Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat die Motivation Geflüchteter eine Beschäftigung aufzunehmen oder in Bildung zu investieren untersucht. Basierend auf einer repräsentativen Befragung zeigt das DIW, dass der Einstieg in den Arbeitsmarkt von Geflüchteten, die seit 2010 nach Deutschland kamen, etwa in der gleichen Geschwindigkeit verlief wie im Fall früherer Fluchtzuwanderung.

Im dritten Jahr nach Zuwanderung ist etwa der Hälfte der männlichen Geflüchteten der Einstieg in den Arbeitsmarkt geglückt, bei weiblichen Geflüchteten ist es nur etwa ein Viertel. Häufig liegt die erste Tätigkeit in Deutschland unter dem Tätigkeitsniveau im Herkunftsland. Trotz eines holprigen Arbeitsmarkteinstiegs, sind Geflüchtete hoch motiviert, eine Beschäftigung aufzunehmen oder in Bildung zu investieren. Unterschiede innerhalb der Gruppe der Geflüchteten zeigen sich zwischen Geschlechtern, nach dem Grad der selbst eingeschätzten Gesundheit und nach der Erwerbsbiografie im Herkunftsland. Eine besonders hohe Motivation zu Erwerbstätigkeit und Weiterbildung ist Personen eigen, die im Herkunftsland bereits erwerbstätig waren.

Viele der derzeit noch erwerbslosen Geflüchteten möchten arbeiten

Die DIW Forscher Marvin Bürmann, Peter Haan, Martin Kroh und Kent Troutman belegen eine hohe Motivation Geflüchteter, eine Beschäftigung aufnehmen zu wollen. Im Durchschnitt gaben das 91 Prozent der Befragten Geflüchteten an, Arbeit aufnehmen zu wollen. 71 Prozent planen die Beschäftigungsaufnahme innerhalb der nächsten zwei Jahre. Allerdings gehen nur 59 Prozent der Befragten davon aus, dass sie in den kommenden zwei Jahren tatsächlich einen Arbeitsplatz haben werden. Die Analysen bestätigen aber auch, dass die Beschäftigungsabsichten von Frauen deutlich geringer sind als die von Männern. Bei der generellen Frage zur Beschäftigungsaufnahme ist der geschlechtsspezifische Unterschied mit etwa fünf Prozentpunkten noch relativ moderat. Die Absicht, eine Beschäftigung in den kommenden zwei Jahren aufzunehmen unterscheidet sich deutlich stärker: Sie ist bei geflüchteten Frauen im Durchschnitt etwa 20 Prozentpunkte geringer als bei geflüchteten Männern. Das gleiche Bild ergibt sich bei den subjektiven Erwartungen, tatsächlich eine Stelle zu bekommen: Frauen stufen die Wahrscheinlichkeit mit 20 Prozentpunkten klar niedriger ein als geflüchtete Männer.

Arbeitsmarktintegration erleichtern

Ein Großteil der Geflüchteten verfügt auch ohne Berufsabschluss über Berufserfahrung in Fachkrafttätigkeiten. Die Motivation, eine Aus- und Weiterbildung zu absolvieren ist hoch. Daher fordern die Forscher abschließend schnellere und flexiblere Wege zum formalen Vollabschluss unter Berücksichtigung der Berufserfahrung einzuführen.

Die Untersuchungsergebnisse zur Beschäftigung und Bildungsinvestitionen von Geflüchteten in Deutschenland wurden in einem DIW Wochenbericht veröffentlicht.

Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung