Deutschland solle Bildungsrepublik werden, jedes Kind unabhängig von seiner Herkunft den Aufstieg schaffen. Das versprach Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit den Ministerpräsidenten der Länder beim Dresdner Bildungsgipfel 2008. Matthias Anbuhl und Klaus Klemm untersuchen in ihrer neuen DGB-Studie die “Baustelle Bildungsrepublik“.

Die für die Jahre von 2008 bis 2018 zusammengetragenen Daten zeigen eindringlich: Von der Aufbruchsstimmung, die die politischen Absichtserklärungen des Jahres 2008 prägten, ist wenig geblieben: Lediglich bei dem Ausbau der Krippenplätze und bei der Ausweitung schulischer Ganztagsangebote findet sich ein echter Fortschritt. In den übrigen Bereichen: bei der Erhöhung von Chancengleichheit, bei der Verbesserung der Erträge schulischen Lernens, beim Übergang von der Schule in Ausbildung, beim Erreichen von Bildungsabschlüssen finden sich Stillstand und zum Teil neuerdings sogar wieder Rückschritte.

Die Tatsache, dass der Anteil der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss neuerdings sogar wieder ansteigt, ist für die Autoren besonders beunruhigend: Sie konstatieren, dass das Verfehlen des Hauptschulabschlusses für die überwältigende Mehrheit dieser jungen Menschen einem Ausschluss von Berufsausbildung gleichkomme. Klemm und Anbuhl belegen mit Daten der bundesweiten DIHK-Lehrstellenbörse von den zum Zeitpunkt der Untersuchung (05.12.2019) insgesamt dort angebotenen 53.854 Ausbildungsplätzen waren bei 95,99 Prozent der Angebote Schulabgängerinnen und -abgänger ohne Hauptschulabschluss von einer Bewerbung ausgeschlossen. Die Tatsache, dass junge Menschen ohne einen oder mit einem allenfalls schwachen Hauptschulabschluss kaum eine Chance haben, eine Ausbildungsstelle zu finden, erkläre, dass Ende September 2019 einerseits 53.100 Ausbildungsplätze noch unbesetzt waren, während 73.700 junge Erwachsene noch eine Ausbildungsstelle suchten. Dann 24.500 als unversorgte Bewerber/innen und weitere 49.200 Bewerber/innen, die zwar eine vermeintliche Alternative gefunden hätten, aber lieber eine Ausbildung absolvieren würden.

Quelle: DGB