Nur wenige Kinder schaffen einen sozialen Aufstieg

In Deutschland kann es sechs Generationen dauern, bis die Nachkommen einer einkommensschwachen Familie das Durchschnittseinkommen erreichen, heißt es in einer neuen OECD-Studie. In Dänemark seien es nur zwei Generationen, in den übrigen skandinavischen Ländern drei Generationen. In der Analyse vergleichen Ökonomen der Industrieländer-Organisation OECD die soziale Mobilität in 30 Industrie- und Schwellenländern. Der soziale  Aufstieg in Deutschland schwieriger geworden. Im gesamten OECD-Raum sei „die soziale Mobilität ins Stocken geraten“, so die Forscher.

Soziale, wirtschaftliche und politische Konsequenzen

Wenn es Menschen am unteren Ende der Einkommensverteilung nicht mehr nach oben schaffen können, kann dies schwerwiegende soziale, wirtschaftliche und politische Konsequenzen haben. Dies geht aus dem OECD-Bericht „A Broken Social Elevator? How to Promote Social Mobility“ hervor.

In den 30 betrachteten OECD-Staaten wird jedes dritte Kind, dessen Vater Geringverdiener ist, ebenfalls Geringverdiener. In Deutschland sind es sogar 42 Prozent. Bei den Gewinnern beschränkten sich die Aufstiegsmöglichkeiten hauptsächlich auf die nächsthöhere Einkommensgruppe. Während für viele Menschen, die zwischen 1955 und 1975 geboren wurden und deren Eltern einen geringen formalen Bildungsstand hatten, noch ein hohes Maß an Einkommensmobilität eine Realität war, stagniert diese für die nach 1975 Geborenen.

In einem Zeitraum von vier Jahren schaffen es 60 Prozent der Menschen in der Einkommensgruppe der unteren 20 Prozent nicht, in eine höhere Einkommensgruppe zu gelangen. Gleichzeitig verbleiben 70 Prozent der Menschen in den oberen 20 Prozent in dieser Einkommensgruppe – in Deutschland ist dieser Anteil von 68% in den 1990er Jahren auf nun 74% gestiegen. In den Haushalten der Mittelschicht fiel jeder siebte, und in den Haushalten nah an den unteren 20 Prozent jeder fünfte in die unteren 20 Prozent.

Soziale Mobilität erhöhen

Um die sozialen Aufstiegschancen zu erhöhen, empfiehlt die OECD den Ländern, ihre Investitionen in Bildung zu erhöhen;  insbesondere in jungen Jahren. Zudem sollten Politikmaßnahmen in den Bereichen Gesundheit und Familien ergriffen werden, die gerechtere Bedingungen für benachteiligte Kinder schaffen, damit sich die Auswirkungen finanzieller Ungleichheiten in Zukunft abschwächen.

Darüber hinaus mahnt die OECD einen guten Zugang zu bezahlbarem Wohnraum, öffentlichen Verkehrsmitteln und eine verbesserte Stadtplanung an.

Quelle: OECD; epd

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