Die OECD hat Maßnahmen von Bund, Ländern, Kommunen und Wirtschaft zur Integration von Geflüchteten ausgewertet. Dieser vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Länderbericht bescheinigt der Berufsausbildung eine wichtige Rolle bei der Integration Geflüchteter. Eine Ausbildung erleichtere jungen Geflüchteten den Weg in den qualifizierten Arbeitsmarkt erheblich. Denn sie lernten unter realen Arbeitsbedingungen genau das, was sie später im Betriebsalltag bräuchten. In den Betrieben bekämen Auszubildende das nötige ‚Handwerkszeug’. Im Austausch mit den Kollegen vertieften sie außerdem ihre deutschen Sprachkenntnisse und knüpften Kontakte. Die OECD-Studie zeigt aber zugleich: Viele Geflüchtete sähen die Vorteile einer beruflichen Ausbildung in Deutschland nicht gleich. Das hinge häufig damit zusammen, dass berufliche Bildung in vielen Herkunftsländern keinen so hohen Stellenwert habe, wie in Deutschland.

Der Bericht lobt die 3+2-Regelung, moniert aber auch, dass sie noch nicht flächendeckend umgesetzt werde. Auch Probleme der Diskriminierung auf dem Ausbildungsmarkt verschweigt die OECD nicht. Um diese anzugehen, empfiehlt der Bericht, Diversitätsschulungen in der Breite und insbesondere für kleinere Unternehmen verfügbar zu machen sowie Maßnahmen zur Bekämpfung unbewusster Vorurteile gegenüber Migranten umzusetzen.

Potenzial für mehr Flexibilität

Da es einigen Lernenden schwerfällt, über den Weg der beruflichen Bildung formale Qualifikationen zu erwerben, könnten alternative Bildungswege für bestimmte Gruppen erwogen werden. Gefordert werden flexiblere Ansätze, beispielsweise Teilqualifikationen als Schritte zu einer Vollqualifizierung, die Verlängerung der Ausbildungsdauer für bestimmte Auszubildende und Modularisierung. Auf diese Art könne der Zugang zur beruflichen Bildung für alle jungen Menschen mit geringeren Erfolgsaussichten verbessert werden, während hohe Standards und die Arbeitsmarktorientierung des Ausbildungsangebots beibehalten würden.

Der englischsprachige Länderbericht der OECD stellt auf über 100 Seiten umfassend die Herausforderungen der Integration von Migranten in das deutsche Berufsbildungssystem dar. Neben dem Erwerb von Sprachkenntnissen gehören dazu die Vorbereitung und die Vermittlung in eine Berufsausbildung sowie die Unterstützung der Geflüchteten während dieser Ausbildung. Zielgruppe der Untersuchung waren insbesondere Geflüchtete im Alter von 16 bis 35 Jahren, die in den Jahren 2015 und 2016 nach Deutschland gekommen sind.

Quelle: BMBF; OECD; bildungsklick.de