Die von Bundesministerin Karin Prien vorgestellte „Qualifizierungsoffensive Berufliche Bildung (QBB)“ ist ein wichtiges Signal für die Stärkung der beruflichen Bildung in Deutschland. Angesichts von Nachwuchs- und Fachkräftemangel, Transformation und Digitalisierung rückt das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) die berufliche Bildung entlang der gesamten Bildungskette in den Fokus. Aus Sicht der Jugendsozialarbeit sieht IN VIA Deutschland, Mitglied bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS), jedoch weiteren Handlungsbedarf.
Es braucht mehr als eine verbesserte Berufsorientierung
Neben Informationen und Praktika zur Berufsorientierung brauchen junge Menschen eine kontinuierliche, verlässliche Begleitung. Die Jugendsozialarbeit kann junge Menschen in diesen Prozessen begleiten. Die Weiterentwicklung der Berufseinstiegsbegleitung nach § 49 SGB III – derzeit nur noch in wenigen Bundesländern umgesetzt – ist deshalb ein zentraler Ansatzpunkt. Jedoch muss dieses Angebot flexibel ausgestattet und konsequent an den Bedarfen der jungen Menschen ausgerichtet sein – und nicht umgekehrt.
Ausbildungsgarantie muss mit Übergangscoaching ergänzt werden
Der Übergang von der Schule in Ausbildung oder Beruf ist für viele junge Menschen besonders risikobehaftet. Deshalb braucht die Ausbildungsgarantie eine verbindliche Ergänzung durch ein sozialpädagogisches Übergangscoaching, das bereits in der Schule ansetzt. Sozialpädagogische Fachkräfte begleiten die Jugendlichen individuell und bedarfsorientiert, entwickeln mit ihnen konkrete berufliche Perspektiven und unterstützen sie je nach Bedarf auch während der Ausbildung. Berufliche Orientierung bedeutet mehr als Information: Sie braucht Vertrauen, Zeit und stabile Bezugspersonen. Die Berufseinstiegsbegleitung könnte hier wegweisend sein – vorausgesetzt, sie ist flexibel und konsequent an den Bedarfen der jungen Menschen ausgerichtet
Das Berufsbildungssystem weiterentwickeln
Um allen jungen Menschen eine echte Chance auf eine Ausbildung zu eröffnen, braucht es perspektivisch eine Weiterentwicklung des Übergangssystems und einen inklusiver ausgerichteten Instrumentenkasten im SGB III. Die bestehenden Förderstrukturen leisten viel, stoßen jedoch dort an Grenzen, wo individuelle Lebenslagen flexible und längerfristige Unterstützung erfordern. Standardisierte Programme und administrative Anforderungen erschweren es Fachkräften der Jugendsozialarbeit oft, passgenau auf einzelne Bedarfe der jungen Menschen einzugehen. Vielmehr sind verlässliche, finanziell abgesicherte Rahmenbedingungen notwendig, die ausreichend Ressourcen für Beziehungsarbeit und flexible Fördermöglichkeiten ermöglichen. Ein zukunftsfähiges Berufsbildungssystem zeichnet sich dadurch aus, dass es sich an den Bedarfen der jungen Menschen orientiert – und nicht umgekehrt.
Ausbildungsbetriebe einbinden: Chancen für junge Menschen eröffnen
Ausbildungsbetriebe sind zu ermuntern und gefordert, bei der Suche nach Auszubildenden Jugendliche aus der Zielgruppe der Jugendsozialarbeit in den Blick zu nehmen. Gerade hier schlummern Potenziale, die mit der passenden Begleitung erfolgreich erschlossen werden können. Die bestehenden Förderinstrumente des SGB III – etwa Einstiegsqualifizierung oder Assistierte Ausbildung – bieten dafür konkrete Ansatzpunkte. Entscheidend ist daher, diese Angebote bekannter zu machen, bürokratische Hürden zu reduzieren und vor allem ihre Finanzierung verlässlich abzusichern. Doch auch hier muss gelten: Die Rahmenbedingungen der Förderung müssen sich an den Bedarfen der jungen Menschen orientieren, damit die Angebote der Jugendsozialarbeit Betriebe wirkungsvoll dabei unterstützen können, junge Menschen gezielt zu fördern und ihnen einen erfolgreichen Einstieg in Ausbildung und Beruf zu ermöglichen.
Autorin: Susanne Nowak (Bundesreferentin bei IN VIA Deutschland e. V. im Netzwerk der BAG KJS)



