Die verfügbaren Einkommen der Personen in privaten Haushalten sind in Deutschland im Durchschnitt und für die meisten Einkommensklassen gestiegen – Die Einkommen bei den 20 Prozent der Personen mit den niedrigsten Einkommen allerdings nicht. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis der letzten verfügbaren Daten der Längsschnittstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP).

Bei den zehn Prozent der Personen mit den niedrigsten Einkommen, die monatlich im Durchschnitt real über rund 640 Euro verfügen, waren die Einkommen im Vergleich zum Jahr 1991 rückläufig; in der darüber liegenden Einkommensklasse haben sie stagniert. Bei weitem haben nicht alle von der positiven Einkommensentwicklung, die in den letzten Jahren im Wesentlichen dank der boomenden Wirtschaft und dem Rückgang der Arbeitslosigkeit stattgefunden hat, profitiert.

Höherer Anteil von Personen mit niedrigen Einkommen

Im Jahr 2015 lag auf Basis von SOEP-Daten die Armutsrisikoschwelle, definiert als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median), bei einem verfügbaren Nettohaushaltseinkommen von 1.090 Euro für einen Einpersonenhaushalt und die Armutsrisikoquote, also der Anteil der Bevölkerung, deren Einkommen unter dieser Schwelle liegt, bei 16,8 Prozent. In den 1990er Jahren betrug diese Quote noch elf Prozent, im Jahr 2014 knapp 16 Prozent. Ein relevanter Teil des Anstiegs, den die Armutsrisikoquote vor allem seit dem Jahr 2010 verzeichnete, führen die Autoren der Studie auch auf die Zuwanderung zurück.

Höheres Armutsrisiko bei Menschen mit Migrationshintergrund

Personen mit direktem Migrationshintergrund hatten im Jahr 2015 eine Armutsrisikoquote von 29 Prozent, Personen mit indirektem Migrationshintergrund (von denen mindestens ein Elternteil zugewandert ist) von 25 Prozent. In diesen Zahlen sind die Menschen, die erst im Jahr 2015 und später nach Deutschland zugewandert sind, noch nicht enthalten. Von den Personen ohne Migrationshintergrund waren im Jahr 2015 weitaus weniger, nämlich 13 Prozent, von Armut gefährdet, im Vergleich zu zwölf Prozent im Jahr 2005 und rund zehn Prozent Mitte der 1990er Jahre.

Wohnen zur Miete – neues Armutsrisiko?

Die Autoren Jan Goebel  und Markus Grabka weisen auch darauf hin, , dass es für viele Haushalte vor dem Hintergrund mancherorts rasant steigender Mieten zunehmend schwierig sein dürfte, ihre Wohnkosten zu bestreiten. „Auf der einen Seite gibt es immer mehr Haushalte, die es sich leisten können, in eine eigene Immobilie zu ziehen oder die eine erben, auf der anderen Seite wird ein zunehmender Teil der Haushalte mit geringen Einkommen mit stark steigenden Mieten konfrontiert“, fasst Markus Grabka zusammen. „Gleichzeitig sind gerade einkommensschwache Mieterinnen und Mieter zunehmend mit dem Problem konfrontiert, bezahlbaren Wohnraum zu finden.“

Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)