Schulabsentismus und gebrochene Bildungsbiographien dürfen keine bloße Statistik sein

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Bildungschancen sind Lebenschancen – dieser einfache Satz mag wie eine Binse klingen. Doch wie so oft bei vermeintlichen Binsen, muss man sagen: Der Satz wurde schon so oft gesagt, weil er wahr ist. Die Corona-Krise und die damit einhergehenden Schulschließungen haben wie unter einem Brennglas deutlich gemacht, was Schule, was Bildung bedeutet. Und zwar nicht nur für die Eltern, sondern vor allem für die Kinder und Jugendlichen. Bildung ist viel mehr als Faktenwissen. Bildung ist viel mehr als Noten. Bildungschancen sind Lebenschancen. Während der Wochen des Lock-Downs ist, zu Recht, viel darüber diskutiert worden, wie sehr unsere Schulen von der Notwendigkeit digitalen Unterrichts „kalt erwischt“ wurden. Es wurde viel darüber geredet, wie sich der sozio-ökonomische Hintergrund von Schülerinnen und Schülern auf Bildungschancen im Allgemeinen und auf Lernbegleitung zu Hause auswirkt – ebenfalls zu Recht, findet der FDP-Abgeordnete Matthias Seestern-Pauly.  Doch Pauly macht eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen sorgen, die nicht erst seit Corona „hinten runterfällt“: Schülerinnen und Schüler, die dem Unterricht fernbleiben oder den Schulbesuch sogar ganz verweigern. Für die Jugendsozialarbeit News bezieht der FDP-Politiker Position. Er macht unmissverständlich deutlich, warum es eine solide Datenschutzbasis braucht. Denn auf deren Grundlage können Fachkräfte eigene Konzepte überprüfen und weiterentwickeln.

In ihrer Antwort auf meine Kleine Anfrage aus dem März diesen Jahres offenbart die Bundesregierung: Schulabsentismus ist auf Bundesebene „Neuland“ (Bundestagsdrucksache 19/18211). Zum Thema Schulabsentismus liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor. Auch scheint die Bundesregierung diese Wissenslücke nicht schließen zu wollen: Es seien keine Forschungsvorhaben zu dem Thema bekannt, in der Durchführung oder in Planung.

Dabei ist eine wissenschaftlich fundierte Datenbasis dringend notwendig. Viele engagierte Fachkräfte begleiten überall in Deutschland im Rahmen der Jugendsozialarbeit Schülerinnen und Schüler, um sie wieder zu einem geregelten Schulbesuch zurückzuführen. Das ist enorm wichtig und diesen Fachkräften gebührt unser Dank. Denn hinter jedem Fall von Schulabsentismus oder Schulverweigerung steht ein individueller Lebensweg.

Dennoch ist aus meiner Sicht klar: Wenn wir das Phänomen des Schulabsentismus ernst nehmen, wenn wir den vielen engagierten Fachkräften strukturelle Unterstützung bei der Ermöglichung von Bildungs- und damit Lebenschancen geben wollen, dann brauchen wir wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Ursachen und Formen von Schulabsentismus. Wir brauchen Erkenntnisse über wirksame Strategien und Maßnahmen aus der Praxis. Sicherlich ist es richtig, dass die Antworten auf Schulabsentismus so vielfältig, wie die dahinterstehenden Biographien sind. Das bedeutet aber im Umkehrschluss nicht, dass die Fachkräfte der Jugendsozialarbeit alleine gelassen und im „luftleeren Raum“ arbeiten müssen.

Daher fordern wir Freien Demokraten, dass die Bundesregierung endlich entsprechende Studien in Auftrag gibt, um eine belastbare Datenbasis zum Schulabsentismus zu schaffen (Bundestagsdrucksache 19/19079). Die Expertinnen und Experten der Jugendsozialarbeit können dann auf dieser Basis eigene Konzepte reflektieren, neue Maßnahmen entwerfen und so die vielfältigen bestehenden Ansätze verbessern und weiterentwickeln.

Schulabsentismus und gebrochene Bildungsbiographien dürfen keine bloße Statistik sein. Für die Betroffenen haben die Folgen Auswirkungen auf den gesamten Lebensweg. Lassen Sie uns daher gemeinsam weiter daran arbeiten, dass Bildung für alle Kinder und Jugendliche zu dem wird was es ist: Die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben in Gemeinschaft und Verantwortung.

Quelle: Matthias Seestern-Pauly; MdB FDP

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