Der aktuelle Migrationsbericht der Bundesregierung zeigt einen deutlichen Rückgang der Nettozuwanderung um 35,1 % gegenüber dem Vorjahr (von 662.964 auf 430.183), wobei auch die Zahl der Asylerstanträge um 30,2 % sank. Dessen ungeachtet ist die Zahl der neuzugewanderten Personen im Alter bis zu 25 Jahren mit einem Wert von 39,4 % aller Neuzugewanderten weiterhin sehr hoch. Die Daten stammen aus dem Jahr 2024.
Genau dies bildet auch die im Bundessprogramm Jugendmigrationsdienste (JMD) angewendete Statistik für das Jahr 2024 ab: Über 136.000 junge Menschen nutzten 2024 die JMD-Angebote. Seit den Corona-Jahren hat sich die Zahl der Beratungen auf einem hohen Niveau stabilisiert. Dies zeichnet sich auch in der Auswertung für das Jahr 2025 ab.
JMD-Arbeit: Integration junger Menschen im Fokus
Die JMD haben als Angebot der Jugendsozialarbeit im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe in erster Linie die Aufgabe, junge Menschen mit Einwanderungsbezug zu beraten und zu begleiten, die Unterstützung am Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf benötigen. Als Teil des migrationsspezifischen Beratungsangebots nach § 45 des Aufenthaltsgesetzes bieten die Jugendmigrationsdienste für alle jungen Menschen mit Einwanderungsbezug eine sozialpädagogische Begleitung vor, während und nach den Integrationskursen des Aufenthaltsgesetzes und den Sprachkursen an. Grundlage dafür sind die Richtlinien der Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule (GF-H).
Viele Zugewanderte (u. a. aus Syrien, Ukraine oder Afghanistan) benötigen weiterhin intensive Unterstützung beim Spracherwerb und im Übergangssystem. Die im Bericht genannten 13.344 unbegleiteten Minderjährigen verdeutlichen den anhaltenden Bedarf an strukturierter individueller Unterstützung junger Menschen. Und nicht zuletzt der Familiennachzug und die Stabilisierung junger Familien – 2024 betraf dies über 97.000 Menschen – in Hinblick auf rechtliche und soziale Fragen machen die JMD für viele junge Ratsuchende unverzichtbar. Viele junge Menschen stehen auch Jahre nach ihrer Einreise weiterhin vor vielschichtigen Herausforderungen bei Bildungszugängen, psychosozialen Belastungen, strukturellen Barrieren oder der Anerkennung ihrer Kompetenzen. Die konstant hohe Beratungsquote der JMD widerlegt die Annahme, dass weniger Migration automatisch zu weniger Integrationsarbeit führt. Sie verdeutlicht, dass Integration ein langfristiger Prozess ist, der nicht allein von Wanderungsstatistiken abhängt.
Handlungsbedarfe aus Sicht der BAG KJS
Für die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) als eine der Trägerorganisationen der JMD bestätigt dies die Notwendigkeit stabiler, langfristiger Förderung, da die Nachfrage augenscheinlich nicht an Migrationszahlen, sondern an Integrationshürden geknüpft ist.
Als zweiten wesentlichen Punkt fordert die BAG KJS, die u. a. schon vor einigen Jahren initiierten digitalen Beratungsformate und Blended Counseling konstant weiterzuentwickeln, um Zugänge niedrigschwelliger gestalten zu können und vorhandene Strukturen finanziell besser und langfristig abzusichern.
Autor: Peter Müller



