Der neue Bericht des Deutschland-Monitors 2025 zeichnet ein differenziertes Bild der gesellschaftlichen Stimmung in Deutschland und enthält wichtige Impulse auch für die Jugendsozialarbeit. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie offen die Bevölkerung für gesellschaftliche Veränderungen ist – insgesamt wie auch in einzelnen Politikfeldern. Analysiert wird, ob Wandel als zu schnell oder zu weitreichend wahrgenommen wird, vielleicht sogar eine Chance sein kann. Der Monitor dokumentiert die Einstellungen zur Demokratie und das Vertrauen in staatliche Institutionen. Er fragt zudem, unter welchen Bedingungen Menschen bereit sind, Veränderungen mitzutragen und aktiv mitzugestalten.
Ein zentrales Ergebnis: Die Zustimmung zur Demokratie als Staatsform ist mit 98 % sehr hoch. Gleichzeitig sind deutlich weniger Menschen mit ihrem tatsächlichen Funktionieren zufrieden – bundesweit rund 60 %, in Ostdeutschland weniger. 71 % der Befragten sehen zudem eine negative Entwicklung der Demokratie in den vergangenen zehn Jahren. Der Bericht differenziert nicht nach Alter, deswegen lassen sich keine Tendenzen für die Altersgruppe der jungen Menschen ablesen.
Für die Jugendsozialarbeit kann besonders der Befund relevant sein, dass Vertrauen in staatliche Handlungsfähigkeit und nachvollziehbare politische Entscheidungen ausschlaggebend dafür sind, ob gesellschaftliche Veränderungen akzeptiert werden. Werden politische Maßnahmen als sozial gerecht wahrgenommen, steigt auch die Bereitschaft, sie mitzutragen. Fachkräfte der Jugendsozialarbeit können Einfluss nehmen, indem sie soziale Ursachen von Frustration ernst nehmen und nicht moralisieren. Sie können Räume öffnen, in denen Zweifel und Kritik geäußert und miteinander besprochen werden. Zugleich ist es sinnvoll, politische Bildung mit sozialer Unterstützung zu verbinden. Der Monitor zeigt auch ein differenziertes Bild der Veränderungsbereitschaft: Eine Mehrheit steht gesellschaftlichem Wandel weder eindeutig positiv noch negativ gegenüber, während jeweils etwa ein Viertel ihn klar befürwortet oder eher skeptisch bewertet. Wichtig ist, dass keine generelle Müdigkeit gegenüber Veränderungen besteht. Fachkräfte der Jugendsozialarbeit können ihre Angebote nutzen, Narrative jenseits von Defizit‑ und Krisendiskursen anzubieten, etwa realistische Perspektiven auf Ausbildung, Arbeit, Wohnen und Teilhabe vermitteln. Und sie können unterstützen, dass junge Menschen ihre Biografie planen, sich orientieren und Entscheidungen treffen.
Für Fachkräfte in der Jugendsozialarbeit unterstreichen die Ergebnisse also die zentrale Bedeutung von Demokratiebildung, verlässlichen Beteiligungsstrukturen und sozialer Absicherung junger Menschen – gerade in Zeiten tiefgreifender Umbrüche. Jugendsozialarbeit schafft Räume für Mitwirkung, stärkt demokratische Kompetenzen und trägt dazu bei, Vertrauen in demokratische Prozesse zu fördern, indem sie Teilhabe ermöglicht und Zukunftsperspektiven eröffnet.
Autorin: Xenia Romadina (Fachreferentin bei der IN VIA Akademie in Netzwerk der BAG KJS)



