Ausbildung: Jugendliche gehen bei der Berufswahl Kompromisse ein

Die Berufswahl junger Menschen wird von vielen Faktoren beeinflusst. Persönliche Interessen, soziale Erwartungen, Anforderungen des Bildungssystems sowie die Marktlage tragen dazu bei, dass Jugendliche Kompromisse bei der Berufswahl eingehen. Lea Ahrens, Corinna Kleinert, Melanie Fischer und Brigitte Schels haben die Situation analysiert und einen entsprechenden Beitrag im Online Magazin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) veröffentlicht. Die Forscher*innen beschreiben anhand von acht Indikatoren, wie sich die Ausbildungsberufe der Jugendlichen von den Berufszielen in ihrer Schulzeit unterscheiden. Betrachtet werden etablierte Statusmaße wie Lohn, Prestige und Qualifikationsniveau im Beruf als auch Sicherheit durch Beschäftigungsstabilität und Karrierechancen. Zudem sind die soziale Passung des Berufslebens über sozialverträgliche Arbeitszeiten ohne regelmäßige Wochenend- und Schichtarbeit und die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf durch Teilzeitmöglichkeiten wichtig. Ahrens, Kleinert, Fischer und Schenk stellen fest, dass die meisten jungen Menschen Kompromisse eingehen und ihre Ausbildung in einem anderen Beruf als demjenigen absolvieren, den sie noch in der 9. Jahrgangsstufe angestrebt hatten. Dabei fasst ein Großteil in Berufen Fuß, die dem ursprünglichen Ausbildungsziel ähneln. Jungen Menschen werden bei ihrer Berufswahl auf unterschiedliche Weise unterstützt. Auch die Jugendberufshilfe bietet mit Angeboten der Berufsorientierung Hilfe an. Dennoch sind die Passungsprobleme auf dem Arbeitsmarkt über die letzten Jahre bestehen geblieben.

Zu dieser Entwicklung trägt zum einen bei, dass junge Menschen zunehmend akademische Bildungswege anstreben. Zudem sind für die Jugendlichen nicht alle angebotenen Berufe gleichermaßen attraktiv und erfolgversprechend. Aber teilweise formulieren die Arbeitgeber auch Anforderungen, die nicht der Bewerber*innenlage entsprechen. Das Instrument der Assistierten Ausbildung bietet sowohl Betrieben als auch Auszubildenden Hilfe an. Die Unterstützung wird an die individuelle Situation angepasst, damit die Ausbildung ein Erfolg wird – für beide Seiten. Die Jugendberufshilfe ist auch für die Assistierte Ausbildung ein kompetenter Partner. Aber all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich durch die Coronakrise die Situation auf dem Ausbildungsmarkt weiter zuspitzt. Der Druck auf die jungen Menschen, Kompromisse bei der Berufswahl einzugehen, wird ansteigen. Die im Beitrag des IAB-Forums skizzierten Muster der Kompromissbildung dürften auch künftig zu beobachten sein.

Quelle: IAB; BAG KJS

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