Jacobsweg, Französische Pyrenäen. Foto: Roberta Cortella, 2018

Die alte Tradition des Pilgerns wird seit einigen Jahren in mehreren europäischen Ländern als moderne Methode der sozialen Arbeit wiederentdeckt und erprobt. Seit 2002 gehen straffällige und benachteiligte Jugendliche in Belgien und Frankreich begleitet von Ehrenamtlichen für mehrere Monate auf dem Jacobsweg. Damit erfüllen sie richterliche Weisungen und bekommen zudem die Möglichkeit, das eigene Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. In Deutschland werden seit 2011 von der Sächsischen Jugendstiftung stark verdichtete Projekte ebenfalls auf dem historischen Pilgerweg entwickelt. Hier gehen jeweils bis zu acht junge Menschen als spezielle Form des „Sozialen Trainingskurses“ (§10 JGG) in Begleitung eines Sozialpädagogen für eine Woche auf dem Jacobsweg und absolvieren zusätzlich Arbeitsaufträge und pädagogische Einheiten. Auch dem liegt eine richterliche Weisung oder Abordnung z.B. durch das Jobcenter zugrunde.

Erfolgreicher Abschluss des Pilotprojekts

Unter Leitung der Fachhochschule Dresden (FHD) wurden die drei Projekte jetzt ausführlich dokumentiert und zwei Partner in Italien beim Aufbau ähnlicher Konzepte unterstützt. Inzwischen können umfangreiche Dokumentationen und ein Film in insgesamt fünf europäischen Sprachen über die Projektwebseite abgerufen werden. Ziel der Arbeit ist die Vernetzung der Projekte und die Unterstützung ähnlicher Initiativen in ganz Europa. Zu den wichtigsten Ergebnissen des europäischen Projektes gehören unter anderem eine ausführliche Darstellung der Projekte und ihrer durchaus unterschiedlichen Herangehensweisen. Allen Projekten gemeinsam ist, dass ca. 90 Prozent der teilnehmenden jungen Menschen das Pilgerprojekt erfolgreich abschließen und erste Studien deuten auch auf eine erfolgreiche Langzeitwirkung der Projekte für die einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer hin. Bisher haben in Sachsen rund 500 und in Belgien und Frankreich gut 1.000 junge Menschen an dem Projekt teilnehmen können.

Vernetzung erwünscht

Die Ergebnisse werden am Donnerstag, den 27. September 2018 auf einer Abschlusstagung in Brüssel vorgestellt und am Freitag, den 28. September besteht beim belgischen Projektpartner ALBA in Leuven die Möglichkeit zu individueller Beratung für ähnliche Projektinitiativen.

Im Rahmen der Vernetzung sind Initiativen, die ähnliche Projekte durchführen und planen zur Teilnahme an einer europaweiten Umfrage eingeladen, auf deren Grundlage eine Projektübersicht entstehen wird: https://www.soscisurvey.de/BAresearch/?r=NL.

Umfangreiche Materialien und das Tagungsprogramm können auf der Projektwebseite abgerufen werden: http://www.betweenages-project.eu/

Kontakt und Quelle: Dipl.-Soz. Karsten König, Fachhochschule Dresden (FHD), k.koenig@fh-dresden.eu Fon: +49 351 4445 – 436