriminierende institutionelle Abläufe.
Die Studie arbeitet heraus, dass sprachliche Gewalt, so genannte Mikroaggressionen (abwertende Wortwahl, Blicke und Gesten) bis hin zu gewaltvollen körperlichen Übergriffen in den untersuchten Institutionen vorkommen. Untersucht wurden untere anderem die Bundespolizei, die Bundesagentur für Arbeit, der Zoll und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im Rahmen einer Beschäftigtenbefragung. Die Forschenden haben in ihrem Bericht unter anderem aufgezeigt, dass oftmals deutsche Staatsbürger*innen als Ausländer*innen adressiert werden, wenn sie ausländisch gelesen werden können. Es gibt Vorurteile und Stereotypisierung, soziale Gruppen werden mit pauschalisierten Eigenschaften versehen („die Syrer“, die „Ukrainer“ etc.). Vor allem junge Männer aus dem arabischen Raum werden häufig als ungebildet abgestempelt. Eine weitere Erkenntnis des Berichts: Negative Berichterstattung und einwanderungsfeindliche Stimmung wirkt sich auf behördliches Handeln aus.
Subtile Herabsetzung
Junge Menschen erleben Rassismus in Institutionen oft nicht als offene Anfeindung, sondern als subtile Herabsetzung, die in Routinen eingebettet ist. Kinder und Jugendliche berichten, dass sie aufgrund ihres Namens oder Aussehens in der Schule oft vorverurteilt werden. Vor allem junge Männer, denen Einwanderungsbezug zugeschrieben wird, erfahren überproportional häufig Kontrollen, die als Racial Profiling wahrgenommen werden. Dies führt zu einem frühen Gefühl des Generalverdachts. In Jugendämtern oder Jobcentern erleben junge Menschen oft Misstrauen und eine „ungleiche Behandlung“ je nach Herkunft, etwa im Vergleich zwischen verschiedenen Geflüchtetengruppen.
Rassismus wirkt auf Identitätsbildung
Der strukturelle Rassismus wirkt tief in die Identitätsbildung und die Zukunftschancen junger Menschen hinein. Wiederholte Diskriminierungserfahrungen in Behörden schwächen nachhaltig das Vertrauen in den Rechtsstaat und die demokratische Legitimation, heißt es im Bericht. Durch sprachliche und bürokratische Hürden in Institutionen wird jungen Menschen oftmals der Zugang zu Ressourcen erschwert, etwa zur Nachhilfe, zu Sportangeboten oder sogar zu Ausbildungsplätzen. Langfristig wird bei den betroffenen jungen Menschen Ungleichbehandlung als normaler Teil der Lebensrealität verinnerlicht, wenn Rassismus in den „Routinen“ der Institutionen steckt, die Kinder täglich erfahren.
Aufgaben der Jugendsozialarbeit
Die InRa-Studie kann Fachkräften der Jugendsozialarbeit Hinweise geben, weil sie die täglichen Barrieren wissenschaftlich belegt, die viele junge Menschen im Kontakt mit staatlichen Stellen erleben. Daraus ergeben sich Aufgaben für die Fachkräfte der Jugendsozialarbeit: Die Studie zeigt etwa, dass unabhängige und niedrigschwellige Beschwerdewege fehlen. Jugendsozialarbeiter*innen sind gefordert, geschützte Räume für die Meldung von Vorfällen zu schaffen. Jugendsozialarbeiter*innen können als „Brückenbauer*innen“ dienen und junge Menschen darin unterstützen, ihre Rechte gegenüber diskriminierenden Behördenstrukturen durchzusetzen. Die Ergebnisse stützen außerdem den Bedarf an verbindlichen Antirassismus-Strategien und verpflichtenden Fortbildungen, um die Demokratieresilienz junger Menschen zu stärken.
Die Studie mahnt zur kritischen Überprüfung von Stereotypen und empfiehlt eine rassismuskritische Reflexion sowie Leitbilder, Kontrollinstanzen, Aktionspläne und Fortbildungen – sowohl in den Behörden wie in Organisationen und Verbänden.



