Niedriglohn-Sektor: Vor allem junge Menschen sind betroffen

2021 verdienten rund vier Millionen Beschäftigte weniger als zwei Drittel des mittleren monatlichen Bruttoarbeitsentgelts von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende). Bundesweit liegt bei mehr als jedem sechsten sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten (18,1 Prozent) der Lohn unter der Niedriglohnschwelle. Der Anteil, der vom Niedriglohn Betroffenen ist gegenüber den Vorjahren nur leicht gesunken, stellt die Arbeitsmarktpolitikerin Susanne Ferschl (Die Linke) in einer Auswertung von Datenmaterial fest, dass ihr die Bundesregierung zur Verfügung gestellt hatte. Ferschl und die Linke Bundestagsfraktion wollten von der Regierung wissen, wie viele Menschen mit Niedriglöhnen vergütet werden. Ein Ergebnis: Überdurchschnittlich arbeiten junge Menschen zu Niedriglöhnen. Die Unterscheidung zwischen jüngeren und älteren Beschäftigten zeigt: Jüngere (unter 25 Jahre) sind am stärksten betroffen (insgesamt: 18,1 Prozent; unter 25 Jahren: 37,6 Prozent; 25 bis 50 Jahre: 17,3 Prozent). Die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e. V. musste bereits in ihrem Monitor „Jugendarmut in Deutschland 2016“ feststellen, dass 48 % der Leiharbeiter*innen unter 35 Jahren sind. Dabei waren unter allen Beschäftigen in Deutschland nur 33 % unter 35. Die aktuellen Zahlen der Regierung bestätigen, dass junge Menschen, insbesondere ohne Berufsabschluss oder ohne deutschen Pass, ein hohes Risiko tragen, im Niedriglohn-Sektor zu landen.

Niedriglohn – Unterschiede nach Regionen und Branchen

Die Antwort der Bundesregierung zeigt, dass besonders Branchen wie die Gastronomie, das Personal in privaten Haushalten, Angestellte in Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei und sogenannte sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen betroffen sind. Frauen (24,5 Prozent) und Menschen mit ausländischem Pass (35,6 Prozent) sind besonders häufig zum Niedriglohn tätige Personengruppen. Differenziert man nach Regionen, sind es besonders viele Menschen in Ostdeutschland (27,5 Prozent). 

Das Niedriglohn-Risiko ist ohne Berufsabschluss besonders hoch

Die Unterscheidung nach Berufsabschlüssen zeigt: Für Menschen ohne Berufsabschluss besteht ein sehr großes Risiko im Niedriglohn-Sektor Beschäftigung zu finden. Menschen ohne Berufsabschluss sind mit 40,8 % am stärksten betroffen. Personen mit anerkanntem Berufsabschluss arbeiten nur noch zu 17 % im Niedriglohn-Sektor; bei akademischer Bildung sind es lediglich 4,8 Prozent). 

Quelle: Bundestagsfraktion Die Linke; Pressedienst des Deutschen Bundestages; BAG KJS 

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