Die berufliche Bildung erhält dieses Jahr auf der bundespolitischen Bühne besondere Aufmerksamkeit: Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) feiert 50-jähriges Jubiläum und soll reformiert werden. Der Deutsche Bundestag berät über diverse Initiativen zur Modernisierung der Berufsbildung und hat eine Enquete-Kommission für “berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt” eingesetzt. Der FDP Abgeordnete Dr. Jens Brandenburg kommentiert für die „Jugendsozialarbeit News“ die Pläne der Bundesregierung und setzt ihnen die Forderungen der Freien Demokraten entgegen.

Berufliche Bildung: Pläne der Regierung greifen zu kurz

Die BBiG-Novelle wird derzeit im parlamentarischen Verfahren beraten und soll Anfang 2020 in Kraft treten. Zentrale Punkte sind die Einführung einer Mindestausbildungsvergütung (stufenweiser Anstieg von monatlich 515 Euro im Jahr 2020 bis 620 Euro im Jahr 2023 für das erste Lehrjahr) und einheitliche Bezeichnungen für berufliche Fortbildungsstufen (Geprüfte/r Berufsspezialist/in, Bachelor Professional, Master Professional). Dass Auszubildenden eine angemessene Vergütung zusteht, ist unstrittig und geltende Rechtslage. Wir müssen jedoch zugleich darauf achten, dass Ausbildungsplätze nicht weiter gefährdet werden, weder in kleinen Betrieben noch in Berufen, die Menschen mit geringer Qualifikation oder fehlendem Schulabschluss bislang Einstiegschancen bieten konnten. Wir Freie Demokraten begrüßen das Ansinnen, Bekanntheit und Anerkennung beruflicher Fortbildungsmöglichkeiten durch eine Markenbildung zu steigern. Doch die gewählten Begriffe schaffen aus unserer Sicht mehr Verwirrung und unterlaufen die Eigenständigkeit der beruflichen Bildung. So soll der außerordentlich bekannte und anerkannte „Meister“ zwar erhalten bleiben, aber zugleich künftig auch als „Bachelor Professional“ bezeichnet werden.

Aus Sicht der Freien Demokraten greifen die bisherigen Initiativen zur Weiterentwicklung der beruflichen Bildung viel zu kurz. Der Handlungsbedarf ist enorm. Über 2 Millionen bzw. 14 % der jungen Menschen zwischen 20 und 34 Jahren in Deutschland haben keinen Berufsabschluss. Die Anzahl der Ausbildungsbetriebe hat mit 20 % einen historischen Tiefstand erreicht. Für besonders leistungsstarke Auszubildende braucht es mehr attraktive, beschleunigte und hochqualifizierende Angebote.

Exzellenzinitiative für die berufliche Bildung

Wir Freien Demokraten setzen uns deshalb für eine breit angelegte Exzellenzinitiative für berufliche Bildung ein: Wir möchten mehr junge Menschen für die berufliche Bildung begeistern, beispielsweise durch verstärkte Informationsangebote auch an Gymnasien und die Öffnung der Begabtenförderungswerke für Talente der beruflichen Bildung. Die Internationalisierung ist auch in der beruflichen Bildung voranzutreiben, zum Beispiel durch den Aufbau einer Austauschagentur für die berufliche Bildung mit leistungsstarken regionalen Umsetzungs- und Beratungsstrukturen – analog zum Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Hochschulbereich. Wir möchten die berufliche Bildung fit für den digitalen Arbeitsmarkt machen durch die Gründung eines Zentrums für digitale Berufsbildung, einen bundesweiten Wettbewerb für innovative und praxistaugliche Ideen, sowie einen Digitalpakt 2.0 zur langfristigen Finanzierung von IT-Personal, Fortbildungen und digitalen Lernmitteln an Schulen.

Mehr Bildungschancen für jeden Einzelnen

Es ist an der Zeit, dass nicht mehr nur über die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung geredet und an einzelnen Stellschrauben gedreht wird. Es braucht mutige und große Schritte, um die berufliche Ausbildung als eigenständigen, attraktiven Weg weiterzuentwickeln und mehr Bildungschancen für jeden Einzelnen zu schaffen.

Quelle: Dr. Jens Brandenburg MdB (FDP) – Sprecher für Studium, berufliche Bildung und lebenslanges Lernen, Sprecher für LSBTI sowie Mitglied des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung und der Enquete-Kommission für berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt.