Leiharbeit: Jobmotor für die einen, Zweite-Klasse-Arbeitsplätze für die anderen

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„Wie wird Zeitarbeit bewertet? Ist Leiharbeit ein Wirtschaftsfaktor? Wer partizipiert am angeblichen Erfolgsmodell? Birgt diese Beschäftigungsform nicht vielmehr Risiken auf prekäre Verhältnisse als auf sichere berufliche Perspektiven?

Das Urteil über die Leiharbeit fällt auch unter Experten höchst unterschiedlich aus. Dies zeigte eine Anhörung des Ausschusses für Arbeit und Soziales in der letzten Woche anlässlich des ”Elften Berichts der Bundesregierung über Erfahrungen bei der Anwendung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes“ (17/464) sowie drei Anträgen der Oppositionsfraktionen.

Johannes Jakob vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) berichtete, dass es von 2008 bis zum zweiten Quartal 2009 ”mehr Abgänge als Eintritte“ in die Zeitarbeit gegeben habe, dass es dort ”nach wie vor keine stabilen Beschäftigungsverhältnisse“ gebe, die Beschäftigungszeiten kurz seien und die Lohnunterschiede hoch. Von den Zeitarbeitern würden diese als ”ungerecht“ empfunden. Dem hielt Dr. Jürgen Wuttke von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) entgegen, dass die Zeitarbeit ein ”regelrechter Jobmotor“ sei, der dem Konjunktur-Aufschwung ein Stück vorauseile. Im Frühjahr 2006 hätten 75 Prozent aller Neueinstellungen in der Zeitarbeit stattgefunden, 2008 sei es nur noch jeder zehnte Neubeschäftigte gewesen. Derzeit gebe es laut Bundesagentur für Arbeit (BA) rund 600.000 Zeitarbeits-Beschäftigte. Christian Rauch von der Bundesagentur für Arbeit sagte, durch die Zeitarbeit sei die Beschäftigungsschwelle von 2,3 Prozent Wirtschaftswachstum auf ”deutlich unter 2 Richtung 1“ gesunken. 62 Prozent der in der Zeitarbeit neu Beschäftigten seien zuvor ohne ”direkte Beschäftigung“ gewesen“.

Sowohl der Vertreter der BA als auch Claus-Georg Schneider vom Arbeitgeberverband Mittelständischer Personaldienstleister e.V. wandten sich gegen die Rücknahme der in den Jahren 2003 und 2004 geschaffenen Erleichterungen bei der Einstellung von Zeitarbeitnehmern, da dies den Unternehmen Flexibilität nähme. Samuel Marseaut vom Bundesverband Zeitarbeit glaubte nicht, dass die Unternehmen alternativ normale Vollzeit-Arbeitsplätze schaffen würden. Die Firmen würden andere flexible Instrumente nutzen oder die Produktion ins Ausland verlagern.

Johannes Jakob vom DGB sagte, dass nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), ”lediglich sieben Prozent“ der Zeitarbeiter dauerhaft beschäftigt würden. Er kritisierte den Bericht der Bundesregierung, der ”viele Studien nicht berücksichtigt“ und kaum auf die gravierenden Lohnunterschiede zwischen Stammbelegschaft und Leiharbeitern eingehe. Der Soziologe Professor Klaus Dörre beschrieb den Trend zu einer Mehrklassen-Arbeitnehmerschaft und sagte, bei der ”strategischen Nutzung“ der Leiharbeit gehe es den Unternehmen nicht um dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse, sondern darum Arbeitnehmer ”unterhalb der Standards“ anzustellen.“

Quelle: Pressedienst des Deutschen Bundestages

Dokumente: 1700426_Lohndumping_verhindern_Die_Linke.pdf

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