Autor: Silke Starke-Uekermann

Das Aufwachsen in sozial benachteiligter Situation vermindert die Chance auf ein gesundes Leben

Ärmere Kinder haben schlechtere Chancen auf ein gesundes Leben. Zu diesem Schluss kommt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Große Anfrage der Fraktion Die Linke. Die Regierung führt unter anderem aus, dass zwar 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen nach eigenen Angaben beziehungsweise nach Angaben ihrer Eltern einen guten oder sehr guten Gesundheitszustand haben. Nach dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey sei aber die Chance eines Kindes aus sozial schwachen Verhältnissen, einen guten Gesundheitszustand zu haben, um die Hälfte geringer als die eines Kindes aus gut situierten Verhältnissen. Gerade in den Bereichen psychosoziale Gesundheit und Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen träten sozial bedingte Unterschiede auf. Das Aufwachsen in sozial benachteiligter Situation vermindert somit die Chancen auf ein gesundes Leben. Laut Bundesregierung besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem sozialen Status und dem Gesundheitsverhalten, ebenso zwischen beruflicher Stellung und dem Gesundheitszustand. 59 Prozent der Männer mit hohem, aber nur 44 Prozent der Männer mit niedrigerem beruflichen Status haben einen sehr guten oder guten Gesundheitszustand. Bei Frauen fällt der Unterschied mit 53 zu 39 Prozent ähnlich aus. Ein höheres Gesundheitsrisiko für arme Kinder und Jugendliche stellten auch Experten in einer Anhörung der Kinderkommission fest. Dr. Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte forderte, dass die systematische Gesundheitserziehung Pflichtprogramm an Schulen werden müsse. ”Besonders Kinder aus den unteren sozialen Schichten sollen dadurch angesprochen werden“, sagte er. Obwohl bereits im Jahr 2002 von der Politik die Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) vorgesehen worden war, sei der ÖGD weiter abgebaut worden. Dr. Thomas Lampert stellte den statistischen Zusammenhang zwischen sozialer Benachteiligung und gesundheitlicher Entwicklung auf Basis der KiGGS-Studie her. Laut Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) ist ”das Risiko erheblich erhöht, dass Kinder aus benachteiligten Familien chronisch krank werden.“ Schafften sie jedoch den Sprung auf das Gymnasium, stiegen die Gesundheitschancen. ”Deshalb muss eine Stärkung durch bessere Bildungspolitik stattfinden“, sagte Lampert.

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Erfolgreiche Integration junger Menschen durch die Kinder- und Jugendhilfe – fachliche Empfehlung

Der Deutsche Verein hat Empfehlungen zu einer erfolgreichen Integration von Menschen mit Migrationshintergrund durch Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe herausgegeben. Die Kinder- und Jugendhilfe ist qua ihres in § 1 SGB VIII normierten Auftrags und ihres pluralen Leistungsspektrums in einem besonderen Maße herausgefordert und in der Lage, einen entsprechenden Teilhabeanspruch zu erfüllen. Mit ihren vielfältigen Angeboten verfügt sie über Ressourcen, junge Menschen und ihre Familien bei der Partizipation an allen Teilbereichen der Gesellschaft zu unterstützen und sich damit aktiv am Integrationsprozess zu beteiligen. Allerdings sind immer noch Unterschiede in der Inanspruchnahme von Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe durch junge Menschen mit Migrationshintergrund und ihre Familien feststellbar. Damit diese Situation aufgelöst und Integration in einem großen Umfang, mit nachhaltigerer Wirkung und verbindlicheren Zielen als bisher gelingen kann, müssen die trotz der unzähligen interkulturellen Konzepte, Aktivitäten und Projekte immer noch bestehenden Schwellen im Zugang und in der Inanspruchnahme der Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe abgebaut werden. Dies erfordert zunächst einen Perspektivwechsel, der eine differenzierte Betrachtung und ressourcenorientierte Integrationsdebatte nach sich zieht.
Der Deutsche Verein spricht sich daher nachdrücklich dafür aus, die oftmals noch anzutreffende ausschließliche Orientierung an den besonderen Belastungen, die mit der Kategorie Migrationshintergrund verbunden sein können, zu überwinden, den Blick auf Menschen mit Migrationshintergrund zu verändern, die Diversität der Kulturen, die Pluralität und Heterogenität der unterschiedlichen Lebenswelten der Menschen als Normalität anzuerkennen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe dementsprechend aus- und umzubauen.

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Praxishandreichung zur erfolgreichen Umsetzung

Die Bundesarbeitsgemeinschaft örtlicher regionaler Träger stellt in ihrer Studie zur Fachlichkeit niedrigschwelliger Angebote der Jugendsozialarbeit fest:
Seit Jahren verlassen rund 10% eines Jahrgangs die Schule ohne Abschluss, ca. 15% der jungen Erwachsenen unter 27 Jahren verfügen über keinen anerkannten Berufsabschluss. Ihnen drohen dauerhaft soziale Exklusion und dem System Mehrkosten. Das zur Verfügung stehende Instrumentarium der Arbeitsförderung erreicht diese jungen Menschen nachweislich nicht. Welche Voraussetzungen muss die Benachteiligtenförderung erfüllen, um Jugendliche mit mehrfachem Förderbedarf nachhaltig gesellschaftlich zu integrieren? Resultierend aus der Studie, die im Mai 2010 veröffentlicht wurde, ist nun ein Leitfaden entstanden, der sich an die Praxis der Jugendsozialarbeit richtet. Mitarbeiter/-innen erhalten darin Empfehlungen, wie niedrigschwellige Projekte konzipiert und organisiert werden müssen.

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„Wir trauen den Leuten etwas zu.“

Junge Zuwanderinnen und Zuwanderer, die in Deutschland eine akademische Laufbahn aufnehmen oder fortsetzen wollen, finden bei den Jugendmigrationsdiensten kompetente Unterstützung: Seit 2009 sind dort die ehemaligen Beraterinnen und Berater der Otto Benecke Stiftung e. V. als Bildungsberater aktiv. Ein Interview mit Heiner Terborg, der die
Zusammenarbeit zwischen der Bildungsberatung und dem Förderbereich der Otto Benecke Stiftung e.V. koordiniert.

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Altersverlauf und Erklärungszusammenhänge von Jugendkriminalität – Ergebnisse einer Verlaufsstudie

In der öffentlichen Diskussion spielt Jugendkriminaliät immer wieder eine Rolle. Vor allem bei der Jugendgewalt wird von einer Zunahme und Intensivierung ausgegangen. Eine Verlaufsstudie „Kriminalität in der modernen Stadt“ wurde von 2000 bis 2003 in Münster (1.949 Betroffene) und wird seit 2002 in Duisburg (3.411 Betroffene) durchgeführt. Dabei wird die Entwicklung der Kriminalität auf zwei Arten untersucht:
zum einen im Zeitverlauf – Zunahme oder Rückgang in den vergangenen Jahren; zum anderen im Altersverlauf – Beginn, Abbruch oder Kontinuität im Prozess der menschlichen Entwicklung.
Forscher der Universität Bielefeld und Münster veröffentlichten ihre Ergebnisse der Verlaufsstudien in den Zeitschriften „Neue Kriminalpolitik“ und „forum kriminalprävention“. Neben der Beschreibung der Entwicklung von Jugenddeliquenz im Altersverlauf, treffen sie auch Aussagen zur Altersentwicklung im Alkohol- und Drogenkonsum. Abschließend stellen die Forscher Zusammenhänge vor zwischen Jugenddeliquenz und psychosozialer Belastung, Migration, dem Konsum medialer Gewalt, der sozialen Struktur von Stadtteilen, Jugendmilieus sowie Werteorientierungen.

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