Sonderauswertung des Mikrozensus: Ein Fünftel der Arbeitnehmer*innen in atypischer Beschäftigung

In Deutschland ist jedes fünfte Arbeitsverhältnis atypisch, also etwa in Teilzeit oder mit befristetem Vertrag. Das ergab eine Sonderauswertung des Mikrozensus 2020, die den „Jugendsozialarbeit News“ vorliegt. Das Statistische Bundesamt hat rund sieben Millionen Menschen ermittelt, die in Deutschland in sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten. Das sind 20,9 Prozent der insgesamt 33,4 Millionen abhängig Beschäftigten.

Atypisch arbeiten? Für sieben Millionen die Regel

Den größten Anteil unter den atypischen Beschäftigungsverhältnissen machen Teilzeit-Beschäftigte aus, die nur bis zu 20 Wochenstunden arbeiten (4,4 Millionen). Darauf folgen Arbeitnehmer*innen in befristeten Beschäftigungsverhältnissen (2,1 Millionen), geringfügig Beschäftigte (Minijobs; 1,9 Millionen) sowie Zeitarbeitnehmer*innen (641.000). 

 Atypische Beschäftigung bedeutet häufig unsichere Arbeit für niedrige Löhne. Der DGB kritisiert atypische Beschäftigung auch als eine Arbeit „ganz ohne ausreichende soziale Absicherung“. In der Corona-Pandemie gingen unzählige Minijobs verloren. Die Beschäftigten hatten keinen Anspruch auf Kurzarbeiter- oder Arbeitslosengeld.  

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit hat im Rahmen ihrer Initiative zur Bekämpfung von Jugendarmut mehrfach auf das Risiko atypischer Beschäftigung hingewiesen. Insbesondere in der Leiharbeit sind junge Männer beschäftigt, die vermehrt über keinen Berufsabschluss verfügen. Leiharbeiter*innen arbeiten häufiger in Tätigkeiten mit einem niedrigen Anforderungsniveau, oft üben sie nur Hilfstätigkeiten aus. Zudem besteht in der Zeitarbeitsbranche ein überdurchschnittliches Risiko, aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung heraus arbeitslos zu werden. Atypische Beschäftigung ist keine Alternative zu einem sogenannten Normalarbeitsverhältnis, stellt die BAG KJS bereits in ihrem Monitor “Jugendarmut in Deutschland 2016” fest. 

 Quelle: Statistisches Bundesamt; Linksfraktion im Deutschen Bundestag; DGB, BAG KJS 

Ähnliche Artikel

Fachbeitrag: Schule – ohne mich?!

Immer wieder kursieren in der medialen Berichterstattung Meldungen zur steigenden Anzahl von Schulschwänzer*innen und unentschuldigten Fehlstunden. Was hat es damit auf sich und wie lässt

Befragung zum Startchancen-Programm

Am 1. August 2025 hat das zweite Umsetzungsjahr der Bund-Länder-Initiative „Startchancen-Programm“ gestartet. Mithilfe einer Umfrage möchte der Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit (KV JSA) nähere Informationen über die

Deutscher Kinder- und Jugendhilfepreis 2026

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ hat den Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreis 2026 – Hermine-Albers-Preis in den Kategorien Praxispreis, Medienpreis sowie Theorie- und

Skip to content