Junge Generation am stärksten von Armut betroffen

Mit ihrem „Monitor Jugendarmut 2012“ macht die BAG KJS auf die besondere Gefährdungslage junger Menschen aufmerksam. „Benachteiligte Jugendliche haben viel mehr zu erdulden als materielle Unterversorgung. Sie werden gesellschaftlich ausgegrenzt. Der Zugang zu Bildung und Kultur wird ihnen häufig verwehrt. Hier sind Politik und Gesellschaft gefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um allen jungen Menschen gleiche Zukunftschancen zu gewähren.“ sagt Pfarrer Simon Rapp, Vorsitzender der BAG KJS.

Mechanismen der Ausgrenzung
Junge Menschen sind vor allem nach dem Erleben von Misserfolgen und Lebenskrisen von Ausgrenzung bedroht. Mindestens 80.000 junge Menschen leben am äußersten Rande unserer Gesellschaft ohne Anschluss an das Erwerbs-, Bildungs- oder Sozialsystem. Nach Meinung von Experten der Jugendhilfe führt vor allem die Streichung der Bezüge durch die Jobcenter am stärksten zu gesellschaftlicher Ausgrenzung und Jugendarmut. Simon Rapp macht deutlich: „Junge, von Armut bedrohte Menschen dürfen nicht im Niemandsland unseres Sozialstaates landen“.

Die mit Jugendarmut einhergehenden Folgen für die Perspektiven junger Menschen bedingen ein gemeinschaftliches Handeln von Gesellschaft, Politik und Kirche.

Bekämpfung von Jugendarmut ist nicht nur Aufgabe des Staates, sondern gemeinsame Aufgabe der einzelnen Bürgerinnen und Bürger sowie aller gesellschaftlich relevanten Gruppen. Kirche und ihre Institutionen sind gefordert, jungen Menschen Perspektiven zu ermöglichen und Unterstützung zu leisten. In Städten und in strukturschwachen Regionen ist ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, dass adäquate Angebote für junge Menschen zur Verfügung stehen.

Für die Katholische Jugendsozialarbeit stehen drei zentrale Forderungen gegen Jugendarmut im Vordergrund:
I. Jugendarmut durch gezielte und sinnvolle staatliche Transferleistungen wirksam bekämpfen
Der Regelbedarf und damit der monatliche Hartz-IV-Regelsatz ist zur Absicherung eines altersspezifischen Existenzminimums von Jugendlichen nach oben zu korrigieren. Preissteigerungen für Güter in für Jugendliche relevanten Lebensbereichen sind dabei zu berücksichtigen. Leistungen zur soziokulturellen Teilhabe und Bildung sind nicht nur kurzfristig, sondern dauerhaft zu gewähren. Der Bildungsprozess sollte durch Fachkräfte aus der Jugendhilfe begleitet werden.

II. Mehr ganzheitliches Fördern statt einseitiges Fordern
Junge Menschen benötigen nicht immer wieder neue reglementierte Förderinstrumente, sondern vielmehr individuelle Förderung und passgenaue Bildungsangebote. Der Jugendhilfeansatz im Sinne einer
ganzheitlichen Förderung zur Persönlichkeitsbildung sollte dabei im Vordergrund stehen. Im Zusammenspiel der Sozialgesetzbücher II, III, und VIII müssen Instrumente miteinander kombinierbar sein. Der junge Mensch ist in die Förderplanungen aktiv einzubeziehen. Der Gesetzgeber wird aufgefordert, die bestehenden Gesetze dahingehend zu entwickeln und zu profilieren, dass Leistungen kombinierbar werden.

III. Die Würde von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den Mittelpunkt des Handelns stellen
Der junge Mensch als Ganzes steht im Mittelpunkt der Katholischen Jugendsozialarbeit und ihres Selbstverständnisses. Die unantastbare Würde eines jeden jungen Menschen ist Handlungsgrundlage für alle Hilfs- und Förderangebote in katholischer Trägerschaft, nicht die in Assessments festgestellten Kompetenzen oder die wirtschaftliche Verwertbarkeit. Dies immer wieder zu betonen und vor diesem Hintergrund aktuelle Maßnahmen, gesetzliche Regelungen, Ausführungsbestimmungen und Förderrichtlinien entsprechend zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, ist originäre Aufgabe Katholischer Jugendsozialarbeit. Es ist unser christlicher Anspruch, gesellschaftliche Teilhabe allen jungen Menschen zu ermöglichen.

Die Katholische Jugendsozialarbeit in Deutschland übernimmt eine Anwaltsfunktion für sozial benachteiligte junge Menschen, zu denen auch die von Armut betroffenen gehören, und verleiht ihnen eine Stimme. Mit ihrer Initiative macht sie auf die bestehende Ungerechtigkeit in den (Start-)Chancen junger Menschen aufmerksam und engagiert sich für Veränderungen. In den Einrichtungen und Diensten der Katholischen Jugendsozialarbeit erfahren benachteiligte Jugendliche aktive Unterstützung. „

Zur Veröffentlichung des Monitor Jugendarmut 2012 veranstaltete die BAG KJS eine Pressebustour in Berlin. Dabei wurden mit Journalisten Einrichtungen und Projekte der Katholischen Jugendsozialarbeit in Berlin besucht. Bild-Eindrücke entnehmen Sie bitte dem Anhang.

www.jugendarmut.info
www.jugendarmut.info/Monitor_Jugendarmut_2012
www.facebook.com/bagkjs
www.welt.de/politik/deutschland/article106603030/Jeder-fuenfte-Jugendliche-in-Deutschland-ist-arm.html
www.weser-kurier.de/Artikel/Bremen/Vermischtes/609367/Bremerhavener-am-meisten-von-Armut-bedroht.html
www.jugendhilfeportal.de/jugendsozialarbeit/artikel/eintrag/monitor-jugendarmut-2012-junge-generation-am-staerksten-von-armut-betroffen/

Quelle: BAG KJS

Dokumente: Monitor_Jugendarmut_in_Deutschland_2012.pdf

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