Autor: Silke Starke-Uekermann

Bewertung der SGB II-Umsetzung aus gleichstellungspolitischer Sicht

Bei der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zur neuen ‚Grundsicherung für Arbeitsuchende‘ (SGB II) wurde auch die Gleichstellung der Geschlechter gesetzlich verankert. In der täglichen Praxis der Grundsicherungsstellen werden Frauen und Männer aber bislang z.T. sehr unterschiedlich ‚gefordert und gefördert‘. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung zu den Auswirkungen der ‚Grundsicherung für Arbeitsuchende‘ aus gleichstellungspolitischer Sicht, die vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Uni Duisburg-Essen koordiniert und soeben vom Bundesarbeitsministerium veröffentlicht wurde. Die Studie kommt zu dem Ergebnis: insbesondere Frauen in Westdeutschland und Frauen mit Kindern nehmen im Vergleich zu Männern seltener an Fördermaßnahmen teil. Wenn sie aus dem Hilfebezug ausscheiden, liegt das häufig nicht daran, dass sie eine existenzsichernde Beschäftigung annehmen, sondern dass der Partner einen Job findet und das Einkommen für die Bedarfsgemeinschaft erarbeitet. Wie die Studie zeigt, ist jede zweite Beschäftigung, die von weiblichen Hilfebedürftigen aufgenommen wird, lediglich ein Minijob. Demgegenüber wechseln Männer häufig in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. Insgesamt werden Männer sowohl stärker gefördert als auch gefordert. Das wirkt sich auch auf die materielle Situation aus: Weil Minijobs meist ‚aufgestockt‘ werden müssen, kombinieren Frauen über einen längeren Zeitraum Hilfebezug und Erwerbstätigkeit. Durch die Freibeträge aus dem Erwerbseinkommen und weitere (nicht-anrechenbare) Transfers wie Elterngeld liegt das verfügbare Einkommen von weiblichen Hartz IV-Beziehern im Durchschnitt über dem der männlichen. Dennoch gaben Frauen häufiger an, auf wichtige Güter des Lebens aus finanziellen Gründen verzichten zu müssen. Eine Erklärung hierfür sieht das Forschungsteam darin, dass deutlich mehr als die Hälfte der weiblichen Hilfebedürftigen in Haushalten mit Kindern lebt, während dies nur auf ein Drittel der Männer zutrifft. Damit sind Frauen auch stärker davon betroffen, wenn die Regelsätze für Kinder und Jugendliche zu niedrig sind.

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Zur Professionalisierung von sozialpädagogischen und weiteren Fachkräften im Übergang von Schule in die Arbeitswelt

Das Institut für berufliche Bildung und Weiterbildung e.V. hat im Auftrag der Robert Bosch Stiftung die Studie „Zur Professionalisierung von sozialpädagogischen Fachkräften und weiteren Fachkräften im Übergang von der Schule in die Arbeitswelt“ erstellt. Im Zentrum der Studie stand die Frage nach Fortbildungsmöglichkeiten für Fachkräfte im Handlungsfeld Übergang Schule – Beruf. Ziel war es, aus unterschiedlichen Perspektiven dieses Arbeitsfeld zu beleuchten und erste Thesen zu formulieren, ohne dabei den Anspruch auf Repräsentativität und Vollständigkeit zu erheben. Die Befragungen von Experten und Akteuren und die Analyse des Fortbildungsangebots ergaben, dass die Angebotssituation nicht in allen Bereichen dem tatsächlichen Bedarf der im Übergangsmanagement tätigen Fachkräfte entspricht. Das Angebot scheint am ehesten bei den klassischen Themen „Selbstmanagement“ und „Projektmanagement“ und Themen des personenbezogenen Übergangsmanagements ausreichend zu sein. Als unzureichend wird die Angebotssituation zu Themen des strukturellen Übergangsmanagements, wie z.B. Kooperation zwischen Berufsgruppen, Managen regionaler Übergangssysteme, Wirtschaftsstruktur und betriebliche Kooperation, eingeschätzt.

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Nicht länger enormes Potential verschenken: Zahl der Risikoschüler und –schülerinnen verringern

„Deutschland verschenkt Wachstumspotential durch schlechte Bildung.“ so das Fazit einer Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Die Folgekosten unzureichender Bildung durch entgangenes Wirtschaftswachstum summieren sich in den kommenden achtzig Jahren – die Lebensspanne heute geborener Kinder – auf ca. 2,8 Billionen Euro. Der Bildungsökonom Prof. Dr. Ludger Wößmann berechnete in der Studie die abgezinsten Erträge einer Bildungsreform, welche die Zahl sogenannter „Risikoschüler“ reduziert. Dadurch können langfristige volkswirtschaftliche Effekte von Bildung, beziffert werden. Die durch eine Bildungsreform erzielten Wachstumseffekte werden mit dem prognostizierten Wirtschaftswachstum ohne Reform verglichen. Mit einem so langfristigen Betrachtungshorizont betritt die Bildungsforschung Neuland. Doch eine Bildungsreform braucht mehrere Jahrzehnte, bis sie in der Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt vollständig angekommen ist. Daher hält die Bertelsmann Stiftung eine solch langfristige Betrachtung (achtzig Jahre) für notwendig. Das Problem der unzureichenden Bildung bedarf allerdings dringend unmittelbarer Lösungsansätze. Zur Veringerung der Zahl der „Risikoschüler“ nennt die Studie ausgewählte Reformvorschläge: „Die Schwachen stärken ohne die Starken zu schwächen – alle Kinder und Jugendlichen müssen individuell gefördert werden“, „Erweiterte Verantwortung für den Bildungserfolg übernehmen – Bildungsstätten als Orte der Interpretation“, „Ungleichheit durch Ungleichheit ausgleichen – mehr und wirksamer in Bildung investieren“.

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