Literaturtipp: Warum Careleaver so schnell erwachsen werden

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Viele Jugendliche, die in Einrichtungen der Jugendhilfe aufwachsen, verlassen diese mit 18 Jahren. Warum das so ist und welche Konsequenzen das für die jungen Menschen hat, beschreibt Nina Monecke für Zeit Online. Am Beispiel Aimée wird eindrücklich geschildert, dass es keine Alternative gibt, als früh erwachsen zu werden. Junge Menschen, die aus Einrichtungen der Jugendhilfe ausziehen, sind überwiegend 18, manche 19 und wenige 21 Jahre alt. Deutlich eher müssen sie auf eigenen Füßen stehen als Jugendliche, die bei ihren Eltern groß werden. Diese sind durchschnittlich 23 bzw. 24 Jahre.

Aimée gehört zu der Gruppe der Careleaver – junge Menschen, die das Hilfesystem verlassen und selber wohnen und alles organisieren müssen. Nicht nur Haushaltsaufgaben, sondern auch Behördengänge und Anträge auf Unterstützung wie BAföG oder Wohngeld oder Hartz IV. Geld sparen für eine Möbelgrundausstattung, die ersten Mieten und die Kaution ist so gut wie unmöglich. Erzielen Jugendliche eigene Einkommen während sie in einer Jugendhilfeeinrichtung leben, müssen sie davon Geld ans Jugendamt zahlen – ihren eigenen Anteil an den Jugendhilfekosten aufbringen. Egal, ob von einem Ferienjob, aus Unterhaltszahlungen oder von einer Ausbildungsvergütung.

Monecke beschreibt in ihrem Beitrag ein Problem, auf das die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e. V. schon lange aufmerksam macht. Der aktuelle Monitor Jugendarmut in Deutschland skizziert den Teufelskreis, den Careleaver zu durchbrechen haben (Vgl. S. 8). Wer eine Wohnung mieten will braucht einen Einkommensnachweis oder eine (Eltern)Bürgschaft, ein Schufa-Auskunft, Geld für die Kaution, Geld für die Erstausstattung und ein Transportmittel für den Umzug. Doch wie soll das bezahlt werden, wenn man nichts ansparen und damit auch nicht vorsorgen dürfte?

Die Politik hat mit dem kürzlich beschlossenen Kinder- und Jugendstärkungsgesetz die sogenannte Kostenheranziehung von 75 % auf 25 % abgesenkt. Doch von einem Schüler-Nebenjob bleibt immer noch nicht viel übrig, selbst wenn man „nur“ 25 % davon ans Jugendamt abgeben muss.

Der Artikel im ze.tt Ressort von Zeit Online zeichnet ein lebenswertes Portrait einer jungen, mutigen und engagierten Frau, die sich den Herausforderungen stellt. Aber es wird auch unmissverständlich klar, ohne Hilfe geht es nicht.

Fachverbände der Jugendhilfe und der Erziehungshilfe fordern daher die Möglichkeit länger in den Einrichtungen wohnen zu können – denn die Jugendphase endet nicht mit 18!

Quelle: Zeit Online

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